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Kritik von Benjamin Wimmer zu 'Game of Thrones'

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Kritik von Benjamin Wimmer
veröffentlicht am 12.04.2012
80%
Eine Staffel (engl. Season) einer TV-Serie besteht meist aus 10-24 einzelnen Episoden, die dann oft durch eine längere Drehpause getrennt sind.
Ein Slasherfilm ist ein Horrorfilm, in dem ein Mörder mit Messern oder anderen Hieb- oder Stichwaffen sein Unwesen treibt.
"Winter is Coming": So lautet nicht nur das Motto des Hauses Stark, sondern der übergreifende Leitspruch für die gesamte erste Staffel der neuen Serie HBOs. Und dieser herannahende Winter ist kein gewöhnlicher, sondern ein bisweilen ganze Jahrzehnte andauernder, der alles Bekannte übersteigt und das Leben im fiktiven Reich Westeros zu einem Kampf um Leben und Tod werden lässt. Im Wissen um diese aufziehende Gefahr entbrennt nun in Westeros nach dem ungewöhnlichen Tod der Hand des Königs, Jon Arryn, ein neuer Kampf um Macht und Stärke, geführt von den größten Familien des Landes - und gespielt wird mit Intrigen und Komplotten.

Im Mittelpunkt der Handlung steht erst einmal die Familie Stark unter der Führung Eddard "Ned" Starks, die im nördlichen Winterfell die Nachricht vom gestorbenen Jon Arryn erhält. Daraufhin reist der König, ein alter Freund Neds, nach Winterfell, um seinem ehemaligen Weggefährten den jetzt freien Posten anzubieten - wohl wissend, dass dieser der Einzige ist, dem er noch trauen kann. Die Zweifel kommen schnell, hieße eine Annahme doch der einstweilige Abschied von der Familie - als jedoch die Meldung eintrifft, Arryn sei keines natürlichen Todes gestorben, ist sich Ned bewusst, in welch gefährliche Lage er sich durch seine Zustimmung bringt.

Währenddessen wächst auf dem riesigen und unkontrollierten Nachbarkontinent Essos eine weitere folgenschwere Bedrohung unbeachtet heran: Der Rest der vor Jahren aus dem Land getriebenen ehemaligen Königsfamilie Targaryen greift in Form des jungen herrschsüchtigen, aber charakterschwachen Viserys aus dem Exil heraus erneut nach der Macht in der alten Heimat, indem dieser seine Schwester Daenerys mit dem "Barbaren" Khal Drogo zwangsverheiraten lässt, um so an dessen Armee zu kommen, in Westeros einmarschieren und so endlich "seinen" rechtmäßigen Thron besteigen zu können.

Was am Anfang dabei noch einem reichlich unübersichtlichen Geflecht aus unzähligen adeligen Machtpersonen gleicht, wandelt sich im Lauf der Zeit zu einem hochspannenden Charaktergemälde in einer mehr in Politik als in Mystik interessierten Serie. Denn wo andere Werke ähnlicher Gattungen und Genres Fantasy oftmals nur als Plattform für überbordende Monsterdarbietungen nutzen, bleibt "Game of Thrones" ganz seiner gesellschaftlich-politischen Thematik treu und spart Riesenspinnen und gigantische Drachen (vorerst) aus, um sich ganz und gar seinem großartigen Figurenensemble zu widmen.

Auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zur üblichen Fantasy-Ware: Anstatt einer (pseudo-)episch angelegten Geschichte mit glorreichen halbstündigen Schlachtszenen zu präsentieren, gibt sich "Game of Thrones" stark dialogorientiert. Viele Stunden verbringt man in dunklen Kammern und erfährt mehr über die facettenreichen Charaktere, die allesamt kaum durchschaubar sind und nie eindimensional bleiben. Ohne große visuell prägnante Momente (abgesehen von wenigen geographisch eindrucksvollen Szenerien) erinnert die Serie somit mehr an ein räumliches Theaterstück als an ein großflächiges Kinoabenteuer.

Trotz allem aber bleibt "Game of Thrones" nie stecken, hat kaum narrative Hänger aufzuweisen, sucht die Serie doch in der ersten Staffel zwar nicht den kürzesten, aber auch nicht den allzu ausschweifenden Weg hin zu den noch kommenden Großereignissen späterer Zeiten. Wie schon im großartigen Vorspann dreht sich das große Rad, nachdem die vielen kleinen angeworfen wurden - und schlussendlich läuft das Alles auf ein drastisches, weil außergewöhnlich konsequentes Ende hinaus. Denn mit welcher Härte hier tragende Figuren ein urplötzliches Ende finden, nur weil es die gnadenlosen Umstände erfordern, das findet man anderswo kaum.

Dass es HBO sich erlauben kann, auch in anderen Belangen die (TV-)Norm zu übersteigen bzw. sie schlichtweg abzuändern, ist der außergewöhnlichen Thematik dabei nur hilfreich. Weder bei den rohen Gewaltorgien mit durchgeschnittenen Kehlen und abgehackten Köpfen, noch bezüglich der gewohnt freizügigen Sexszenen wird geschnitten oder gekürzt - und dennoch verkommt "Game of Thrones" nie zum reinen Slasherfest, sondern integriert jene Elemente derart gekonnt und stilsicher, dass man sie gar nicht mehr als Beisatz wahrnimmt, dafür mehr als wichtigen Bestandteil für eine glaubwürdige Geschichte akzeptiert.

Anders als bei Serien ähnlichen Formats kann man bei "Game of Thrones" fast ausschließlich zuversichtlich in die Zukunft blicken: Die darauf folgenden Romane George R. R. Martins spinnen die umfangreiche Geschichte des Kampfes um den eisernen Thron entsprechend für einige weitere Staffeln fort und treiben sowohl intime private als auch die große ganze Entwicklung voran. Adaptiert man sie auch künftig auf einem solch hohen Niveau, dürfte man mit der neuen HBO-Serie noch eine Menge Spaß haben.

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