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Kritik von Michael Scharsig zu '12 Years a Slave'

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Kritik von Michael Scharsig
veröffentlicht am 24.01.2014
80%
Wenn sich ein starbesetzter Film mit amerikanischer Geschichte auseinandersetzt, dann befindet er sich je nach Cast schon vor Veröffentlichung im Favoritenkreis für Oscars und Co. So auch das Südstaaten-Drama "12 Years a Slave".

Nach dem gleichnamigen Buch von Solomon Northup wird dessen unglaublich leidige Wandlung vom anerkannten Geiger zum versklavten Niemand beobachtet. In der Hauptrolle präsentiert sich Hollywood-Leichtgewicht Chiwetel Ejiofor ("Salt", "2012") mal in einer Rolle mit besonderer Aufmerksamkeit. Schnell jubelten die Kritiker, verglichen den Film von Steve McQueen von seiner Dramataik her mit "Schindlers Liste" und prophezeiten einen hochemotionalen Klassiker.

Ich kann mich dieser Euphorie leider nicht anschließen. Schaut man einmal hinter das Tuch der traurigen Geschichte, so wird mehr und mehr sichtbar, dass "12 Years a Slave" zwar gut ist, aber eben kein Meilenstein. Ejiofor schafft es nicht seiner Figur den nötigen Schmerz zu vermitteln. Natürlich kann er auf Knopfdruck weinen, starr ins Nichts gucken oder vor Leid schreien, doch die Wandlung kaufe ich ihm nicht ab. Es wird nicht ersichtlich, dass sein Wille nach und nach bricht, es wird ebenso wenig deutlich, dass seine Hoffnung verkümmert. Viel zu häufig begibt er sich wehrhaft in Gefahr, gibt Konter oder fasst neuen Mut. Es sind viel mehr seine Mitstreiter, dessen Schicksalsrollen ans Herz gehen - allen voran die grandios aufspielende Lupita Nyong'o (mit Liam Neeson in "Non-Stop") als Sklavin Patsey. Sie erzeugt den gewünschten Effekt aus Scham und Betroffenheit, ihrer Figur sieht man die erloschene Seele an. Das tut weh und ist authentisch und echt wie ein Peitschenhieb.

Neben Nyong'o aber triumphieren vor allem die bösen Charaktere. Michael Fassbender ("Inglorious Basterds") spielt seinen versoffenen Sadisten Edwin Epps so authentisch, dass er demnächst mal eine nette Rolle annehmen sollte, nur der Sympathie halber. Seine Beziehung zu Patsey, sein Dialog mit Bauarbeiter Bass (kurz dabei: Brad Pitt). Fantastisch! Ebenso gefallen Benedict Cumberbatchs ("Inside WikiLeaks") innerlich zwiegespaltener Sklavenbesitzer William Ford und Paul Giamattis ("Barney's Version") diabolischer Menschenhändler Theophilus Freeman. Ein besonderes Lob auch an Sarah Paulson, die Epps rassistische und eifersüchtige Ehefrau einfach nur zum hassen gut verkörpert. Ironisch, dass man sie aus "American Horror Story" kennt.

Es stimmt schon, handwerklich ist nicht viel am Gesamtwerk auszusetzen. Die Bilder sind passend in die Zeit zurückversetzt, die Musik untermalt die hoffnungslose Aussicht auf Freiheit und die Kameras sind zu keiner Zeit am falschen Platz. Warum der Film aber unnötig in die Länge gezogen wird bleibt mir schleierhaft. Vor allem die minutenlangen Nahaufnahmen von Northup hätte McQueen sich sparen können, denn bei Ejiofor springt der Funke einfach nicht über.

Es gibt eine ganze Liste an Filmen, die sich mit der Slaverei in Amerika auseinadersetzt, einer der stärksten ist zum Beispiel "Rosewood Burning". Doch auch aktuelle Meisterwerke wie "Lincoln", "The Help" oder "Django Unchained" befassen sich mit diesem Thema und "12 Years a Slave" reiht sich nur ein, anstatt sich hervorzuheben. Einige Kritiker schrieben der Film sei ein Schlag in die Magengrube und man ginge mit gedrückter Stimmung aus dem Saal. Dieses Gefühl kann ich nicht bestätigen. Kurz: Ich war nicht so berührt wie erhofft, wie z.B. bei "Der Pianist", "The Help" oder "Der Untergang".

Fazit: "12 Years a Slave" ist technisch gesehen einer der komplettesten Filme des Jahres. Brilliante Nebendarsteller und eine interessante Geschichte täuschen bisweilen aber darüber hinweg, dass diese nicht emotional genug erzählt und von der Hauptfigur übertragen wurde. Nur weil das Thema heikel ist und nachdenklich macht ist McQueens Oscar-Favorit in meinen Augen daher noch lange kein Meisterwerk.

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