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Kritik von Fred Maurer zu 'Wie ein Licht in der Nacht'

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Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 06.05.2011
85%
"Wie ein Licht in der Nacht", BRD 2011

Pädagogisch motivierter Verzicht auf die sonstige klischeehafte Sozialromantik

Eine Filmkritik von Fred Maurer auf alle, die ihre Sucht besiegen wollen und es bereits geschafft haben

Christiane Hörbiger gehört seit einem zu den großen Charakterdarstellerinnen der Theaterbühne (1959 als Recha in Lessings Toleranzdrama 'Nathan der Weise' am Wiener Burgtheater, aber auch fast ein halbes Jahrhundert später, nämlich 2008 in der drittmalig verfilmten Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame"), des deutschsprachigen (auch österreichischen) Kinofilms (1956 die heute noch bewegende um 'Kronprinz Rudolfs letzte Liebe' in Mayerling, aber auch 1992 die Satire "Schtonk"), populärer Fernsehserien nie ohne Anspruch ("Die Guldenburgs" von 1987, aber auch u.a. 1990 in 'Derrick'), ja sogar des Kinderfilms (2006 'Der Räuber Hotzenplotz').

Bislang galt auch für ihre Rollen, dass sie immer eine Dame war, die nie aus der Rolle fiel - in ewiger Schönheit: Doch diesmal wagte sie, eine Trinkerin zu spielen, die mit jedem Glas mehr auch körperlich verfällt.
Sie selbst sagte hierzu: "Natürlich musste ich mich etwas überwinden, so vor die Kamera zu treten. Aber ich wusste zugleich, das muss so sein. Denn es ist schlicht lächerlich, in solchen Rollen irgendwie mit Schönheit zu kokettieren."
Dieser Mut ehrt sie.

Das ausgezeichnete Buch stammt von dem hauptberuflichen Regisseur Thorsten Näter.
Dem Regisseur und Kollegen Florian Baxmeyer gefiel der Verzicht auf die sonstige klischeehafte Sozialromantik: "Mir gefiel schon mal, dass es keine Geschichte aus der Gosse war, sondern alles ganz leicht, fast beschwingt anfängt".

Die Handlung (siehe 'stern.de'):
"Die eben in den Ruhestand gewechselte, bis dahin sehr erfolgreiche Maklerin Carla Binder ... nimmt Abschied von den Kollegen. Ein Glas Sekt wird gereicht, wie üblich. Carla schwingt den Kelch. Recht intensiv. Am Telefon ahnt die Tochter (Susanna Simon), dass die Mutter auf einem gefährlichen Weg sein könnte. Ihr beruflicher Erfolg hat bisher ihren latenten Alkoholismus verdeckt. Der Beruf war für sie zugleich auch Ersatz für alle anderen menschlichen Beziehungen: Sie war keine gute Mutter, keine gute Ehefrau. Bei ihr musste die steile Karriere alles andere ersetzen.
Nun ist sie allein. Und der Alkoholismus droht von Neuem, da am Anfang eines jeden Tags die bange Frage steht: Was mache ich denn nun eigentlich all die Stunden? Die Flasche lockt. Erst nur Champagner, dann die schon härteren Sachen. Carlas Ex wendet sich resigniert ab.
Aber ein 'Licht' bleibt in der alkoholgeschwängerten 'Nacht': So was kann man auch, bis zu einem gewissen Grad wenigstens, heilen. Vor allem mit dem richtigen Menschen im richtigen Augenblick. Carla findet ihn in ihrem Hausmeister, einem trockenen Alkoholiker
Erst weist sie alle Hilfsangebote zurück, da sie doch hartnäckig leugnet, irgendwie vom Alkohol abhängig zu sein. Aber allmählich erschließt sie sich ihm. Bis das erlösende Bekenntnis fällt: 'Ich bin Alkoholikerin!'..." - "der erste Schritt zu einer möglichen Genesung" (so Christiane Hörbiger selbst).
Insofern ist dieser Film auch pädagogisch motiviert.

Auch die anderen Darsteller überzeugen: Klaus J. Behrendt (hier als Hausmeister immer mal wieder in einer "Tatort"-fernen Rolle, wie 2005 als Kanzler in dem Fernsehspiel 'Kanzleramt') und Friedrich von Thun als Carlas Ex (sein Sohn war 2006 als 'Kronprinz Rudolf' Nachfolger des noch heute den Älteren unter uns bekannten Kinofilm-Herzensbrechers Rudolf Prack).

Mein Fazit: Filme um Alkoholismus (1995 "Der Trinker" nach dem Roman von Hans Fallada mit Harald Juhnke in der Titelrolle) oder überhaut Sucht (Zweigs "Schachnovelle" von 1960) haben eine lange Tradition und wir können vergleichen: Das typische Doppelleben hat noch keiner so überzeugend gespielt wie die Christiane Hörbiger!
Ihr nehmen wir sogar das seltene, aber doch nicht unmögliche 'Happy End' ab.

So soll am Ende dieser Betrachtung ein Aphorismus des berühmten Regisseurs Max Reinhardt stehen, dass insbesondere auch für Christiane Hörbiger gilt:

"Der wahre Schauspieler ist von der unbändigen Lust getrieben,
sich unaufhörlich in andere Menschen zu verwandeln um in den Anderen am Ende sich selbst zu entdecken."

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