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Kritik von Thorsten Wiethake zu 'Star Trek'

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Partner von Fantastic Zero
Star Trek
Poster zu "Star Trek"Gewinner OscarKinostart Deutschland: 07.05.2009

Action, Abenteuer, Science-Fiction

USA 2009, ca. 127 min.

FSK: ab 12, $150 Mio. Budget
Trailer anschauen
Kritik von Thorsten Wiethake, veröffentlicht am 01.05.2009
Anmerkung (Es muss leider gesagt werden): Dieser Artikel bezieht sich auf die englische Originalversion von Teaser, Trailern und Film. Im Normalfall ist dafür kein gesonderter Absatz von Nöten, aber in diesem Fall sollten die Zuschauer, wenn sie auf Nummer sicher gehen wollen, dort wo es entsprechende Möglichkeiten gibt, sich die Originalversion in den Kinos anschauen.
Warum? Leider gibt es immer wieder Fälle, in denen die deutsche Synchronisations-Industrie es schafft, (fast) alles falsch zu machen, was man falsch machen kann. Nachdem man den ersten deutschen Trailer gesehen hat, bedarf es nicht viel, zu erkennen welchen Fehlgriff man sich hier droht zu leisten.
Eine gute Synchronisation ist ein wichtiger Pfeiler des Films. Was nützt eine packende Story, atemberaubende Action und bis unter die Spitzohren energische Charaktere, wenn diese den Mund nur auf zumachen brauchen und schon geht das ganze Charisma durch die nächste Luftschleuse ab ins Nirvana?
Allen voran hat es leider einen der beiden Hauptcharaktere erwischt. Spock wird gesprochen von Timm Neu der deutschen Synchronstimme von (Timothy McGee aus "Navy C.I.S."). Da hat sich wohl jemand gedacht, weil die beiden Charaktere sich aufgrund ihres analytischen Verstands und der Außenseiterrolle ähneln, müsste dies auch stimmlich so passen. Dieser katastrophale Fehlgriff gleicht schon einem vulkanischem Nervengriff auf das Gemüt des Zuschauers. Vielleicht erklärt das auch, mal abgesehen von der immer wieder gern vorgeschobenen Finanzkrise, warum im deutschen Fernsehen bisher die Werbetrommel so wenig gerührt wurde. Im Gegensatz dazu wird man überrollt von einem deutschen Privatsender und dessen Crosspromotion auf vielen Kanälen für den "Star Trek Mai."
Es gibt zwar seit ein paar Tagen einen neuen Trailer mit teilweise neuen Synchronstimmen, aber vielleicht ist es den Werbetreibenden auch egal. Jedoch trifft die letzte Entscheidung immer noch der Kinobesucher mit seinem Geld. Egal ob es nun zeitliche Gründe hat oder man eine Fehlbesetzung noch rechtzeitig bemerkt hat, die Verantwortlichen bräuchten sich nicht zu wundern, wenn das Ergebnis solcher Aktionen nicht gut ankäme. Schließlich ist es für die meisten Kinobesucher nicht nachvollziehbar oder sogar unverständlich, warum man für Trailer und Film verschiedene Stimmen benutzen muss.
Aber vielleicht wendet sich ja am Ende noch alles zum Guten, denn schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Eine neue Ära wird angekündigt
Im Januar 2008 wurde der Puls von vielen sehnsüchtigen Fans das erste mal kräftig beschleunigt, als vor J.J. Abrams' "Cloverfield" der Teaser von Star Trek (2009) lief. Es reichten ein paar Bilder einer Schiffswerft, ein paar Männer die mit Schweißgeräten Metall bearbeiteten und ein paar historische Zitate, von der ersten Mondlandung, um strahlende Gesichter zu erzeugen. Als dann noch, untermalt von einer bombastischen Star Trek Fanfare, Leonard Nimoy mit dem Satz "Space, the final frontier", die Fortsetzung der Star Trek Reihe ankündigte, war Gänsehaut pur angesagt, und man hätte am liebsten eine Zeitreise gemacht, um nicht warten zu müssen.

