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Kritik von David André zu 'Django Unchained'

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Partner von Entania
Kritik von David André
veröffentlicht am 15.02.2013
90%
Casting bezeichnet den Vorgang, bei dem die Besetzung der Rollen eines Films oder eines anderen Werks mit Schauspielern festgelegt werden.
Quentin Tarantino ist wieder zurück und den Kinos! Diesmal mit "Django Unchained". Der Name Tarantino alleine ruft mittlerweile schon große Neugierde hervor. Neben seiner sehr imposanten Gewaltinszenierung ist der Ausnahmeregisseur nämlich auch für geniales Casting und exzellente Dialogszenen bekannt. So viel vorne weg, "Django Unchained" macht dem Namen Tarantinos mal wieder alle Ehre.

Die Story:
Der ehemalige Zahnarzt aus Düsseldorf, Dr. King Schultz (Christoph Waltz), verdient sich mittlerweile sein Geld als Kopfgeldjäger in den Südstaaten Amerikas. Auf der Suche nach seinen neuesten Zielpersonen, den Brittle Brothers, befreit er den Sklaven Django (Jamie Foxx), da dieser die Brüder kennt und sie somit für Dr. Schultz identifizieren könnte.
Als Gegenleistung für Djangos Hilfe bietet Dr. Schultz ihm die Freiheit an. Die beiden werden zu einem interessanten Gespann und auf der Jagd nach den Brittle Brothers auch zu Freunden. Dr. King Schultz erfährt von Django, dass dessen Frau Broomhilda (Kerry Washington) verschleppt worden ist und bietet ihm seine Hilfe bei der Suche nach ihr an. Die Spur führt sie auf die Plantage eines gewissen Calvin Candy (Leonardo DiCaprio), der dort mit so genannten "Mandingo"-Kämpfen und den dazugehörigen Wetten gutes Geld macht. Unter dem Vorwand, einen Sklaven als Mandingo-Kämpfer erwerben zu wollen, verschaffen sich Dr. Schultz und Django Zugang zur Plantage, aber Mr. Candy ist ein intelligenter und scharfsinniger Geschäftsmann und nicht nur ihn gilt es hinters Licht zu führen.

Viel mehr sei hier nicht verraten, aber wie eigentlich auch schon bei den vorherigen Filmen aus der Feder von Quentin Tarantino ist auch hier die eigentliche Geschichte nicht der zentrale Kern des Films. Vielmehr bietet die Story das Gerüst für unglaublich gute Szenen, die für sich allein genommen schon die Eintrittskarte Wert sind.
Im Prinzip kann man den 165 Minuten langen Film in mehrere Akte aufteilen. Der erste Akt erzählt die Geschichte der Jagd nach den Brittle Brothers und zeigt wie sich die beiden Protagonisten, Dr. King Schultz und Django, kennenlernen.
Der zweite Akt ist die Suche nach Broomhilda und die darauf folgenden Tage auf Mr. Candys Plantage, Candyland während derer sich die Spannung auf ungemein Härte Weise aufbaut.
Im letzten Akt feiert Tarantino dann wieder sein Actionfeuerwerk ab und lässt literweise Kunstblut spritzen.
Ja, der Film ist durchaus lang und beim dramaturgischen Aufbau leistet sich Tarantino im Gesamtbild vielleicht den ein oder anderen Fehler der den Film ein klein wenig in der Gesamtwertung herabsetzt. Vielleicht hat das unerwartete Ableben von Tarantinos Stamm-Cutterin Sally Menke dem Film auf der Zielgerade noch den ein oder anderen letzen Feinschliff gekostet. Dennoch muss man als Filmliebhaber diesen Streifen einfach lieben!

