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Kritik von Jutta Hannecker zu 'Django Unchained'

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Kritik von Jutta Hannecker
veröffentlicht am 21.01.2013
100%
Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz. Das sind die Attribute von Schneewittchen. Sie sind aber auch das Charakteristikum von Quentin Tarantinos neuestem Streich "Django Unchained". Die Hautfarbe seines Western-Superheros (Jamie Foxx) kann mit dem schwarzen, samtglänzenden Ebenholz durchaus mithalten. Das Blut, das fassweise strömt, macht sich besonders gut, wenn es fontänenartig in den Schnee oder auf die Büschel der Baumwollpflanze, des Symbols für die Sklaverei schlechthin, schießt. Tarantino erzählt aber kein Märchen, sondern er webt eine Sage, und zwar die der Nibelungen, in seinen Protest-Western, der zwei Jahre vor Beginn des Bürgerkriegs in den USA spielt. Gnadenlos geht er mit der amerikanischen Geschichte um, die zum Teil mit Sklavenblut geschrieben worden ist. Im Mittelpunkt seiner Erzählung steht neben dem Titelhelden der deutsche hocheloquente Emigrant, Dr. Schulz (Christoph Waltz). Seine Promotion hat er sich als Dentist erworben. Zähne hat er aber lange nicht mehr gezogen. Trotzdem fährt er in einem Holzwagen, auf dessen Dach ein überdimensional großer Zahn wackelt, durch die Südstaaten, um seiner neuen Berufung nachzugehen, der Kopfgeldjägerei. Je böser der gesuchte Schurke, umso erträglicher das Ergreifen des Gesuchten. Tot oder Lebendig. Tot ist Dr. Schulz lieber, auf zappelnde und sich wehrende Gefangene ist er nicht eingestellt. Um ein besonders lukratives Geschäft einzutüten, braucht er die Hilfe des Sklaven Django, der die Gesichter eines gesuchten Bruder-Trios haargenau kennt. Er kauft ihn aus den Händen seines ekelhaften und skrupellosen Besitzers, löst seine Blutfesseln und verpasst seinem Eigentümer noch einen ordentlichen Denkzettel, von dem er sich nie wieder erholen wird. Denn eins ist unserem Globetrotter völlig zuwider, nämlich das Gesetz, das Sklaverei erlaubt und fördert. Eines Nachts erzählt Django, der durch die Freiheit stündlich mehr an Selbstbewusstsein dazugewinnt, von seiner Frau Broomhilda, die sich im Besitz des Plantagenbesitzers Candy (Leonardo DiCaprio) befindet und deren Name auf dem altdeutschen Vornamen Brunhilde basiert. Dadurch inspiriert beginnt Schulz über Siegfried, Drachen und Feuerringe zu schwadronieren, um sich freilich nicht genau an die Sage zu halten. Dennoch graben sich die Bilder bei Django ins Hirn ein. Er sieht in Siegfried sein anderes wahres Ich.

Die Geschichte selbst gehört nicht unbedingt zu den komplexesten von Quentin Tarantino. Dennoch ist es ihm gelungen, seine Wut und Abscheu über die Zustände, die damals in den Südstaaten herrschten, wunderbar süffisant durch seinen Film rauszulassen. Er hat es nicht gescheut, dabei selbst rassistisch vorzugehen, und das völlig zu Recht gegen diese weißen Drecksäcke. Hässlicher und widerwärtiger hätte man Sklavenhalter und deren Handlanger wirklich nicht zeichnen könnten. Vollgepinkelte Hosen und eine Visage schlimmer als die andere, die Physiognomie einfach nur dummbatzig. Sprich, am liebsten nur zum Reinschlagen. Aber gerade so ist es dem Kult-Regisseur gelungen, diese Wut auf dieses Kapitel der Geschichte anzuheizen. Auch der rassistische Geheimbund der Südstaaten, der Ku-Klux-Klan, muss in diesem Wut-Western dran glauben. Diese Trottel mit ihren bescheuerten Kapuzen werden so richtig schön vorgeführt. Bravo, Quentin.

Apropos Bravo, das Drehbuch, das gerade den Golden Globe gewonnen hat, ist sowohl ironisch als auch ausgekocht. Seine Hauptdarsteller haben eine diebische Freude an den Tag gelegt, um dieses Husarenstück zum Leben zu erwecken. Die Dialoge, die ihnen in den Mund gelegt worden sind, strotzen nur so vor Witz, Klugheit und Zynismus. Neben Django, dargestellt von Jamie Foxx, der vom Sklaven mit unterwürfigem Blick zum großartigen Westernhelden mutieren darf, glänzen der frischgebackene Golden-Globe-Gewinner Christoph Waltz als Dr. Schulz, der, statt Schmerzen von geschwollenen Backen zu lindern, lieber geschwollen daherredet, sowie last but überhaupt nicht least Leonardo, der ehemalige Teenie-Schwarm, als Kotzbrocken Candy, dessen Zähne eine dringende Reinigung vertragen könnten. Als einer der allergrößten Rassisten in diesem sensationellen Streifen brilliert - allerdings kaum zu erkennen - Tarantinos Wegbegleiter Samuel L. Jackson. Seine Figur ist wegen seiner Hautfarbe von Selbsthass geradezu zerfressen. In jedem seiner Sätze kommt das politisch hochunkorrekte Wort Nigger vor. Er schreckt vor keiner Folter zurück, die man einem Menschen antun kann.

Zart besaitet darf man also nicht sein, wenn man sich diesen Film ansehen möchte. Viele der Szenen sind unglaublich gewalttätig, die auch mal einen Brechreiz auslösen können. Den wilden Schießereien, in deren Kugelhagel Unmengen an Menschen umkommen, fehlt der Comicstil, um sie nicht allzu ernst zu nehmen. Trotzdem ist Tarantino der Spagat gelungen, seine Zuschauer sowohl zum Lachen als auch zum Schaudern zu bringen. Obwohl sein Anliegen ein wirkliches großes ist, war er so frei, nicht auf die Elemente zu verzichten, die ganz großes Kino benötigen. Dazu gehört neben Insidergags (Franco Nero spielt in einer Szene mit), einem Superhelden, den wilden Kamerafahren, harten Schnitten und großartigen Bildern ein absolut hitverdächtiger Soundtrack.

Alles in allem ist Quentin ein überragender Tarantino-Film gelungen, der Spaß bringt, schockiert und heiße Diskussionen entfacht.

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