"Das Warten hat ein Ende!"
Mit diesen Worten endete der erste Trailer, und dies spricht nicht nur aus dem Herzen vieler Fans, sondern ist auch der Beginn einer neuen Ära der Star Trek Saga.
"Lost"-Erfinder J.J. Abrams ("Alias - Die Agentin", "Cloverfield", "Fringe - Grenzfälle des FBI"), der sich zwar Anfangs noch nicht als Star Trek Fan bezeichnen konnte, da er noch nie etwas davon gesehen hatte, war sich aber stets der Verantwortung in der Rolle als Regisseur und Produzent für dieses Mammut-Projekt bewusst.
Er benötigte unbedingt Autoren, die es schaffen würden, die bekannten Charaktere quasi im Rückwärtsgang bis zu den Anfängen zu führen. Es sollte erzählt werden, woraus all ihre Hoffnungen und Träume bestanden, sowie ihre Beweggründe und Motivationen.
Diese Aufgabe übertrug Abrams einem Team, dem er mit Recht zutraute, der Story den nötigen, sehr dynamischen und spannenden Action-Stempel aufzudrücken, ohne dabei die Vorlage zu kompromittieren, sie aber dennoch dem Staub der Jahrzehnte zu entreißen.
Das Dreamteam besteht aus Alex Kurtzman und Roberto Orci, aus deren Federn Filme wie "Transformers", "Mission: Impossible III" oder die Serie "Fringe - Grenzfälle des FBI" stammen. Den beiden war von Anfang an klar, welche Verantwortung sie sich damit auf die Schultern luden, weshalb sie auch nicht sofort zugesagt haben, und sogar Roberto Orci, als eingefleischter Star Trek Fan, musste sich die Sache zweimal überlegen.

Die Fans müssen sich auf jeden Fall auf gewaltige Änderungen einstellen. Immerhin sind seit dem erstem Film 30 Jahre und seit der ersten Folge über 40 Jahre vergangen. Viele Dinge und Fakten, die man aus den Serien und Filmen kannte, wurden geändert und dies mit teilweise gewaltigen Einschnitten für die einzelnen Charaktere. Im erzählerischen Sinne "Leidtragende", sind die wohl am bekanntesten fiktiven Filmhelden von Star Trek: James T. Kirk und sein loyaler, aber durchaus auch streitsüchtiger, halbvulkanischer Freund Spock.
Aber keine Angst, alle Änderungen sind zwar drastisch und auch emotional, aber sie machen stets logisch Sinn, und man erkennt, mit welchem Feingefühl die Autoren an das Drehbuch herangegangen sind. So erhält zum Beispiel die Eröffnungssequenz des ersten Trailers, wo der noch junge Kirk mit einem Sportwagen auf einen Abgrund zu rast, einen völlig anderen Blickwinkel, wenn man im Film diese mit nur ein paar Sekunden mehr Inhalt sieht.
Diese extrem mutigen Schritte für Veränderungen, sind ein neuer Beginn im doppelten Sinne. Zum Einen hat "Star Trek" nun einen völlig neuen Stil, der zeitgemäßer kaum sein kann, aber dennoch die alten Tugenden und Merkmale besitzt. Zum Anderen wird die Geschichte völlig neu erzählt. Alles was in Enzyklopädien und OpenSource Nachschlagewerken steht, bedarf einer Überarbeitung, da die Lebensläufe und Historie von wirklich jedem verändert wurden.

Viele Fragen, die man sich schon immer gestellt hat werden beantwortet. Manche wurden vielleicht schon einmal in den Serien oder Filmen aufgeklärt, andere niemals. Manche Dinge hätte man sich nie träumen lassen (Wer hätte gedacht, dass Uhura mit ... Ah! Seht es euch am Besten selbst an). Von daher wartet selbst auf einen noch so eingefleischten Fan die eine oder andere wirklich dicke Überraschung.
Dinge wie: "Woher hat Dr. "Pille" McCoy seinen Spitznamen", "Wie lautet Uhuras Vorname", "Wie erging es Spock als Kind auf seinem Heimatplaneten Vulkan" sind da nur der Anfang der unendlichen Weiten. Vor allem die Entstehung der Freundschaft zwischen Kirk und Spock war nicht nur schon lange überfällig, sondern ist durch die Neuerfindung sehr mitreißend.
Es wird zur Freude aller auch immer wieder mit Klischees und alt Bekanntem gespielt. So z.B. die darwinsche Auslegung, wenn es um rot Uniformierte und Außenmissionen geht oder könnte es bei einem teilweise sprachgesteuertem Computer nicht doch zu Verständigungsproblemen kommen?