Tarantino-Fans sind die, teilweise auch längeren, Szenen in denen handlungstechnisch nicht sonderlich viel passiert schon gewohnt, aber das kann man dennoch nicht wirklich als Kritikpunkt verzeichnen, denn für sich genommen sind diese Szenen unglaublich gut inszeniert. Das liegt natürlich zum einen an den grandiosen Darstellern. Hier kann man eigentlich niemand einzelnen als Highlight hervorheben, denn wirklich jeder liefert hier makellose Performances ab. Für viele wird sicherlich Christoph Waltz die beste Rolle haben, aber ich finde man muss hier einfach die grandiosen Leistungen von, beispielsweise, Leonardo DiCaprio als undurchsichtiger Fiesling Calvin Candy oder Samuel L. Jackson als rassistischer Haussklave als ebenso faszinierend anerkennen. Aber auch Jamie Foxx mimt den wortkargen Django perfekt und verleiht ihm trotz der wenigen Worte eine gute Tiefe und man nimmt ihm den Mann der alles für tun würde um seine Frau zurückzuholen absolut ab.
Überhaupt ist es sehr gelungen, wie Tarantino die Figuren aufbaut. Hier spielt er viel mit Gegensätzen und stellt Klischees auf den Kopf. So spricht sich zum Beispiel der deutschstämmige Dr. King Schulz von allen Figuren am stärksten gegen die Unterdrückung von anderen Menschen und die Skaverei aus. Ein anderes Beispiel ist Figur des Haussklaven von Mr. Candy, Stephen, gespielt von Samuel L. Jackson. Selber ein Sklave hat sich dieser doch schon so in das Weltbild und seine Stellung dort eingelebt, dass er selber die vermutlich offenliegenden rassistischen Vorurteile gegenüber Schwarzen hegt.

Der andere Aspekt, der die Szenen im Film so gut macht, sind die Dialoge. Wer sich an die Einführungsszene aus "Inglourious Basterds" erinnert, der weiß, wie spannend Tarantino ruhige Dialog-Passagen inszenieren kann und davon haben wir auch in "Django Unchained" eine Menge. Vor allem in der zweiten Hälfte des Films auf Candyland wird die Spannung zwischen den Figuren geradezu gnadenlos.
Wenn sich diese Spannung im dritten Akt dann in typischer Tarantino-Manier entlädt, dann bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Die Vorwürfe der Gewaltverherrlichung, die hier und da aufkommen, sind indes unbegründet. Ja, die Gewalt ist explizit und pompös inszeniert, aber nichts, was man nicht in gewisser Art schon aus jedem jüngeren Actionfilm kennen würde. Gerade in den richtigen Momenten zeigt Tarantino Gespür für Geschmacklosigkeit. So sind die schockierenderen Mandingo-Kämpfe inszeniert, ohne dass der Zuschauer in "Saw"-typischer Manier den Qualen der Kontrahenten zuschauen muss. Hier reichen eine Andeutung und die Geräusche um unmissverständlich die Grausamkeit dieser Szene zu verdeutlichen.

Insgesamt kann man nur sagen, dass Quentin Tarantino mit "Django Unchained" die hohen Erwartungen erfüllt die man an sein nächstes Projekt gestellt hat. Der Film ist genauso spannend und vielschichtig wie "Inglourious Basterds" und durch die vielen Filmzitate und clever geschriebenen Dialoge auch mehrfaches Sehen wert.
Die Kameraarbeit von Robert Richardson ist auch gewohnt gut.
Erwähnenswert ist im übrigen auch die Auswahl des Soundtracks. Zu jeder Szene bringt Tarantino eine passende musikalische Untermalung, die sich aus klassischen Spagettiwestern-Soundtrack Stücken von Ennio Morricone und Stücken anderer Künstler aus verschiedenen Genres zusammensetzt.
Tarantino Filme sind nicht für jedermann, das ist mittlerweile wohl jedem klar. Und auch sein neuester Streich wird wohl niemanden überzeugen der bis jetzt nichts mit seinen Werken anfangen konnte. aber genauso werden wohl alle Liebhaber seiner Filme auch bei "Django Unchained" ein breites Grinsen auf dem Gesicht haben.
Der Film zelebriert einmal wieder vieles was Kino so toll zeigt mit denkwürdigen Szenen und Darstellungen, dass man kein Riesen Budget in CGI stecken muss um beeindruckende Szenen zu erschaffen.
Wer also clevere Szenen mit tollen Darstellern zu schätzen weiß sollte "Django Unchained" definitiv nicht verpassen. Zartbesaitetere Menschen, oder eben Leute, die nichts mit den vorherigen Tarantino-Filmen anfangen konnten, sollten auf den Kinobesuch lieber verzichten. Schon zu Beginn des Kinojahres 2013 bekommen wir hier einen ganz starken Film geliefert.
Kleiner Tipp: wer des Englischen mächtig genug ist, sollte sich den Film nach Möglichkeit im Originalton anschauen, Denn im Film gibt es einzelne Stellen, in denen Dialoge in deutsch stattfinden. Dieses Detail, das in den Szenen auch durchaus interessante Aspekte erzeugt, geht in der immer noch guten Synchronfassung verständlicherweise verloren.

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