Kleines Quiz gefällig? Wir suchen einen wirklich guten Schauspieler, mit der großartigen Gabe, sich und sein Image lustvoll und selbstironisch auf den Arm zu nehmen. Bisher war er eher bekannt als ehemaliger "Sexiest Man Alive", Sixpackträger und "Mit-dem-Surfbrett-unter-dem-muskelbepackten-Arm-durchs-Bild-Läufer"? Großartig anders fiel der Kerl mit dem unaussprechbaren Namen und der Frisur, die an die Minipli der 80er Jahre erinnert, nicht weiter auf. Richtig geraten, wir sprechen über
Matthew McConaughey. Er ist einer, wenn nicht der heimliche, völlig überraschende Star in
Steven Soderberghs neuem Streifen. McConaughey spielt den schmierigen Club-Betreiber Dallas, in dem Männer-Stripper jeden Abend tanzend mehr oder weniger blankziehen. Seine Tänzer rund um Hauptattraktion Magic Mike (
Channing Tatum, "
21 Jump Street") feuert er mit dämlichen Sprüchen, ordinären Bewegungen und Aufputschdrogen an. Gezündet gehen die Jungs raus auf die Bühne und ziehen ihre heiße Show ab. Die Kostüme erinnern an Kinderfasching. Feuerwehrmänner, Polizisten und schießwütige Cowboys kreisen wild mit ihren Hüften und simulieren das Begatten. Der Höhepunkt des Abends besteht darin, dass eine der grölenden Besucherinnen auf den heißen Stuhl zum Trocken-Kopulieren auf die Bühne gehoben wird, was die meist sehr jungen Zuschauerinnen noch mehr toben lässt.
Diese skurrile Combo wird dem Kinobesucher durch die Augen des 19-jährigen Adam (Alex Pettyfer) nähergebracht. Er lernt Mike, der neben seiner Stripper-Karriere noch als Dachdecker schuftet, auf einer Baustelle kennen. Mehr durch Zufall wird Adam auf die Bühne geschubst, auf der er einen improvisierten Strip hinlegt, der an "The Full Monty" erinnert. Zum Schieflachen, obwohl diese Szenen auch etwas Bemitleidenswertes haben und den Beschützer-Instinkt in den Herzen der Damen wecken. Das ist übrigens die eigentliche Kunst von Steven Soderbergh. Er schafft es, eine Komödie, die zweifelsohne sehr witzig ist, am Ende des Tages als Melodram daher kommen zu lassen, das nachhaltige Gefühle im Zuschauer weckt. Natürlich verrät Soderbergh seine Schauspieler nicht, obwohl ihr Gebaren auf der Bühne mehr als lächerlich ist. Er zieht sie durch den Kakao und nimmt sie aber trotzdem sehr ernst. Das ist eine Gratwanderung, die wirklich nur richtig gute Regisseure hinbekommen. Für Filmfans ein Segen, dass Steven seine Androhung nicht in die Tat umgesetzt hat, nach dem Misserfolg von "Haywire" mit dem Drehen aufzuhören.
Neben den oben erwähnten schauspielerischen Leistungen von McConaughey kitzelt Soderbergh auch aus der Titelfigur alles heraus. Channing Tatum, bekannt aus Tanzfilmen wie "21 Jump Street", darf in "Magic Mike" zeigen, dass er neben dem Tanzen auch wirklich gut schauspielern kann und anrührend die leisen Töne trifft. Besonders wird dies sichtbar, wenn er mit Adams Schwester Brooke (Cody Horn) zarte Bande knüpft. Horn, die eine unheimliche Ähnlichkeit mit der jungen Anke Engelke hat, ist der Job ihres kleinen Bruders im "Xquisite Strip Club" zwar ein Dorn im Auge, trotzdem kann sie nicht verhindern, dass zwischen ihr und Stripper Mike etwas am Gären ist, was man sich als verantwortungsbewusste junge Frau nicht gerade als Traumszenario ausmalt.
"Magic Mike" ist sicherlich nicht Soderberghs bester Film. Da liegt die Messlatte mit "Traffic" und "Ocean's Eleven" natürlich sehr hoch. Dennoch ist es ein richtig guter Film mit viel Humor, bissiger Ironie und - selbstredend - tollen, modernen Bildern. Abschließend noch ein kleiner Tipp: McConaugheys Gesang (ja, er singt, wenn auch wie ein abgehalfterter Schlager-Fuzzi) wurde in der deutschen Fassung synchronisiert. Was soll das bitte? Daher unbedingt die OmU-Version ansehen. Ansonsten gehen Gags, wie die Schlagereinlage, völlig verloren.
Und noch ein PS: Vor ein paar Wochen wurden in den USA zwei Polizisten, die wegen Ruhestörung eine Mädels-Party beenden sollten, die Klamotten vom Leib gerissen. An welchem Film das wohl lag?