Unter Motion Capture versteht man eine Technik, die es ermöglicht, menschliche Bewegungen so aufzuzeichnen und in ein von Computern lesbares Format umzuwandeln, dass dieser diese Bewegungen zum einen analysieren, zum anderen auf im Computer generierte 3D-Modelle übertragen kann.
Wenn kleine Jungs mit ihrem Teddy spielen, gehört das zum Entwicklungsprozess und ist völlig normal. Wenn erwachsene Männer ihren Kuschelbär immer noch als die wichtigste Bezugsperson in ihrem Leben ansehen, dann ist das eindeutige pathologisch. Johnny (
Mark Wahlberg) ist einer von dieser Sorte. Zu seiner Verteidigung ist allerdings vorzutragen, dass es sich bei seinem Kuschelbären Ted nicht um einen gewöhnlichen Teddy handelt. Als Achtjähriger hat er seinem Buddy, der per Knopfdruck zwar herzzerreißend, aber leider nur "Ich hab' dich lieb" sagen kann, mit einem innigen Wunsch ans Universum Leben und einen kompletten kindlichen Wortschatz verschafft. Mittlerweile ist aus Ted ein ganzer Kerl geworden, der auf Sex, Drugs und Rock'n' Roll steht, saukomische - gern auch mal dreckige und politisch völlig inkorrekte - Witze reißt und somit überhaupt nicht als jugendfrei durchgeht. Auch nicht, wenn er seinen Teddyblick aufsetzt und beweist, dass er sein Bärenherz am rechten Fleck hat. Nein, liebe Eltern, auch dann nicht! Mark Wahlberg, ehemaliges Calvin-Klein-Unterwäsche-Model, der den Johnny verkörpert, ist eh nicht von schlechten Eltern. So ist es kein allzu großes Wunder, dass die schönste Frau der Stadt (
Mila Kunis, "
Black Swan") ausgerechnet diesen Typen liebt, der sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, erwachsen zu werden sowie Verantwortung zu übernehmen. Mit Ted abzuhängen und sich Dope reinzuziehen, bis der Arzt kommt, amüsiert ihn mehr, als seinem Job bei einer Autovermietung nachzugehen. Dass sich die heiße Braut dieses pubertäre Verhalten nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ansieht, ist trotz aller Liebe selbstredend.
Regisseur, Trickfilm-Animator und Drehbuchautor Seth MacFarlane hat sich mit der Umsetzung dieser Geschichte einen Jugendtraum erfüllt. Kindertaugliche Animationsfiguren gibt es nun mal wie Sand am Meer. Warum nicht mal eine abgefahrene, völlig schweinische Figur, die mit "Babe" so gar nix gemein hat, kreieren? Das ist ihm mit Ted absolut gelungen. Diese Kombination aus Kuschelbär und frivolem Schwerenöter ist einfach nur zum Wegschmeißen witzig. Obwohl Ted mit seinem Nutten- und Drogenkonsum ein gesellschaftliches No-Go ist, schließt der Zuschauer diesen Knuddel dermaßen ins Herz. Das liegt zum einen an seinem Humor sowie seinem hinreißenden Teddy-Charme und zum anderen auch an dem geglückten Motion-Capture-Verfahren, der ihn recht realistisch daherkommen lässt. Da können sich die Bärenmarke-Leute gleich mal in die Ecke stellen, um sich eine Runde zu schämen.
Diese urkomische Komödie ist mit vielen Zitaten und Anspielungen auf die halbe Filmgeschichte gespickt. Man kann sich direkt den Spaß machen, darauf zu achten und mitzuzählen. Trotz des Kuschelbärfaktors ist "Ted" alles andere als ein Familienfilm und wurde erst ab 16 freigegeben. Das ist auch gut so, auch wenn die FSK da vielleicht einen Tick zu viel auf die Moralapostel-Tube drückt. Diese Grenze wird sich mit Sicherheit nicht durchsetzen lassen. Die Glücklichen, die in Sachen Nachwuchs nicht in den Gewissenskonflikt geraten und sich einfach völlig losgelöst und ungeniert über diesen derb-witzigen Charmebeutel "Ted" amüsieren dürfen