James Wans "Insidious", zu deutsch: "heimtückisch", ist ein ausdrücklich klassischer Haunted-House-Film, der die ausgetretenen Pfade mancher Paranormal Activities auf überraschend ungewohnte Weise verlässt. Statt auf bluttriefenden Torture-Porn zu setzen, welchen der Regisseur mit seinem Erstlingswerk "
Saw" hoffähig machte und dadurch Multi-Millionär wurde, oder nur Handkameras Zeuge der unheimlichen Details werden, besinnt sich Wan wieder auf die Wurzeln des US-amerikanischen Horrorfilms. So ist die betont "altmodische" Geschichte mit Tragödien, ausgebauten Charakteren mit ihren Vorgeschichten und Plotpoints versetzt - ein Film eben und keine Ansammlung objektiver Webcams! Die Kamera nimmt dabei die Rolle des Zuschauers als Augenzeuge ein und schwenkt auch mal in die Ecken und Fluren des Hauses, wo etwas Bedrohliches lauern könnte, eben dort wo die Familie Lambert gerade nicht hinsieht. Dadurch baut der Regisseur mit ausgezeichnetem Gespür für Timing eine stetig steigende Spannung auf und schafft eine unermesslich bedrohliche Atmosphäre, die bis zum Schluss keine Entladung zulässt. Das atonal kreischende Sounddesign tut dabei ihr Übriges. Hier sind keine ruhelosen Geister am Werk, sondern handfeste Dämonen, die auch mal ihre Fratze in die Kamera halten und dies jenseits von japanischen Geistersujets und endlosen Gewaltspiralen. Das ist wohltuend, weil tatsächlich unheimlich.
Wem dieser Film gefallen hat, dem könnte auch "
Paranormal Activity" und "
Mirrors" liegen.