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Kritik von Andre Rüsenberg zu 'Django Unchained'

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Kritik von Andre Rüsenberg
veröffentlicht am 13.03.2013
85%
Während der Italowestern ein Abgesang auf den epischen, glorifizierenden Western Hollywoods war, ist Tarantinos Werk viel mehr ein Abgesang auf die Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Ein letzter erhobener Zeigefinger. Und zwar der, von Herrn Quentin Tarantino höchstpersönlich. In teils harten und realistischen Szenen, umrandet mit einer gehörigen Portion Zynismus, zeigt er auf, was jedem klar ist. Die Sklaverei ist ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte.

Natürlich beinhaltet seine Arbeit auch hier jede Menge Coolnes, skurrile Dialoge, eine ordentliche Portion Gewalt und reichlich Blut. Der gute alte Tarantino enttäuscht uns nicht, wobei er, abgesehen von der sich in Grenzen haltenden Exploitation und den überzeichneten Gewaltszenen, die meiste Zeit über darauf verzichtet, zu sehr in die Stilkiste zu greifen und Django Unchained vom Look her eher selten over the Top wirkt, oder an den klassischen Italowestern erinnert.

"Django Unchained" geht sicher als waschechter Tarantino durch, was die Coolness betrifft, aber die besten Momente, die der Film zu bieten hat, bestehen eher aus dem etwas ernsthafteren Teil des Films. Um genau zu sein, aus dem längeren Tischgespräch zwischen Christoph Waltz und Leonardo DiCaprio, welches, kammerspielartig vorgetragen, den weiteren Verlauf des Films bestimmen soll. In ausgefeilten Dialogen lässt Tarantino die Schauspielgiganten Leonardo DiCaprio und Christoph Waltz aufeinander los und ein spannendes Psychoduell beginnt, zu dessen Auserzählung er sich erfreulicherweise genügend Zeit nimmt.

Ja, die Rede war von Schauspielgiganten! DiCaprio hat sich längst im Olymp der Topstars in Hollywood etabliert, und obwohl ich ihn oft für überschätzt hielt, überzeugt er mich hier vollends. Mit einer feinen Prise Overacting spielt er den arroganten Bösewicht und schafft es eine enorme Leinwandpräsenz aufzubauen, die nur noch von Chrstoph Waltz übertroffen wird, zu dem wir nun kommen.

Unglaublich, wie es der österreichische Schauspieler, der mir vor "Inglorious Basterds" vornehmlich eher durch zweitklassige TV-Produktionen bekannt war, geschafft hat, in die absolute A-Riege der Hollywood Darsteller vorzustoßen. Ja, er ist vielleicht noch kein Superstar, mit 30 Millionen Gagen, aber er zeigte in seinen Auftritten, in "Inglorious Basterds", "Der Gott des Gemetzels" und auch hier, das Potential, einen Film völlig allein tragen und alles und jeden in Grund und Boden spielen zu können. Während man in den beiden erwähnten Filmen fordert "mehr Waltz", bekommt man hier genau die Portion geboten, die seiner, von Tarantino neu entdeckten, Klasse, für das große Kino, nur gerecht wird.

Daraus resultiert allerdings ein Problem. Unser Titelheld Django, gespielt von Jamie Foxx, geht ein wenig unter. Alle Augen sind auf Waltz gerichtet und Django verkommt zum Wasserträger, bis, ja bis Quentin Tarantino ihn im letzten Teil des Films zum strahlenden Helden emporsteigen lässt, garniert mit jeder Menge Exploitation. Entschuldigung, Blaxplotation. So schickt sich Django an, der neue Shaft zu sein. Cool, stark, erbarmungslos. Jamie Fox macht seine Sache zwar ganz ordentlich, allerdings ist er vielleicht der einzige Hauptdarsteller, der austauschbar gewesen wäre, trotz seiner Klasse, die er in anderen Filmen durchaus schon unter Beweis stellen konnte.

Samuel L. Jackson hat es ebenfalls verdient, positiv erwähnt zu werden. Ich hätte es kaum erwartet, aber er hat es nach unzähligen Fehlschlägen wieder geschafft, mich in einer Rolle zu überzeugen. Gekonnt spielt er hier die vielleicht diabolischste Figur in "Django Unchained".

Kommen wir also zum Fazit. Mit "Django Unchained" ist Tarantino sein vielleicht reifster Film gelungen, auch wenn er wie ein Spielkind immer mal wieder in die Trickkiste greift, um dem Film seinen Stempel aufzudrücken. In seinem nicht ganz drei Stunden langen Werk, schafft er es, eine Geschichte zu erzählen, die interessiert, fesselt und ab und an auch mal unter die Haut geht, garniert mit ein paar netten und blutigen Effekten aus der schon genannten Tarantino Trickkiste. Chapeau!

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