Charaktere
Das Schicksal der Galaxis liegt in den Händen erbitterter Rivalen, die aus völlig verschiedenen Welten stammen. Der eine ist ein straffälliger Farmerjunge aus Iowa, der gern nicht nur über die Stränge schlägt und dem für seine natürlichen Führungsqualitäten nur noch die richtige Aufgabe fehlt: James Tiberius Kirk gespielt von Chris Pine ("Smokin' Aces").
Der andere, Spock, verkörpert von Zachary Quinto ("Heroes"), gilt auf seinem Heimatplaneten Vulkan als Außenseiter, weil er menschliches Blut in sich trägt und daher anfällig für unberechenbare Emotionen ist, die in der geistigen Welt von Vulkan völlig verdrängt wurden.
Beide sind völlig grundverschieden und auf ihrer Suche nach der eigenen Identität und Lebensaufgabe werden sie schon auf der Sternenflottenakademie bald zu erbitterten Konkurrenten. Die Unterschiede ihrer Lebensweise und Ansichten könnten kaum größer sein: Der eine wird von großer Leidenschaft bestimmt, der andere von rigoroser Logik. So entwickeln sie sich schnell zu trotzigen, streitbaren Gegnern, die lange Zeit nichts füreinander übrig haben und alles daran setzen, ihre Pläne und Ideen durchzusetzen.
Dies wird zum ersten Mal besonders deutlich, als es um den "Kobayashi Maru-Test" geht. Bei diesem werden an der Akademie, angehende Offiziere der Sternenflotte in eine ausweglose Situation gebracht, um zu sehen, wie sie sich in einer solchen Ausnahmesituation verhalten und um ihnen zu verdeutlichen, dass sie keinesfalls unbesiegbar und unsterblich sind, obgleich sie sich wohl in ihrer Uniform so fühlen könnten.

Dieser Konflikt ist so tiefgängig, dramatisch und mitreißend, dass der eigentliche Bösewicht Nero, der nur auf Rache brennt und allen anderen für ihn nur Mittel zum Zweck oder gar nur im Weg sind, fast schon banal erscheint. Aber Eric Bana ("München", "Troja", "Black Hawk Down") weiß zu überzeugen und gibt der ganzen Sache mit seinem Auftreten den letzten Schliff.
Ebenso wie andere namhafte Schauspieler, wie z.B. Winona Ryder ("Bram Stoker's Dracula", "Alien - Die Wiedergeburt") und Ben Cross ("Der Erste Ritter", "War, Inc.") als Spocks Eltern oder Bruce Greenwood ("Thirteen Days", "I, Robot") als Captain Pike und wegweisender Mentor von Kirk.

Zur Classic-Crew gehören auch noch Karl Urban ("Riddick - Chroniken eines Kriegers", "Herr der Ringe Trilogie"), der als grantiger und zynischer Dr. Leonard "Pille" McCoy, das humoristische Salz in der Suppe ist. McCoy bezeichnet sich selbst eher als Landarzt, der das Fliegen hasst. Doch aufgrund persönlicher Probleme auf der Erde hat er sich eine neue Aufgabe gesucht und obwohl er selbst sagt: "Der Weltraum steckt voller Krankheiten und Gefahren gehüllt in Dunkelheit und Stille.", sie als Schiffstarzt in der Sternenflotte auch gefunden hat.

Die nicht nur in der Rolle als Kommunikationsoffizierin und Linguistin Uhura bildschöne Zoe Saldana ("Fluch der Karibik", "8 Blickwinkel") hat es fertig gebracht, dass man nachempfinden kann, wie wichtig die Figur Uhura schon damals in der Original-TV-Serie war. Es ist das überzeugende Wechselspiel zwischen sanfter Weiblichkeit und selbstbewusster Stärke was so fasziniert und einen an ihrem Rockzipfel kleben lässt.

Auf der Jungfernfahrt der U.S.S. Enterprise ist der erfahrende Offizier Sulu Steuermann. John Cho, bekannt aus den Filmreihen "American Pie" sowie "Harold & Kumar" setzt das fort, womit George Takei in der Rolle als Sulu berühmt geworden ist. Der unter den asiatisch-amerikanischern Schauspielern zum Helden aufgestiegene Takei, verpasste damals asiatischen Amerikanern ein hinreißend positives Image. Und John Cho knüpft nicht nur da an, sondern führt die Figur in eine neue Zeit. Er überzeugt dermaßen in dieser Rolle, dass man George Takei vielleicht bald den alten John Cho nennt.

