Robert de Niro sorgt für aufregend übersinnlichen Nervenkitzel
In dieser August-Woche kehrt Robert de Niro in einer Rolle zurück, die Fan-Herzen höher schlagen lässt. In dem Mystery-Thriller "Red Lights" zeigt der virtuose Mime wieder einmal die besonders dunkle Seite seiner Gabe. Mit seiner Rollenauswahl ist es inzwischen wie beim Roulette: Alles schon mal gespielt - was noch kommt kann keiner wissen. Sicher ist, egal was er anfasst, meistens wird Gold daraus. Nach Komödien-Highlights wie "Meet the Fockers" oder "Reine Nervensache" mimte er in den letzten Jahren auch gerne den "netten" älteren Herren wie in "Ohne Limit" oder "Killer Elite". Die beiden letztgenannten Einsätze waren jedoch weit unter seinen Fähigkeiten angesiedelt - immerhin scheint das fortschreitende Alter für den Verwandlungskünstler noch Neuland zu bedeuten. Gezwungenermaßen passen nun auch Charaktere mit großer Erfahrung, aber auch körperlichen Schwächen in sein Spiel-Alter. Das aktuelle Werk, inszeniert und geschrieben von Rodrigo Cortés, gehört in diese Kategorie. Mit "Red Lights" begibt sich der Weltklasse-Darsteller in ein Labyrinth der paranormalen Phänomene und metaphysischen Unsicherheiten. Ein Format mit einer Bandbreite, die für de Niro einen echten Leckerbissen darstellt. Unterstützt wird er dabei von Leinwand-Veteranin Sigourney Weaver ("Avatar") und dem aufstrebenden Cillian Murphy ("Inception").
Dr. Margaret Matheson (Sigourney Weaver) und ihr junger Assistent Tom Buckley (Cillian Murphy) untersuchen als Ermittler für paranormale Vorfälle die merkwürdigsten Vorfälle. Dabei wurden die Zweifel, die die Doktorin an der "Übersinnlichkeit" der Erscheinungen zu haben pflegt, in der Vergangenheit doch immer bestätigt: Für alles Ungewöhnliche gab es am Ende eine logische Erklärung. Ärgerlich wird es nach Ansicht von Dr. Matheson vor allem, wenn Scharlatane die Leichtgläubigkeit der Bevölkerung ausnutzen, um an ihr Geld zu kommen. Als der blinde Parapsychologe Simon Silver (Robert de Niro) nach 30 Jahren wieder in die Öffentlichkeit zurückkehrt, sieht vor allem Tom seine Chance gekommen, auch diesen Zauberkünstler der Extraklasse zu entlarven. Doch der junge Mann merkt schnell, dass er seine gesamte Technik einsetzen muss, um den Meister seiner Zunft bloßzustellen. Bislang scheitert selbst ein ganzes Team von Wissenschaftlern bei dem Versuch, Silvers übernatürliche Kräfte physikalisch zu erklären. Tom gerät immer mehr in eine wachsende Obsession für das Medium, während der Magier immer größer werdende Massen von seinen Darbietungen überzeugt. Kein Wunder, dass Toms Grundfeste immer mehr ins Wanken gerät - bis eine Konfrontation mit der Wahrheit unvermeidlich wird.
"Red Lights" lässt sicher viele Fragen offen, und das mag sogar beabsichtigt sein - schließlich soll der Film noch eine Weile nachwirken. Neben den psychologischen Effekten und seiner durchgehend spannungsvollen Atmosphäre hält Cortés ein überraschendes Finale bereit, auch wenn dabei etwas dick aufgetragen wird. Einzig der logische Weg zur Auflösung scheint nicht durchweg schlüssig, darüber trösten die Leistungen der Darsteller aber auf alle Fälle hinweg. Wie eingangs bereits erwähnt: Wer könnte einen besseren Magier abgeben, als der Schauspiel-Magier selbst? Allein die Bühnen-Performance von Robert de Niro schafft viel Raum für spektakuläre und eindrucksvolle Auftritte, endlich kann er wieder aus den Vollen schöpfen! Man wäre nicht überrascht, wenn sich "Red Lights" als geheime Fortsetzung von "Angel Heart" entpuppen würde, so unheimlich präsentiert sich der Ausnahme-Darsteller. Ein Festschmaus ist gut, drei sind noch besser: Dafür sorgen seine Kollegen. Ohne sich auf die Wirkung des mehrfachen Oscar-Preisträgers zu verlassen, bleibt auch der zwielichtig angelegte Charakter, den Cillian Murphy gekonnt verkörpert, lange im Gedächtnis. Der junge Mime steigert seine Figur des analysierenden Technik-Freaks im Rahmen der Handlung und öffnet erst langsam einen Blick in dessen Tiefe. Sigourney Weaver ist schon fast klischeehaft als Power-Frau angelegt, doch Cortés bricht ihre Schale geschickt auf und schickt seine Doktorin auf eine nervenaufreibende Reise in die Vergangenheit. Das erweist sich als sehr glaubwürdig in der Inszenierung. Um auf die Handlung zurückzukommen: Richtig "fesselnd" sind die Methoden der "Täuscher", es ist faszinierend zu sehen, mit welchen Tricks und Blendwerk in die Irre geführt wird, aber auch, wie die Gegenspieler versuchen, mit dem ganzen Arsenal der heutigen Technik Fakten zu schaffen. Umso spannender entpuppt sich "Red Lights", wenn alle Anstrengungen, das Unmögliche zu entlarven, scheitern. Zwar ist auf Grund der logischen Schwächen bei "Red Lights" kein Werk à la M. Night Shyamalan herausgekommen, doch die Frage: "Echter Zauber oder alles nur Schwindel?" bleibt spannend bis zum Schluss.