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Kritik von Mathias Broxtermann zu 'Django Unchained'

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Kritik von Mathias Broxtermann
veröffentlicht am 30.01.2013
85%
Mit "Django Unchained" serviert uns Quentin Tarantino wieder einmal einen erschreckend unterhaltsamen Film, der gleichzeitig Hommage sowie modernes Pop-Kultur Kino ist. Von der Eröffnungsszene mit der Originalmusik von "Django", über die schnellen Zooms zu Nahaufnahmen, bis zur grotesken Gewaltdarstellung, "Django Unchained" schreit geradezu nach einem Spagetti-Western. Und nach der ersten Ansprache von Christoph Waltz weiß man auch, wer die Dialoge geschrieben hat.

Gleich am Anfang wird der Sklave Django (Jamie Foxx) vom ehemaligen Zahnarzt, jetzt Kopfgeldjäger, Dr. King Schultz (Christoph Waltz), nun, nicht direkt befreit, aber fast befreit. Django kann die Brittle-Brüder identifizieren, die den nächsten Auftrag von Dr. Schultz darstellen, weshalb dieser ihm bei seiner Hilfe seine Freiheit in Aussicht stellt. Schließlich entsteht daraus sogar eine Partnerschaft, die so weit geht, dass Dr. Schultz einwilligt, Django dabei zu helfen, seine Frau Brunhilde (oder Broomhilda?; Kerry Washington) aus den Händen des Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) zu befreien. Nach einem sehr profitablen, und blutigen, Winter machen sich die beiden im Frühjahr auf ihre gefährliche, und möglicherweise selbstmörderische, Reise, denn sie wollen mit einer List in die Höhle des Löwen, um ihn zu bestehlen.

Es gibt wohl keine Diskussion, dass Tarantinos Haupttalent neben dem Schreiben das Dirigieren von Schauspielern ist. Hier haben wir es mit den Oscar-Preisträgern Jamie Foxx und Christoph Waltz sowie dem nominierten DiCaprio zu tun, und Tarantino entlockt ihnen großartige Leistungen. Waltz war fantastisch in "Inglorious Basterds", und seine Leistung als deutscher Kopfgeldjäger, mit einer starken Neigung zur Gerechtigkeit, ist hier nicht weniger als großartig. Es fühlt sich fast ein wenig wie eine Art Entschuldigung für den eben genannten Film an, diesmal mit Waltz als einem klar als deutsch identifizierten Befreier von Sklaven und einem Amerikaner als diabolischem Gegenspieler. DiCaprio ist ebenfalls hervorragend als der Sklavenbesitzer Candie, die sich als gebildeter Weltbürger ausgibt, aber unter der Oberfläche ein sadistisches Tier ist, dass seine Sklaven zum Spaß in tödlichen Kämpfen antreten lässt. Und Jamie Foxx ist der grimmige Rächer, leider von den drei Hauptpersonen die Rolle, die vielleicht am wenigsten Spielraum zulässt, aber er füllt sie voll aus. Samuel L. Jackson beweist derweil, dass man auch unter einer Menge Make-up noch vieles durch seine Mimik sagen kann. Eine Zahl bekannter Gesichter, bei denen wir oft rätseln müssen, ob sie es wirklich auch sind, stecken außerdem in den Nebenrollen (Hallo Don Johnson).

"Django Unchained" ist ein Rache-Epos im Stile der schmutzigen Italo-Western der 60er Jahre. Tarantino nutzt diesen Umstand, um das Thema "Rache" wieder einmal aufzugreifen und, natürlich provokant und brutal, auf die Leinwand zu bannen. Er nutzt es außerdem, um sich bissig mit dem schwarzen Kapitel der Sklaverei in den U.S.A. auseinanderzusetzen. So sind die weißen Peitschenschwinger meistens nur versoffene Idioten, und was aussieht wie der Vorgänger des Ku-Klux-Klans (der erst nach dem Bürgerkrieg gebildet wurde) wird in einer unglaublich witzigen Szene zum Ziel von Tarantinos exzentrischem Spott. Des Weiteren benutzt Tarantino das Schimpfwort "Nigger" hier so exzessiv, dass einem sowohl der unangenehme, und banale, Ursprung des Wortes klar wird, als auch warum dieses Wort immer noch so eine Rolle in der amerikanischen Kultur spielt. Wer also damit ein Problem hat, ist hiermit gewarnt. Aber denkt daran: Ihr geht in einen Film von Tarantino, ihr wisst genau, worauf ihr euch einlasst.

Für einen Tarantino ist "Django Unchained" überraschend geradlinig und wenig verschachtelt. Insofern kommt das Drehbuch nicht an den brillanten "Pulp Fiction" heran. Es gibt auch keine so atemberaubende Szene wie am Anfang von "Inglorious Basterds", und die Handlung ist auch nicht so großartig irrsinnig und provokant. Und viele Leute werden sich bestimmt wieder an der expliziten Gewalt stören, oder an der Filmmusik, die teilweise vielleicht etwas zu selbstbewusst ist. Aber auch wenn "Django Unchained" nicht Tarantinos neustes Meisterwerk ist, wird dieser Film bei 165 Minuten Laufzeit nie langweilig. Wer seinen Tarantino geschwätzig und seinen Western blutig will, kriegt mit diesem Film ein Full House in die Finger (oder vor die Augen).

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