Auch der damals schon zu Zeiten des Kalten Krieges mit einer Signalwirkung von Walter Koenig inszenierte Chekov findet hier mit dem jungen Anton Yelchin ("Alpha Dog", "Terminator - Die Erlösung") seine Auferstehung. Obwohl sich Yelchin erst nach den Dreharbeiten die alten Folgen der Serie angesehen hat, brilliert er, indem er Chekov als jüngstem Offizier an Bord eine gewisse Unerfahrenheit zukommen ließ, aber auch eine smarte Persönlichkeit mit dem Talent eines Schachmeisters.

Zu guter Letzt wäre da natürlich noch der überbordende, lebenslustige und in jeder Situation kompetente Schiffstechniker Montgomery "Scotty" Scott. Für diese für einen Komiker prädestinierte Rolle fand man Simon Pegg ("Shaun of the Dead", "Hot Fuzz - Zwei Abgewichste Profis"), dessen britischer Humor dem Ganzen noch die Krone aufsetzt.

Technik & Design
Das Design der Technik und Schiffe ist perfekt gelungen. Sicherlich sind Geschmäcker verschieden und nicht jedem mag das neue Design der Enterprise-Brücke zusagen, aber es fällt nicht sonderlich schwer, sich dem Charme und der Ausstrahlung des Ganzen hinzugeben.
Die Raumschiffe sind an der originalen Vorlage von 1969 unheimlich nah dran und dennoch wirkt es nicht verstaubt. Das liegt auch daran, dass optische Effekte, wie z.B. Antriebe, Lichtdesign, Phaser komplett überarbeitet wurden und am Ende im audiovisuellen Mix ein völlig neues Star Trek Kinoerlebnis geschaffen wurde. Der Übergang der Raumschiffe in den Warpantrieb ist bombastisch und das geniale neue Waffendesign der Handphaser, welches bei Schusswechseln eine nie zuvor erlebte Action und Dynamik erzeugt, lässt einen den Mund vor Erstaunen kaum zu bekommen. Mal ganz zu Schweigen von der genialen Idee eines Klappschwertes oder Klappstreitaxt. Es gibt vieles Altbekanntes und noch viel mehr Neues zu entdecken. Seien es Töne und Geräusche, von Computern, Maschinen, Konsolen, Fahrstühlen, Shuttles, Raumschiffe oder Waffen wie z.B. Phaser oder Torpedos. Der gelungene Mix aus Altem und Neuem macht diesen Film so zeitgemäß und packend, zumal die Action in keinem anderen Star Trek Film so gewaltig und ausgeprägt war wie hier.
Ebenso zeigt das schnittige, düstere und fast schon skelettartige Aussehen von Neros Schiff, der Narada, die erfinderische Vielseitigkeit und Kreativität des Technik & FX Teams: Auch wenn das eigentliche Einsatzziel der Narada, als romulanisches Erzabbau und Transportschiff, ein völlig anderes war, ist es ein echtes Schurkenschiff.

Musik
Das einzig wirklich große Manko ist die Musik. Sie hat wirklich Null Wiedererkennungswert. Obwohl die Musik den ganze Zeit über passend ist und alle Szenen gut untermalt, fehlt aber dennoch der Gänsehautfaktor, den die typische Star Trek Fanfare verursacht. Die Hoffnung in dieser Hinsicht war groß, denn im ersten Teaser erkennt man zwar am Ende die typische Melodie, aber der moderne Mix mit epischer Untermalung ließ die Fantasie Purzelbäume schlagen, wie es wohl sein könnte, wenn man als Zuschauer die erste Kamerafahrt über die kurz vor der Jungfernfahrt stehende U.S.S. Enterprise macht.
Diese Hoffnung kann hiermit gleich im Keim erstickt werden. Hier wäre etwas mehr Feingefühl angebracht gewesen. Es wäre des perfekte Tüpfelchen unter dem Ausrufezeichen gewesen, den dieser Film für das Genre im Jahre 2009 gesetzt hat.

Fazit:
Alles was bei Fortsetzungen wie z.B. "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (siehe Kritik) oder beim Meister Proper Design der Star Wars Episoden 1-3 falsch gemacht wurde, hat man hier nahezu perfekt umgesetzt. Würden da nicht auch verständliche finanzielle Interessen dahinter stehen, dann trüge dieser Film das Motto "Dies ist für alle Star Trek Fans und diejenigen, die es noch werden wollen!"
Nur wer generell nichts mit Science-Fiction anfangen kann, sollte sich vielleicht besser "Beverly Hills - Chihuahua" ansehen. Für alle anderen gilt: Wer diesen Film nicht schaut, hat einen der Top-Ten Filme des Jahres 2009 verpasst, denn dies sind über 120 Minuten reinstes Filmvergnügen.

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