Wenn es einen neuen Film von
Sacha Baron Cohen gibt, dann freue ich mich eigentlich immer. "
Borat" war wirklich genial und der Nachfolger "
Brüno" immerhin noch ziemlich amüsant. Nun gibt es eine weitere Figur von Cohen, den Diktator. Ich wollte den Film nicht unbedingt im Kino sehen, es kam nun aber dazu. So richtig hoch waren meine Erwartungen irgendwie nicht und deshalb wurde ich auch nicht enttäuscht, denn "Der Diktator" ist spaßiger Quatsch von dem man sich kurzweilig unterhalten lassen kann.
Admiral General Aladeen ist in dem fiktiven Land Wadiya Diktator. Mit ihm sollte man sich nicht anlegen, denn sonst wird man schon schnell mal hingerichtet. Plötzlich kommt es zu Gerüchten, dass das Land im Besitz von Atomwaffen wäre und das kommt natürlich gar nicht gut an. Aladeen macht deshalb eine Reise nach Amerika um sich zu den Gerüchten zu äußern. Dabei wird er allerdings entführt und sollte eigentlich umgebracht werden. Ein Doppelgänger übernimmt in der Zeit die Rolle von Aladeen und Ziel ist es, dass Wadiya nun nicht mehr in einer Diktatur bestehen soll. Jedoch überlebt Aladeen seine Entführung. Allerdings wurde ihm der Bart entfernt und so erkennt ihn niemand mehr. Deshalb glaubt ihm auch niemand, dass er der echte Aladeen ist.
Die Story ist ingesamt eigentlich ziemlicher Blödsinn und lässt sich sehr leicht vorhersehen. Natürlich macht Aladeen eine Wandlung durch und die Liebesgeschichte spielt da auch eine große Rolle. In diesen Punkten versagt das Drehbuch eindeutig, denn diese ganze Liebesgeschichte und die Wandlung ist vollkommen banal und hier könnte es unglaubwürdiger kaum sein. Zum Glück bietet "Der Diktator" aber auch noch eine andere Seite. Am besten ist der Film eigentlich immer dann, wenn man sich nicht um die Handlung kümmert und es reichlich Blödsinn zu sehen gibt. Hier bietet das Drehbuch einige echt abgefahrene Ideen. Dabei muss ganz klar gesagt werden, dass der Humor nicht jedem gefallen wird, denn er ist so böse, dass er böser kaum sein könnte. Wenn bei einer Geburt ein Mädchen geboren wird, wird gleich nach einem Mülleimer gefragt oder es gibt ein Konsolenspiel, in welchem man zahlreiche Attentate nachspielen kann. Der Humor ist sehr böse und teilweise äußerst schwarz. Wenn Aladeen erzählt, was Diktatur bedeutet, bekommen die Amerikaner auch ordentlich Seitenhiebe. Viele Ideen haben mir hier sehr gut gefallen und teilweise ist das wirklich enorm komisch. Die Story ist also eigentlich nicht gerade gut, man nutzt sie manchmal aber für herrlich absurde Szenen und von daher geht das in Ordnung.
Die Darsteller spielen allesamt gut. Natürlich lebt der Film von Sacha Baron Cohen, der scheinbar viel Spaß in seiner Rolle hatte. Er muss gar nicht so viel machen, überzeugt aber dennoch. Ansonsten bekommt noch Anna Faris ein bisschen was zu tun und auch Ben Kingsley ist nicht schlecht. Alle anderen spielen durchaus solide, aber große Schauspielkunst wird hier nicht benötigt.
Die Figurenzeichnung ist natürlich reichlich banal. Eigentlich darf man eine Figur wie den Diktator gar nicht sympathisch finden. Mir war er aber dennoch sympathisch und darauf legt es der Film sicherlich auch an. Die Figur ist abgrundtief böse, aber teilweise so herrlich naiv, dass einem dies kaum noch auffällt. Sowieso sind alle sympathisch und von daher geht die Figurenzeichnung auch noch in Ordnung. Tiefgründige Charaktere wird hier wohl sowieso niemand ernsthaft erwarten.
Larry Charles übernahm zwar wie bei "Borat" und "Brüno" wieder die Regie, aber von der Machart unterscheidet sich "Der Diktator" sehr von seinen beiden Vorgängern. Hier gibt es nämlich wirklich nur noch rein fiktiven Film. Das heißt alle sind Schauspieler und unwissende Menschen werden nicht mehr verarscht. Das ist ein bisschen schade. Gerade die Szene mit dem 11. September 2012 wäre wirklich urkomisch gewesen, wenn die beiden Menschen nicht gewusst hätten, was da vor sich geht. So ist die Szene zwar auch noch lustig, aber eben nicht so effektiv. Allgemein hätte es noch deutlich mehr Witz gegeben, wenn man Unwissende mit ins Geschehen genommen hätte. So bleibt eine solide inszenierte Komödie, die aber auch nicht unbedingt etwas besonderes darstellt.
Die Atmosphäre ist durchweg locker und spaßig. Hier kann man sein Hirn eigentlich ausschalten und sich schwachsinnig unterhalten lassen.
Denn der Unterhaltungswert stimmt auf jeden Fall. "Der Diktator" läuft ohne Abspann gerade mal ca. 75 Minuten und ist somit ziemlich kurzweilig. Ich konnte desöfteren lachen. Manche Gags sind wirklich stark, manche ganz okay und einiges fand ich auch eher doof. Das macht aber nichts, denn es gibt genügend Gags. Wer mit dem bösen Humor etwas anfangen kann, wird jedenfalls gut unterhalten werden. Nach einer Moral darf hier natürlich niemand suchen. Eigentlich wäre "Der Diktator" ein sehr fragwürdiger Film, wenn es denn nicht so viel Quatsch geben würde. Von daher denke ich kaum, dass sich hier irgendwer angegriffen fühlen wird. Es gibt viel Rassismus, viele Vorurteile gegenüber arabischer Länder und politisch ist das höchst unkorrekt. Man legt allerdings nicht viel Wert auf Anspruch und die ganzen bösen Szenen wirken niemals schockierend. Die Freigabe ab 12 Jahren finde ich jedoch zu gering. Dafür gibt es dann doch zu viele krasse Szenen. Effekte hingegen gibt es nicht viele, die vorhandenen sind aber gut gelungen.
Der Score ertönt sehr arabisch, was natürlich passend ist.
Fazit: "Der Diktator" ist eine schwarze und äußerst böse Komödie. Viele Ideen haben mir wirklich gefallen. Hier gibt es viel politisch unkorrekten Humor, viele Szenen sind aber auch einfach nur absurd und völlig behämmert. Dies ist größtenteils aber als positiv zu verstehen. Die Handlung, die man dazu geschrieben hat, kann allerdings kaum gefallen. Hier gibt es zu viele Unglaubwürdigkeiten und das Ganze ist auch sehr vorhersehbar. Die Darsteller machen ihre Sache aber ordentlich und mit einer großartigen Figurenzeichnung wird wohl sowieso niemand rechnen. Die Inszenierung ist solide, schade ist nur, dass man nun nicht mehr im Stile einer Mockumentary arbeitet. Dafür stimmt die Atmosphäre. Der Film ist herrlich doof und das macht überwiegend viel Spaß. Man langweilt sich nie, kann desöfteren lachen und die Laufzeit ist schnell vorbei. Im Endeffekt nicht wirklich etwas Besonderes, aber sehenswert auf jeden Fall!