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Kritik von Jutta Hannecker zu 'To Rome with Love'

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Partner von Fantastic Zero
Kritik von Jutta Hannecker
veröffentlicht am 27.08.2012
100%
Viele Wege führen nach Rom. Kein Wunder also, dass es den stadtneurotischen Europareisenden Woody Allen nach London, Barcelona und Paris auch in die italienische Hauptstadt verschlägt. Hier legt er jetzt kunstvoll die Fäden seines Episodenfilms "To Rome with Love" aus, ohne sich dabei zu überanstrengen, diese auch noch möglichst virtuell zu verweben. Wozu auch, wenn man Geschichten erzählen kann wie kein anderer. In seiner neusten verlaufen sich seine Protagonisten - und das nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes - im Irrgarten der römischen Altstadt.

Vom Wege weichen bzw. kommen ab: Ein Opernregisseur (Woody Allen) im Ruhestand, der am Nichtstun beinahe verzweifelt und in Rom seine letzte Chance wittert, als er den zukünftigen Schwiegervater seiner Tochter beim Schmettern von Arien unter der Dusche belauscht. Der wiederum ist ein braver Bestattungsunternehmer und möchte alles, nur nicht auf die Opernbühnen dieser Welt gezerrt werden. Ein nicht mehr ganz taufrischer Star-Architekt (Alec Baldwin), der noch mal an den Ort zurückkehren möchte, wo er einst die ganz große Liebe fand. Auf seiner Suche begegnet er einem jungen Architektur-Studenten (Jesse Eisenberg), der in einer soliden Beziehung mit seiner Freundin (Greta Gerwig) lebt, sich aber von der männermordenden und sympathisch dampfplaudernden besten Freundin (Ellen Page) nahezu verschlingen lässt. Ein völliger talentfreier Null-Acht-Fünfzehn-Römer (Roberto Benigni), der ohne jegliches Dazutun urplötzlich zur lokalen A-Prominenz aufsteigt und tollpatschig über die roten Teppiche der Metropole stolpert. Ein junges gesittetes Ehepaar, das die Ehe noch nicht vollzogen hat, da sie, brav wie sie sind, noch nicht so richtig wissen, wie man das am besten anstellt. Auf dieser Suche trifft der junge Mann durch Zufall auf ein völlig ungeniertes Callgirl (Penelope Cruz) und die Gattin auf einen testosterongesteuerten und unsympathisch dampfplaudernden Star-Schauspieler, der seinen Ruhm gnadenlos und so was von triefend schleimig ausnutzt.

Um so eine vielseitige Geschichte erzählen zu können, bedarf es viel Lebenserfahrung, Beobachtungstalent und der großen Gabe zur Selbstironie. In "To Rome with Love" zieht Woody Allen so manche seiner Beobachtungen durch den Kakao. Dazu gehören: das Brimborium um Promis sowie die Frage, was eine Person leisten bzw. überhaupt nicht leisten muss, um einer zu werden. Opern-Inszenierungen, die so gewollt kreativ sind, dass sie als Grotesken daher kommen, müssen ebenfalls dran glauben. Auch wird Allen in seinem Leben wohl unendlich viele wichtigtuerische Schwätzer kennengelernt und dabei festgestellt haben, dass man damit durchaus faszinierend und sympathisch sein kann, aber auch das pure schmierige Gegenteil. Wie der Filmtitel schon vorweg nimmt, dreht sich in dieser Komödie alles um die Liebe. Aber Vorsicht: So mancher Zuschauer bekommt augenzwinkernd und psychologisch blitzgescheit einen Spiegel vorgehalten. Da kann es durchaus passieren, dass man sogar noch nach dem Abspann basserstaunt wie festgetackert im Sessel verharrt.

Woody Allens Cast strotzt nur so vor hochkarätigen Schauspielern, denen er geschliffene Dialoge in den Mund gelegt hat. Das Großartige: Er führt dieses Ensemble nicht nur als Regisseur bei der Umsetzung seines genialen Drehbuchs an, sondern auch als Darsteller einer der Hauptrollen. Wie er den frustrierten Ruheständler spielt, ist zum Schmunzeln, wenn nicht sogar zum Wegschmeißen komisch. Es ist ein reinstes Fest, ihm beim Ausleben seiner wohl eigenen Neurosen zusehen zu dürfen. Das kann nicht nur die Rolle sein. Die feurige Spanierin Penelope Cruz, wie so oft das verruchte Weibsbild, spricht in diesem Film faszinierend gut Italienisch. Freilich nur, wenn man sich diesen wunderbaren Streifen in der Originalfassung ansieht, was zu empfehlen ist, weil in der synchronisierten Fassung unendlich viel des Charmes und Humors verloren geht. Andererseits sollte, wer nicht fließend Italienisch und Englisch spricht, die OmU-Fassung bevorzugen, denn ohne Untertitel ist man verloren.

Der eine oder andere Handlungsstrang, insbesondere der von Roberto Benigni, mag etwas überzogen wirken. Man kann ihn aber durchaus als hochsatirische Abrechnung mit den Paparazzi und Medien sehen, die mit der intelligenten Variante der Holzhammermethode köstlich einen über ihre sensationsgierige Rübe gezogen bekommen.

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