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Kritik von Benjamin Falk zu 'Django Unchained'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 21.01.2013
90%
Egal, was für einen Film Quentin Tarantino macht, dass ich am Ende durchaus überzeugt bin von dem Werk, ist eine Garantie. So verwundert es auch nicht, dass mir "Django Unchained" einfach nur sehr gut gefallen hat. Eine Enttäuschung war von vornherein ausgeschlossen, nur wie der Film umgesetzt wurde, wusste ich nicht so wirklich. So kann "Django Unchained" trotzdem noch überraschen und wohl jeder, der bisher etwas mit den Filmen von Tarantino anfangen konnte, kann sich sicher sein, hier bestens unterhalten zu werden.

Die Handlung ist dabei denkbar simpel, dadurch aber keineswegs weniger gut. Das Geschehen spielt sich zur Zeit der Sklaverei ab. So ist auch Django ein Sklave, der aber gleich am Anfang befreit wird. Ein Kopfgeldjäger, getarnt als Zahnarzt, braucht die Hilfe von Django und kauft ihn frei. Dr. Schultz braucht Django nämlich, damit er ein paar Leute für ihn identifiziert, die er umbringen will. Natürlich hilft Django ihm, doch danach trennen sich die Wege der Beiden nicht. Django will seine Frau, die ebenfalls eine Sklavin ist, befreien und Schultz bietet ihm nun seine Hilfe an. Zunächst arbeiten die Beiden zusammen als Kopfgeldjäger, danach steht die Befreiung der Frau an. Doch das soll nicht so einfach werden.
Tarantino ist selbst großer Westernfan und das merkt man dem Film deutlich an. Es ist nur eine logische Konsequenz, dass er nun einen reinen Western gemacht hat, denn Elemente davon waren auch vorher schon desöfteren mal vorhanden. Dabei zitiert sich Tarantino mal wieder quer durch die Filmgeschichte. Nicht alle Zitate habe ich erkannt, da ich kein großer Westernfan bin, aber das muss man auch gar nicht. Ansonsten kann die simple Geschichte auch so vollkommen überzeugen und glänzt mit einigen, wirklich starken Einfällen. An dem Drehbuch gibt es also überhaupt nichts auszusetzen; mir hat das bestens gefallen.

Noch besser sind allerdings die grandiosen Darsteller. Christoph Waltz gefällt in seiner Rolle absolut. Er spielt anfangs so herrlich locker, darf sich hinterher aber noch verwandeln. Auch Jamie Foxx gibt eine tolle Leistung von sich, darf mal ernst, mal locker spielen und hat sichtlich Spaß an seiner Rolle. Äußerst erwähnenswert ist aber auch Leonardo DiCaprio, der an seiner diabolischen Rolle ebenfalls viel Spaß gehabt zu haben scheint. Da macht das Zuschauen gleich noch viel mehr Freude. Kerry Washington ist insgesamt nicht so viel zu sehen, macht ihre Sache aber auch ordentlich und Samuel L. Jackson ist in seiner Rolle einfach nur herrlich. Daneben gibt es viele ganz kleine Auftritte, die einfach Spaß machen. Da wäre Jonah Hill, James Remar, Franco Nero und Michael Parks, die allesamt nur ganz kurz zu sehen sind. Und natürlich lässt es sich Quentin Tarantino selbst nicht nehmen, eine kleine Rolle zu übernehmen.
Die Figurenzeichnung ist ähnlich simpel wie die Geschichte an sich. Viel erfährt man über die Charaktere nicht, aber das muss auch absolut nicht sein. Auch so sind das keineswegs belanglose Figuren, die teilweise eine kleine Wandlung durchmachen. Vollkommen gelungen ist die Zeichnung schon alleine deshalb, weil Tarantino wieder extrem coole und geniale Charaktere entworfen hat, die sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Dabei hatte Tarantino ein bisschen Zeitdruck und musste sich mit der Fertigstellung von "Django Unchained" beeilen. Das merkt man teilweise vielleicht etwas und perfekt ist das Werk deshalb nicht. Auch wurde der Film ein wenig geschnitten. Es wird sich zeigen ob das auf der DVD dann alles noch etwas überarbeitet wird. Vielleicht ist der Film dann sogar noch etwas besser. Von der Inszenierung her ist "Django Unchained" ganz sicher nicht Tarantinos cleverstes Werk. So fällt sofort auf, dass es kein großartiges Spiel mit der Chronologie gibt. Erzählt wird das sehr linear. So unterscheidet sich der Film von den anderen Werken von Tarantino. Handwerklich ist das trotzdem äußerst gut gemacht. Die Kamera begleitet das Geschehen sehr dynamisch und es gibt hervorragende Einzelszenen. Die Umsetzung überrascht manchmal etwas und von der Inszenierung gleicht das mal wieder einem Meisterwerk. Ein paar kleinere Schwächen, fand ich da schon fast sympathisch.
Überraschend ist vielleicht auch die Atmosphäre, denn ich kenne eigentlich keinen Film von Tarantino, der so komisch ist wie "Django Unchained". In erster Linie ist das Werk erst mal saumäßig cool und desöfteren richtig locker. Da verbreitet sich schon in der ersten Szene ein enormer Spaß. Doch das bedeutet nicht, dass es nicht auch ernste Szenen gibt. Im Vorfeld wurde ja viel diskutiert, der Streifen wäre rassistisch. Das ist er sicherlich, aber man kann einen Film über Sklaverei auch gar nicht anders gestalten. Einige Szenen sind sehr menschenverachtend und richtig böse. Daraus ergibt sich genau die richtige Mischung. Im Endeffekt fand ich es aber toll, dass der Film überwiegend äußerst amüsant ist.

