Mit 14 pubertiert Charlotte (
Gainsbourg) in höchstem Maße und das spielt sie sehr überzeugend. Eine wichtige Phase der Selbstfindung im noch jungen Leben eines Mädchens wird hier von
Claude Miller äußerst sensibel dargestellt. Das ist so gut gemacht, dass die Älteren sich an ihre eigene erinnern und zustimmend nicken werden, während die Gleichaltrigen das Geschehen staunend und voller Vorahnungen mit Interesse verfolgen, weil sie sich bisweilen selbst wiedererkennen. Besonders die für dieses Alter so typischen Widersprüche im Handeln und Denken werden herausgearbeitet. Und zwar aus der Sicht von Charlotte als auch die von ihrem sozialen Umfeld. Die halten sie für bösartig und eifersüchtig. Charlotte hingegen findet, dass das Leben Brüche hat und ihr Angst macht. Sie schafft es nicht zu sagen, was sie denkt und fühlt. Sie ist fasziniert von der Welt der Reichen (hier die gleichaltrige Pianistin Clara), versucht sich in Sachen erster Liebe und wird letztendlich auf sich selbst zurückgeworfen, enttäuscht aber gereift.
Von ihrer Umgebung ragen besonders Sam (
Jean-Claude Brialy) heraus als überaus extrovertierter Manager des Wunderkindes, sowie Léone (
Bernadette Lafont) als Haushälterin und Mutterersatz. Wie man sieht, hat sich das Gefühlsleben der Teenies seit 1985 nicht verändert: Traumwelten werden erdacht, Idole angebetet, immer auf der Flucht vor der Realität. Es ist mitunter ein notwendiger, schmerzlicher Entwicklungsprozess. So gesehen, aber doch ein schöner Schmerz.