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Kritik von Jutta Hannecker zu 'Fast verheiratet'

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Kritik von Jutta Hannecker
veröffentlicht am 20.06.2012
85%
Die Sitcom ist ein ursprünglich US-amerikanisches Genre im Bereich der TV-Serien. Ein Kennzeichen der Sitcom ist die ständige, schnelle Abfolge von Gags, Pointen und komischen Momenten im Rahmen einer dramatischen Handlung.
Als Making-Of bezeichnet man eine Reportage, in der gezeigt wird, wie ein Film entstanden ist. Normalerweise sind Interviews mit Schauspielern und/oder dem Regisseur / Autor / Produzenten zu sehen. Gezeigt werden solche Making-Ofs meistens zu Werbezwecken zum Kinostart des Films oder auch als Bonusmaterial auf DVDs.
Tom (Jason Segel) und Violet (Emily Blunt) sind nicht nur "Fast verheiratet", sondern fast füreinander gebacken. Sie lieben sich heiß und innig, sagen sich gefühlte fünfzig Mal am Tag "I love you" und krönen diese Bekundungen mit unzähligen heißen Küssen. Das Verständnis für einander ist grenzenlos, was nicht besonders verwunderlich ist, denn sie ist angehende Sozialpsychologin. Wäre das nicht alles sowieso schon zu viel des Guten, haben sie nicht nur viel Spaß miteinander, sondern der Sex ist selbstredend auch phantastisch. Auf diese vollendete Beziehung setzt Tom noch das Sahnehäubchen. Er plant den perfekten Heiratsantrag auf der Dachterrasse des angesagtesten Restaurants in San Francisco, in dem er als Koch arbeitet. Der Antrag wird zwar zur überaus amüsanten Groteske, Violet freut sich trotzdem ein Loch in den Bauch und sagt, nein, sie kreischt und schluchzt gleichzeitig "Ja" und knutscht ihn nieder. Klarer Fall, dass die Zwei nicht nur einfach heiraten können, sondern das gehört durchgeplant, damit dieser Tag dann auch zum allerschönsten im Leben wird. Nachdem ja sowieso schon jede Minute zwischen den beiden ein Fest ist, liegt die Messlatte in Sachen "Schönster Tag im Leben" kilometerweit hoch. So planen sie, legen sich fest, schmeißen alles wieder über den Haufen. Mittlerweile sterben schon die ersten Verwandten weg. Aber die geeignete Location, die beste aller Einladungskarten und so weiter und so fort sind immer noch nicht gefunden. Als Violets Traum von einem Job in San Francisco platzt und sie stattdessen in das Forschungsteam rund um Dr. Winton Childs (Rhys Ifans) nach Michigan berufen wird, wird die Hochzeit erst mal ganz auf Eis gelegt. Wer will schon in der Pampa heiraten. Die beiden bestimmt nicht. Zu allem Überfluss muss der an Karriere orientierte Tom all seine beruflichen Ambitionen zurückstellen. Er folgt seiner Süßen und kocht von nun an nicht mehr für Feinschmecker, sondern für hungrige Sammler und Jäger in einer Imbissbude in The-Middle-of-Nowhere".


Das klingt alles sehr banal. Ist es aber nicht. Der neue Film von Nicholas Stoller ("Männertrip"), der zusammen mit Jason Segel das Drehbuch schrieb, dreht sich nicht um eine klassische Liebesgeschichte, in der man sich erst einmal findet, dann natürlich kurz mal trennt, um wieder zueinanderzufinden. Hier geht es um Beziehungen an sich. Diese Story über die längste Verlobungszeit seit Menschengedenken strotzt nur so vor brüllend komischen Situationen und Dialogen sowie einfallsreichen Slapstickeinlagen. Die berühmte Bananenschale wird z. B. durch ein in den Wäldern von Michigan frisch erlegtes Reh ersetzt, das beim Abtransport wie ein wabbeliger Wackelpudding mit vier Beinen vom Dachgepäckträger glitscht. Die Dialoge sind nicht nur deshalb so spritzig, weil die beiden Drehbuchautoren sich beim Schreiben die komödiantischen Einfälle wie Ping-Pong-Bälle hin- und hergeworfen haben, sondern Stoller ließ seine bestgelaunten Hauptdarsteller möglichst viel improvisieren. Denn die meisten der Akteure verfügen über reichlich Comedy-Erfahrung. Wer wäre da also nicht gern am Set gewesen. Insider berichten, dass die Crew sich diverse Male vor Lachen auf den Boden geschmissen hat. Bei der geballten Humor-Kompetenz kein Wunder. Da kann man sich auf das Making-Of freuen.

Aber zunächst geht es um den fertigen Film, den man zweifelsohne als die Komödie des Jahres bezeichnen kann. Emily Blunt ("Lachsfischen im Jemen") und Jason Segel ("How I met your Mother") überzeugen als das neue Leinwand-Traumpaar. Ihr langer Weg von der Verlobung zum Traualtar ist nicht nur zum Wegschmeißen witzig, sondern einfach auch drollig. Klasse, dass Emily Blunt, die neurotische Assistentin aus "Der Teufel trägt Prada", immer mehr Filmangebote bekommt. Die nötige Portion an Romantik fehlt dieser Lovestory auch nicht und wird viele Herzen höher schlagen lassen. Tatkräftig unterstützt wird das Liebespaar, das aus ihrer Beziehungsarbeit beinahe Raketenwissenschaften betreibt, von Rhys Ifans, vielen bekannt als der schrullige Mitbewohner von Hugh Grant in "Notting Hill". Man muss allerdings drei Mal hinsehen, um ihn zu erkennen. Seine Rolle als pathologisch selbstverliebter Sozialpsychologe, der seine Studenten raffiniert ausnutzt, um dann selbst vom hohen Ross zu fallen, ist wunderbar amüsant. Allein um diese Figur zu erfinden, benötigt es eine gehörige Portion an Beobachtungsgabe. Obwohl der Professor nicht nur den eifersüchtigen Dauerverlobten mit einigen überraschenden Fähigkeiten aus dem Konzept bringt, wirkt er nie überzeichnet. Ein weiteres Highlight in "Fast Verheiratet" ist Toms bester Freund Alex (Sitcom-Erfahrung pur: Chris Pratt), der nach einer der vielen Hochzeitsvorbereitungspartys mal schnell Violets Schwester Suzie schwängert und sofort Nägel mit Köpfen macht. Er, der Schwerenöter und Nichtsnutz, darf in dieser Geschichte, die sich über fünf Jahre hinstreckt, reifen und Tom auf der Karriereleiter überholen. Bei diesem Aufstieg hat er viele Möglichkeiten, sein perfekt komödiantisches Timing einzubringen.

Dieser Beziehungskomödie merkt man die Überlänge (124 Minuten) nur selten an. Lediglich, wenn Tom vor lauter Frust über sein Dasein in der Provinz von Michigan zum Waldschrat mutiert und anfängt, seinen Wein aus Hirschhufbechern zu trinken, wird's ein bisschen arg klamaukig. Das verzeiht man aber diesem Kinosommerspaß, ganz ohne mit den Hufen scharren zu müssen.

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