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Kritik von Benjamin Falk zu 'Resident Evil: Retribution'

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Partner von Fantastic Zero
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 24.09.2012
55%
Unter dem Begriff Cliffhanger versteht man den offenen Ausgang einer Geschichte. Das Wort beschreibt auch jenen Höhepunkt, der am Ende einer Geschichte den Zuschauer dazu bewegen soll, auch deren Fortsetzung zu verfolgen.
Die Verfilmungen des Videospiels "Resident Evil" spalten die Meinungen der Zuschauer. Die einen finden es total genial, die anderen einfach stumpf und dumm. Bisher bot die Reihe für mich, abgesehen vom misslungenen zweiten Teil, aber ganz solide Unterhaltung. Daran ändert sich auch mit dem fünften Teil nichts, aber im Kino hätte ich den Film wirklich nicht sehen müssen.

Teil vier endete mit einem kleinen Cliffhanger und war vollkommen offen. Das Geschehen setzt aber nun nicht unbedingt an den letzten Teil an. Kurz nach dem Angriff auf das Schiff befindet sich Alice in den Klauen der Umbrella Corporation. Diese will immer noch, dass Alice aufhört, sie zu bekämpfen, aber Alice hat Verbündete und kommt frei. Aus dem riesigen Gebäude, welches unter Wasser liegt, gibt es nur so leicht keinen Ausweg. Zum Glück ist auch noch ein Rettungstrupp unterwegs und so versucht man sich den Weg in die Freiheit zu erkämpfen.
Was anfangs noch etwas verwirrend sein mag, entpuppt sich bald als das völlige Nicht-Vorhandensein einer Story. Es geht einfach nur darum, aus dem Gebäude zu entkommen, die verschiedenen Städte lassen sich da schon fast als einzelne Levels bezeichnen. Von der Handlung her ist man nun vollkommen auf dem Niveau eines Shooter-Spiels angelangt. Teil vier bot tatsächlich mal etwas mehr Story, hier gibt es davon nun gar nichts mehr. Das hat gewiss seinen Reiz, trotzdem bot mir das Drehbuch zu wenig. Gute Ideen hatte man zwar, aber eine Dramaturgie ist absolut nicht mehr vorhanden. Dafür setzt man auf Action, Action und nochmals Action.

Die Darsteller haben dabei kaum etwas zu tun. Jeder muss möglichst hart und cool sein, mehr wird nicht gefordert. Milla Jovovich macht ihre Sache dabei sicherlich wie immer ganz gut und ihr Gesicht steht einfach für diese Reihe. Ganz nett fand ich es weiterhin, dass man nun einige bekannte Gesichter aus den anderen Teilen sieht. So gibt es dann z.B. ein Wiedersehen mit Michelle Rodriguez. Das war eine gute Idee, aber schauspielerisch wird niemandem etwas abverlangt.
Und wo schon keine Story ist, dort darf man mit einer Figurenzeichnung ganz sicher nicht rechnen. Die meisten Charaktere sind sowieso nicht sie selbst und eindimensionaler waren die Figuren in dieser Reihe wohl noch nie. Da kamen bei mir keinerlei Sympathien auf, die wichtigsten überleben sowieso, das steht fest und die anderen Verluste sind einem egal. Dazu gibt es noch sehr simple Dialoge. Wenn gesprochen wird, ist dies fast immer äußerst primitiv.

Immerhin kann die Inszenierung auf ganzer Ebene überzeugen. Paul W.S. Anderson schrieb mal wieder das Drehbuch und übernahm auch erneut selbst die Regie. Er weiß scheinbar ganz genau, was er will. Optisch ist "Resident Evil: Retribution" eine Wucht. Da gibt es wirklich sehr starke Bilder zu sehen, die mir sehr gut gefallen haben. Das ist virtuos faszinierend und handwerklich wirklich sehr stark gemacht.
Leider wird es mit der Atmosphäre fast gar nichts. Der Anfang bietet tatsächlich mal wieder relativ altmodischen Zombiehorror, aber danach spielen die Zombies eigentlich keine Rolle mehr und mit Horror hat diese Reihe für mich sowieso kaum noch etwas zu tun. Das wirkt eher wie Fantasy-Science-Fiction-Action, was an sich nicht so schlimm ist. Was mich jedoch von Teil zu Teil mehr stört ist diese maßlose Übertreibung, die ganz sicher gewollt ist und auch als Stilmittel eingesetzt wird. Dabei kann man das Treiben aber niemals ernst nehmen und es entsteht nicht der Hauch von Horror.

Der Unterhaltungswert ist dabei soweit aber ziemlich gut. Gerade die erste Hälfte punktet mit einer Aneinanderreihung von ziemlich geilen Szenen. Nach einer gewissen Zeit ermüded sich das Konzept jedoch. Da es eigentlich permanente Nonstop-Action gibt, verliert die Action nach einer Weile ihre Wucht. Man sitzt im Kino, schaut sich das Treiben an, fühlt sich unterhalten, aber man sollte nicht das Gehirn zu Wort kommen lassen. Dieses könnte nämlich fragen: "Weshalb sehe ich mir das eigentlich an?" Spannung kommt dabei überhaupt nicht auf. Die Action ist stark gemacht, daran besteht kein Zweifel, es war mir nur einfach zu viel. Teil vier bot da hingegen wirklich fast gar keine Action und ein Mittelding würde mir wirklich mal gut gefallen. Immerhin vergeht die Laufzeit kurzweilig und nur gegen Ende wurde mir leicht langweilig.
Die Effekte sind überwiegend künstlich, aber das macht nichts, denn das sieht schon alles ziemlich stark aus. Splatter spielt überhaupt keine Rolle mehr und brutal ist das kaum. Auch "Resident Evil: Retribution" ist in 3D und man hat das sicherlich ziemlich gut genutzt. Mich reizt dieses 3D allerdings kaum noch und ich muss Filme wirklich nicht mehr in 3D sehen, denn es hat an Reiz verloren.
Der elektronische Soundtrack passt wie immer sehr gut und hat mir gefallen.

Fazit: Eine Handlung ist quasi nicht vorhanden, die Darsteller müssen nicht viel mehr machen als cool und hart zu wirken, die Figurenzeichnung ist schlecht und mit Horror oder Zombies hat das für mich schlichtweg nichts mehr zu tun. Stattdessen gibt es Action, Action und habe ich es schon erwähnt? - Action. Handwerklich ist "Resident Evil: Retribution" dabei sehr stark gemacht, bietet geniale Bilder und toll gemachte Action und auch der Unterhaltungswert ist ziemlich gut. Mir war es nur einfach zu viel Action und irgendwie empfand ich das Werk als äußerst belanglos. Nichtsdestotrotz ein sehenswerter Film, den man sich als Freund von komplett anspruchsfreiem Geballer gut ansehen kann. Mehr sollte man nicht erwarten, dann wird man bestimmt auch nicht enttäuscht werden!

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