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Kritik von Mathias Broxtermann zu 'Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod'

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Partner von Entania
Kritik von Mathias Broxtermann
veröffentlicht am 14.10.2012
75%
"Balada triste de trompeta" heißt bei uns in Deutschland "Mad circus", und "Mad circus" ist was man bekommt, wenn man sich diesen Film ansieht. Eine schwarze, ultra-gewalttätige Sozialsatire im Stil von Oliver Stones "Natural born killers". Diesen Film muss man erst mal verdauen, bevor er anfängt so etwas wie Sinn zu machen.

Mitten im spanischen Bürgerkrieg wird der Vater von Javier - der Vater ist ein lustiger Clown in einem Zirkus - von den republikanischen Truppen rekrutiert und nach einem brutalen Gemetzel in die Zwangsarbeit geschickt. Jahre später fängt Javier (Carlos Areces), der keine glückliche Kindheit hatte, ebenfalls im Zirkus an, allerdings als trauriger Clown, wer will es ihm verübeln? Sein Kollege ist Sergio (Antonio de la Torre), der den lustigen Clown spielt, und mit der attraktiven Artistin Natalia (Carolina Bang) liiert ist. Das Javier unter seiner schüchternen Oberfläche nicht ganz stabil ist kann man schon vermuten; der wirkliche Psychopath ist allerdings Sergio, der seine Kollegen schlägt, jeden Abend säuft, und Natalia misshandelt und vergewaltigt. Und das ist nur die Spitze des Eisberges an Dingen, die in diesem Zirkus schiefliegen. Zwischen Javier, Natalia und Sergio entwickelt sich bald so etwas wie eine Dreiecksgeschichte, und wenn ihr jetzt denkt, dass diese Geschichte grauenhaft schiefgeht, seid ihr im sehr grünen Bereich. Die Rivalität zwischen Javier und Sergio geht von gewalttätig zu scheußlich zu einfach wahnsinnig. Der Film fokussiert auf die eskalierende Spirale dieser Charaktere, während er langsam zum Finale halluziniert.

Die Schauspieler machen ihre Rolle hier ausnahmslos gut, Carlos Areces und Antonio de la Torre sind effektiv beängstigend und psychotisch, und Carolina Bang hat ein gewinnendes Lächeln, das immer wieder ins irrsinnige abdriftet. Kamera, Schnitt und Beleuchtung schaffen eine bedrückende, teilweise hypnotische Atmosphäre, die Musikunterlegung ist ungewöhnlich, aber treffend. Kleinere Probleme haben mir z.B. die Beziehung zwischen Javier und seinem Vater gemacht, die ich nicht wirklich glaubwürdig fand. Einige Handlungsstränge sind weiterhin komplett unplausibel, aber hier versuche ich Logik auf einen Film anzuwenden, der diese verneint. Ein wenig verliert der Film auch in der Mitte die Spur, und driftet mit zwei etwas unnötigen Nebenschauplätzen fast zu sehr ins Absurde, fängt sich aber nochmal für den letzten Akt.

Kompliziert wird es, wenn man versucht seinen Kopf um diesen Film zu wickeln und in zu erklären. Ich probiere es trotzdem mal.
Die Leinwand, auf die das alles geworfen wird, ist Spanien während des Bürgerkrieges und später unter Franco. Javier und Sergio stellen die Gegenpole dar: Sergio ist nach außen der lustige Clown, freundlich zu Kindern, im Inneren ein Monster. Erst als der Konflikt eskaliert fällt seine Maske, und das meine ich sehr wörtlich. Javier ist gutmütig, zurückhaltend, und erst über den Kampf gegen Sergio wird auch er zum Monster. Ich vermute ihm kommt die Rolle der Republikaner zu. Natalia symbolisiert Spanien, sie ist der Streitapfel, und ist fasziniert und abgestoßen von Sergio, den sie aber aus Angst nicht verlassen kann. Der ganze Film ist vollgestopft mit solcher Symbolik, so lassen die Faschisten von Zwangsarbeiter ein riesiges Kreuz bauen, aber dieses heilige Zeichen ist nur ein hohles Massengrab. Ich kann nicht garantieren, dass ich hier das Drehbuch richtig interpretiere, aber den Versuch ist es wert.

"Mad circus" wird bestimmt nicht als Meisterwerk durchgehen, aber ist mit seinem schwarzen Humor und seiner Gesellschaftskritik immer einen Versuch wert (2+ und 75%). Freunde vom ganz oben genannten Film werden bestimmt ihren Spaß haben, Oma und Opa wohl eher nicht.

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