Wer schon bei der Taufe als Geschenk eine dicke Knarre in die Wiege gelegt bekommt, ist fürs Leben gezeichnet. So erging es Yann, der Jahre später als Erwachsener unter dem Namen "Dobermann" die französische Hauptstadt unsicher macht und die Flics auf Trab hält. Wenn der Film auch recht brutal und die Altersfreigabe ab 18 sicherlich gerechtfertigt ist, birgt er doch eine Menge neuer Ideen und zeigt, daß die Macher ihr Handwerk verstehen.
Schon bei seiner Taufe wurde Yann (Vincent Cassel) ein wichtiges Utensil für seinen weiteren Lebensweg mitgegeben: als Taufgeschenk bekam er nicht wie normale Kinder etwas im bürgerlichen Sinne brauchbares, sondern eine 357er Magnum geschenkt. Und mit der hat er sich in Paris einen Namen gemacht, den Namen "Dobermann", ein berüchtigter und von der Polizei gesuchter Verbrecher. Gemeinsam mit seinen Freunden Pitbull (Romain Duris), Moustique (Antoine Basler) und dem Pfaffen (Dominique Betenfeld) sowie seiner taubstummen Freundin Nat (Monica Bellucci) plant er den großen Coup, eine Bank auszurauben.
Die Sache geht glatt, die Ablenkungsmanöver haben die Polizisten in der ganzen Stadt verteilt, lediglich Inspektor Christini (Tchéky Karyo, In Sachen Liebe), der selbst bei der Polizei wegen seiner rauhen Methoden unbeliebt ist, aber gerade deswegen mit den Gangstern mithalten kann, hat den Braten gerochen und bleibt ihnen auf der Spur. Schon seit langem ist Christini hinter dem Dobermann her, und niemand kennt ihn so gut wie er. Um jeden Preis will er ihn haben. Er schreckt sogar nicht davor zurück, einen Säugling mit einer Handgranate zu bedrohen, damit dessen Vater ihn zu Yann führt. Ja es ist wirklich mehr als nur das bloße Pflichtbewußtsein, das Christini antreibt, es ist fast eine Privatfehde zwischen ihm und dem Dobermann. Aber beide sind gut in ihrem Beruf und beide können gut mit der Waffe umgehen.
Die Altersfreigabe ab 18 ist wirklich mehr als berechtigt, eine andere Freigabe hätte mit Sicherheit Schnitte im zweistelligen Minutenbereich mit sich gebracht. Die Technik des Filmes, vor allem die Kameraführung, ist recht ungewöhnlich, aber ausgesprochen sehenswert. Auch die Darsteller passen in ihre Rollen und machen ihre Sache gut. Schade nur, daß die Charaktere etwas blaß bleiben, insbesondere von der Vorgeschichte zwischen dem Dobermann und Inspektor Christini hätte man als Zuschauer gerne etwas mehr Informationen. Dennoch muß man feststellen: das Kinodebut von Jan Kounen ist gelungen und einen Besuch wert, und sei es "nur" um sich alleine von den Bildern faszinieren zu lassen.