Das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) ist eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, die seit April 1963 bundesweites Fernsehen ausstrahlt. Der Sitz des Senders ist in Mainz, neben dem Zweiten gehören dem ZDF unter anderem die Sender 3sat, Phoenix und arte (zumindest teilweise) an.
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Schwere Kost leicht serviert
Eine Filmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer für dessen geliebte Ehefrau Christa und eine noch lange gemeinsame Zeit
Fernsehen am Freitagabend - das ist oft kein reines Vergnügen: Der
ZDF-Krimi ist für unseren (älteren, an den "Kommissar", an "Derrick" gewöhnten, von diesen Serien verwöhnten) Geschmack zu schnell, zu brutal, zu wenig 'meditativ' (ich höre die jungen Krimifans in leiser Nachsicht lachen); die Privaten bringen bestenfalls ein 'Millionenspiel' (wie wir es vor 40 Jahren in der Regie von Tom Toelle und mit Didi Hallervorden besser gesehen haben); in unserem 'Dritten' (SWR) läuft Volksmusik - zum Abschalten.
Im 'Ersten' kommt hier immer ein Spielfilm, doch der ist meist erstens nicht der Rede und zweitens keine Filmkritik wert. (Möglicherweise hat man mittlerweile einen Ruf zu verlieren.)
Doch dieses nachdenkliche Fernsehspiel um Liebe trotz Altersunterschied, tödliche Erkrankung und Treue bis in den Tod sprengt die sonstigen engen Grenzen der seichten Fernsehunterhaltung.
Klasse schon die Grundidee: Eine krebskranke Frau sucht für ihren jüngeren Mann im besten Alter eine adäquate Nachfolgerin für die Zeit nach ihrem Tod!
Die Handlung (siehe 'ORF-Kundendienst'):
"Agnes (Christiane Hörbiger) führt mit ihrem 13 Jahre jüngeren Mann Leo (Filip Peeters) ein glückliches und zufriedenes Leben. Erfolgreich führt das kinderlose Paar ein Juweliergeschäft. Alles scheint perfekt - bis zu jenem Tag, an dem sie erfährt, dass sie schwer krank ist. Die Diagnose: Lungenkrebs. Die Nachricht trifft sie wie ein Schlag, und sie fasst den Entschluss, dass es das Beste ist, so schnell wie möglich mit dem Leben abzuschließen. Sie will weder eine Operationen noch eine Therapie.
Ausgerechnet an dem Tag der Diagnose schenkt Leo ihr einen Glücksbringer, und Agnes bringt es nicht übers Herz, ihrem geliebten Mann zu sagen, wie es tatsächlich um sie steht. Ihre größte Sorge ist aber nicht die Diagnose, sondern ihre großen Liebe Leo. Sie will ihn nach ihrem Tod umsorgt wissen, und so schmiedet sie den Plan, eine Frau für ihn zu finden.
Es scheint als würde ihr Plan aufgehen, als die attraktive Vera (Muriel Baumeister) und ihr Sohn Max (Simon Morzé) in Leos Leben treten. Agnes muss sich an diesem Punkt aber auch eingestehen, dass es für sie viel schwerer ist als erwartet, ihren geliebten Leo von sich zu drängen und die letzten Schritte alleine zu gehen. In Kurt (Erwin Steinhauer) findet sie in ihren letzten Tagen einen verständnisvollen Freund, der beinahe zu spät bemerkt, was sie vorhat..."
Die Besetzung ist großartig, vor allem sympathisch und angenehm zu sehen: die große, erstaunlich jung gebliebene Dame des österreichisch-deutschen Films Christiane Hörbiger, Filip Peeters, Erwin Steinhauer (in Österreich ein Star!) und Muriel Baumeister spielen wunderbar; der Star ist (wie keineswegs immer) der etwa 12jährige, doch bereits erfahrene Kinderdarsteller Simon Morzé.
Ein paar Pressestimmen stützen meinen positiven Eindruck.
So lobt 'tvMovie' die "in Wien gedrehte, berührend inszenierte Beziehungsgeschichte mit zahlreichen österreichischen Stars wie Christiane Hörbiger und Erwin Steinhauer ..."
'rtv' sieht "ein gefühlvolles Melodram über emotionale Entfremdung" - die ich freilich nirgends erkennen kann: Das Ehepaar steht bis zuletzt zusammen.
Und 'tv14' empfiehlt lapidar, hier werde 'schwere Kost leicht serviert'.
Mein Fazit: Ältere Ehepaare (wie wir inzwischen eines sind, auch wenn weder unser 25jähriger Sohn noch seine Freundin uns das spüren lassen) machen sich gewiss Gedanken über ihre vielleicht gar nicht mehr so ferne Zukunft: Jederzeit könnte einer von uns erkranken...
Der Film macht freilich auch Mut und hilft Tabus zu brechen.
Wir werden zusammenbleiben bis zum (immer bitteren) Ende.
Vielleicht passt an dieser Stelle in bewährter Haustradition (siehe die Filmkritik von Alexander Jachmann zu "Der große Diktator") thematisch ein berühmtes, tröstliches Gedicht von Erich Fried (das nebenbei bemerkt vertont die Sendereihe '37 Grad' einleitet):
Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe