Mit "Django Unchained" hat sich
Quentin Tarantino nun also dem Italowestern-Sklavenfilmgenre zugewendet und diesem seine ihm eigene Interpretation geschenkt. Eine Version, die mundet und teils köstlich auf der Zunge zergeht, am Ende aber doch etwas schwer im Magen liegt, so als ob man einfach zu viel davon gegessen hat. Django kann man daher mit einem Viergängemenue vergleichen.
Der Gruß aus der Küche und die Vorspeise inkl. Vorsuppe sind wunderbar angerichtet und schmecken vorzüglich. Hier nämlich geht es um die Einführung des Kopfgeldjägers Dr. King Schulz, der auf bizarre Weise in den Besitz des Sklaven Django kommt und mit ihm gemeinsam eine Menge Geld scheffelt, indem sie zielsicher und blutig Ganoven zur Strecke bringen. Diese erste Stunde von Tarantinos Westernepos ist schlichtweg genial, zum Brüllen komisch, mit großartigen Dialogen, herrlich absurder Situationskomik (hier sei vor allem die Verfolgungsjagd mit schlecht sitzenden Ku-Klux-Klan-Masken erwähnt), tollen Landschaftsaufnahmen und klug gewählter Musik unterlegt. Christoph Waltz als deutscher Kopfgeldjäger ist ein Ereignis, allein wegen ihm lohnt sich der Kinobesuch. Er spielt so zynisch-sympathisch, von dem möchte man als Ganove gerne eine Kugel in die Birne verpflanzt bekommen. Auch Jamie Foxx schlägt sich redlich, vor allem wenn er als eitler Diener im blauen Gewand durch die Landschaft reitet.
Der Hauptgang des Menues bzw. der Geschichte konzentriert sich dann auf die Suche nach Djangos versklavter Frau Brunhilde, die Schulz und Django schließlich zum Plantagenbesitzer Calvin Candy und seine Candylandfarm führt. Leonardo DiCaprio spielt diesen frankophilen Lebemann mit sichtlichem Genuss. Die - wie immer eine besondere Stärke von Drehbuchgenie Tarantino - brillanten, tiefenpsychologischen und nervenaufreibenden Dialoge zwischen Schulz und Candy sind einer der Höhepunkte des Hauptgangs, gewissermaßen das saftige und herzhafte Fleisch.
Doch zunehmend stimmen die Beilagen nicht, Tarantino geht die klare Linie in der Erzählung abhanden. Er kann sich nicht recht entscheiden, ob er ernstes oder einfach nur absurdes Kino erzählen will. Zwar gibt es noch eine herrlich selbstironische Szene zwischen dem schwarzen Django und dem Ur-Django (Franco Nero), aber schon die reichlich übertriebene Darstellung von Samuel L. Jackson als alter "niggerhassender" Haussklave (ich verwende dieses politisch unkorrekte Wort hier ausnahmsweise, da es im Film gefühlte hundertmal ausgesprochen wird) überspannt den Bogen zunehmend. Immer mehr packt Tarantino an unnötiger Gewalt hinein. Die Nachspeise schließlich - eine Art Vanillepudding mit zu viel roter Soße - bekommt man nur noch mit gutem Willen hinunter. Am Ende ist Djangos Rachefeldzug nur noch albern, und auch die Musikauswahl sowie der übertriebene und lächerlich wirkende Einsatz von eimerweise Filmblut hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack.