foyer - hier geht's zur startseite... die aktuellen kinocharts für Deutschland und USA aktuelle Meldungen aus der Kinowelt die aktuellen Kino-Starttermine fü Deutschland kinoprogramm unsere aktuellen kritiken heimkino - aktuelle DVD-Termine directory - Stöbere in unserer Datenbank background - Informationen rund um zelluloid.de
zelluloid

Kritik von Mathias Broxtermann zu 'Lawless - Die Gesetzlosen'

WERBUNG
Partner von Entania
Kritik von Mathias Broxtermann
veröffentlicht am 05.04.2013
55%
Hey, Tom Hardy, Gary Oldman, Jessica Chastain, Guy Pearce und Shia LaBeouf in einem Gangsterdrama zur Zeit der Prohibition, basierend auf einer Romanvorlage über fiktionalisierte wahre Begebenheiten? Was kann da schon schiefgehen? Leider eine ganze Menge, willkommen zu meiner Kritik von "Lawless".

Oh, wie sehr ich diesen Film lieben wollte, und ihn in eine Reihe mit "Casino" und "Goodfellas" stellen wollte. Leider behielt einer meiner Lieblingskritiker aber Recht, als er sagte "Ich kann lediglich die Handwerkskunst und Schauspielerei des Filmes bewundern und bedauern, dass er es nicht schafft, sich darüber zu steigern." (Meine Übersetzung; wer weiß von wem das ist kriegt eine Flasche Bier). Statt einem epischen Mafiafilm und einem interessanten Werk über einen kontroversen Abschnitt der Geschichte der USA bekommen wir, naja, einen ambitionierten Versuch.

Bühne auf für die Bondurant-Gebrüder, Forrest (Tom Hardy), Howard (Jason Clarke) und Jack (Shia LaBeouf). Diese Drei leben im ländlichen Virginia zur Zeit der Prohibition, und wenn man nicht unter einem Stein lebt und Al Capone kennt, dann weiß man, dass zu dieser Zeit (von 1920 bis 1933) der Alkoholkonsum in den USA untersagt war. Die drei Brüder haben ein einträgliches Geschäft, indem sie illegal Schnaps brauen und in der Stadt verkaufen. Gleich in den ersten Minuten wird klar, dass Forrest und Howard fürs Grobe zuständig sind, und Forrest den Ton angibt, während Jack ständig um Anerkennung kämpfen muss. Der muskulöse Tom Hardy ist perfekt eingesetzt als Forrest, und kann seine bedrohliche Präsenz (Hallo "Bane") hier voll einsetzen. Jason Clarke ist ebenfalls toll als Howard, der meistens betrunken scheint und nicht gerade die Fäden zieht. Mein Problem mit dem Film beginnt mit Shia LaBeouf als Jack, der mehr oder weniger als narratives Zentrum dient. Mehr dazu später.
LaBeouf ist okay als Schauspieler, und ich wünsche ihm alles Gute mit ambitionierteren Projekten als den "Transformers" Filmen, aber er ist auch eindeutig der schwächste Schauspieler in diesem Ensemble. Man kann argumentieren, dass er mit seinem kindlichen Gesicht als schwächstes Familienmitglied perfekt gesetzt ist, aber mir reichte das einfach nicht. Mehr Zeit hätte ich dafür gerne mit Gary Oldman als Floyd Banner verbracht. Niemand ist besser als psychotischer Bösewicht als Oldman, leider hat er viel zu wenige Auftritte in diesem Film. Jessica Chastain als Maggie hat wieder eine gute Rolle erwischt, und, oh Wunder, sie überzeugt. Aber mit Guy Pearce als dem skrupellosen Special Agent Charlie Rakes, der den schnapsbrauenden Landeiern unbedingt einheizen will, kommt ein weiteres Problem daher. Entweder er überspielt die Rolle, oder Nick Cave hat sie in seiner Drehbuchvorlage fast schon ins lächerliche "geschrieben".

Es ist kein gutes Zeichen, wenn ich ein paar Tage, nachdem ich den Film gesehen habe, schon wieder alle Namen vergessen habe. Schuld daran ist, nein, nicht zu viel Schnapskonsum meinerseits, sondern das Drehbuch, welches die Charaktere größtenteils zweidimensional und ihre Motivation schleierhaft lässt. Und es hilft nicht gerade, dass die Hauptpersonen brutale, kriminelle "Bauern" sind. Was haben sie vorher gemacht? Warum sind sie kriminell geworden? Die Erklärung, sie wären zum Schnapsbrennen gekommen, weil sonst nicht viel los war, wäre ironischerweise etwas nüchtern. Und das ist nur ein Beispiel, aber ohne Motivation der Charaktere fehlt mir die Motivation, mich für das Material zu begeistern.

Um das Ganze noch zu verschlimmern, fehlt der Handlung jeglicher Fokus. Die Handlung springt gefühlt von einem Nebenschauplatz zum Nächsten, ohne einen roten Faden aufzunehmen und uns damit zu fesseln. Ist es ein Familiendrama, in dem Jack nach Anerkennung durch seine Brüder strebt? Soll die gerechte "Rebellion" der Bürger gegen die unterdrückende Staatsmacht thematisiert werden? Ist es einfach ein Old-school Gangsterdrama oder eine detaillierte Filmbiographie? Der Film versucht alle Bereiche zu bedienen, ohne in einer Kategorie besonders erfolgreich zu sein. Und wenn der Showdown am Ende dann nur noch konfus und fast schon albern ist, wird das Scheitern des Filmes schmerzhaft bewusst.

Technisch ist der Film allerdings einwandfrei, die Kulisse ist großartig, der Film wunderbar fotografiert. Leider sind wenige innovative Kameraeinstellungen dabei, sodass das Material auch hier nicht wirklich über sich hinauswächst. "Lawless" ist kein schlechter Film, aber für eine Empfehlung reicht es gerade nicht. Sehr enttäuschend.

War diese Kritik hilfreich?
7 von 11 Besuchern fanden diese Kritik hilfreich.
 
zelluloid - Navigationselement
WERBUNG
Kurz-Link zu dieser Seite: http://zel.lu/k77j
foyer | charts | filmnews | kinostarts | kinoprogramm
kritiken | heimkino | directory | background
 
zelluloid.de • ©1998-2014 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann
 
SitemapImpressuminfo@zelluloid.de
Hinweise zum DatenschutzNutzungsbedingungen