Dabei ist die Laufzeit mit annähernd drei Stunden keinefalls kurz. Doch "Django Unchained" braucht diese Laufzeit und hätte meinetwegen auch noch länger gehen dürfen. Keine Minute ist überflüssig und die 165 Minuten vergehen sehr kurzweilig. In der ersten Stunde gleicht das Werk fast einer Komödie und man kommt aus dem Lachen teilweise wirklich nicht mehr heraus. Danach darf es anfangen etwas böser zu werden. Im Finale wird dann ordentlich geballert und hier gibt es viel Action. Auch Spannung ist immer mal wieder vorhanden. Und trotzdem geht dem Werk niemals der Humor abhanden. Natürlich darf man sich erneut auf tolle Dialoge einstellen, die einfach bestens unterhalten. Langeweile gibt es überhaupt nicht; ich habe jede Minute genossen.
Auch über die Brutalität wurde im Vorfeld diskutiert. Natürlich darf diese bei Tarantino nicht fehlen, aber etwas überrascht war ich dann doch. Ich habe einfach mit einer anderen Gewalt gerechnet und nicht mit diesen übertriebenen Shoot-outs. Gefallen hat mir das trotzdem. Einige Szenen sind sehr blutig, wirken aber aufgrund der Coolness nicht so hart. Anders hingegen verhält es sich mit einem Kampf von zwei Sklaven. Das ist schon sehr derb gerarten. Die Effekte können überzeugen und auf den Computer griff man scheinbar kaum zurück, was mir sehr gefiel.
Der Soundtrack ist sehr vielseitig und der Score kann auch überzeugen. Hier griff Tarantino auf niemand anderen zurück als auf Ennio Morricone, was natürlich sehr passend ist.

Fazit: "Django Unchained" ist ein wirklich toller Film, der in erster Linie enormen Spaß macht. Das Geschehen ist sehr oft amüsant und einfach lustig. Das Drehbuch kann überzeugen, die Darsteller spielen grandios und man hat hier echt starke Charaktere entworfen. Handwerklich ist das nicht immer ganz perfekt, aber dennoch toll gemacht. Die Atmosphäre kann mit der Mischung aus Spaß, böseren Szenen und ein paar Emotionen durchaus gefallen und der Unterhaltungswert könnte höher kaum sein. Ich bin mal gespannt, ob sich an der Wertung nachhaltig noch etwas ändern würde, wenn der Film auf DVD erscheint, aber ich bin trotzdem sehr begeistert. "Django Unchained" ist ein typischer Tarantino-Film geworden, der dennoch leicht anders ist. Scheinbar wird es sogar sein kommerziell erfolgreichster Film und dieser Erfolg ist mehr als berechtigt!

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