foyer - hier geht's zur startseite... die aktuellen kinocharts für Deutschland und USA aktuelle Meldungen aus der Kinowelt die aktuellen Kino-Starttermine fü Deutschland kinoprogramm unsere aktuellen kritiken heimkino - aktuelle DVD-Termine directory - Stöbere in unserer Datenbank background - Informationen rund um zelluloid.de
zelluloid

Kritik von Jutta Hannecker zu 'The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten'

WERBUNG
Partner von Entania
Kritik von Jutta Hannecker
veröffentlicht am 30.01.2012
100%
Als Israel Kamakawiwo'ole mit seiner wundervollen Version von "Somewhere over the Rainbow" wochenlang die Charts beherrschte, da bekamen sicherlich viele Menschen, die noch nie auf Hawaii waren, eine Vorstellung davon, wie malerisch schön es wohl dort sein muss. Dass diese Idylle ein Satz mit X ist, davon erfährt der Zuschauer gleich am Anfang von "The Descendants" (Der Nachkomme). Matt Kings (George Clooney) Stimme aus dem Off erklärt, dass der Krebs auf Hawaii genauso schmerzhaft ist wie woanders auf der Welt, um nur eins der traurigen Beispiele zu nennen, die er aufzählt. Er selbst kann davon ein Lied singen, das sicherlich nicht so verzaubert wie das oben erwähnte. Seine Frau Elisabeth liegt nämlich nach einem schweren Unfall im Koma, von dem sie nicht mehr erwachen wird. Er erfährt nicht nur von den Ärzten, dass laut ihrer Patientenverfügung demnächst die Geräte abgeschaltet werden müssen, sondern auch von seiner 17-jährigen Tochter, dass Elisabeth einen Liebhaber hatte.

Der Familienvater von zwei Mädchen hat sich immer nur als Ersatzelternteil gesehen und sich stets mit anderen Dingen beschäftigt. Als ein Nachkomme des letzten Königs von Hawaii gehört ihm unendlich viel Land. Ein letztes Stück unberührter Natur soll nun verkauft werden, da hatte er vor Elisabeths Unfall alle Hände voll zu tun, da war nicht mal mehr eine frei, um seine Frau während der letzten Tage ihres Lebens anzurufen. Um den Gefühlscocktail, bestehend aus Entsetzen, Trauer, Angst und Eifersucht, der durch seine Adern rast, beneidet ihn sicherlich keiner. Dazu gesellt sich noch die Unfähigkeit, mit seinen Kindern zu kommunizieren. Er bemüht sich zwar, aber wirkt dabei sehr unbeholfen. Auf Rat der Ärzte macht er sich auf den Weg, um Freunde und Bekannte zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich von Elisabeth zu verabschieden. Ihren Lover möchte er auch aufsuchen, weil er meint, dass seine Frau das sicherlich so gewollt hätte. Mit dabei sind seine beiden Mädchen und der leicht verplant wirkende Freund seiner Teenie-Tochter. Dass der gehörnte Ehemann dabei in entsetzlich peinliche Situationen gerät, ist offensichtlich. Auch dass er auf diesem Trip zu sich selbst und seinen Töchtern zurück findet, ist keine Überraschung. Dennoch wird diese Geschichte so herzzerreißend und bemitleidenswert komisch erzählt, dass kaum ein Auge trocken bleibt.

Regisseur und Drehbuchautor Alexander Payne ("Sideways", "About Schmidt") hat ein besonderes Faible für schrullige Typen. Wenn diese dann auch noch in einer Umbruchphase stecken, dann sind sie für ihn wie gebacken. Damit kommen wir auch gleich zur großen Preisfrage. Nimmt man ausgerechnet George Clooney, einem der smartesten und attraktivsten Männer des Universums, diesen Kauz ab? Oh, ja, das tut man. Das liegt nicht nur an den seltsamen Hawaii-Hemden, die er - vorzugsweise in die Hose gesteckt - tragen muss. Auf den hawaiianischen Inseln gehören diese modischen Entgleisungen auch unter Geschäftsmännern zum guten Ton. Es liegt vor allen Dingen an seinem grandiosen Schauspiel. Man nimmt ihm diesen verletzen und verzweifelten Ehemann und Vater komplett ab. Das sexy Image ist komplett verflogen. Wie er sich da zurück nimmt, ist eine Klasse für sich. Seine Mimik, seine Blicke sind umwerfend. Er wird für diese Darstellung als heißer Favorit für den Oscar gehandelt. Den Golden Globe hat er dafür bereits eingeheimst.

Die Geschichte "Mit deinen Augen" von Kaui Hart Hemming wurde wunderbar für die große Leinwand adaptiert. Sie zeigt in allen Farben dieser Welt, dass weder das Leben nur schwarz-weiß ist noch auf Hawaii ständig die Sonne scheint. Sprich, wie nach einem anständigen Gewitter ein Regenbogen entstehen kann, so gibt es in oder nach den schlimmsten Horrorphasen des Lebens Lichtblicke und Gelegenheiten, auch mal Spaß zu haben, ohne dass der Sonnenstrahl im Herzen pietätlos wäre.

Die Bilder, die Kameramann Phedon Papamichael ("Sideways") von den Inseln eingefangen hat, sind atemberaubend schön. "Die Familie und andere Angelegenheiten" werden von einem wahnsinnig schönen Soundtrack begleitet, der genauso weich und einlullend ist wie die hawaiianische Version von "Somewhere over the Rainbow". Insgesamt wurde dieses berührende Meisterwerk für fünf Oscars nominiert, unter anderem auch für den besten Film. Es wäre mehr als in Ordnung, wenn es bei der Nennung der Königsdisziplin heißen würde: And the Oscar goes to "The Descendants"!

War diese Kritik hilfreich?
9 von 15 Besuchern fanden diese Kritik hilfreich.
 
zelluloid - Navigationselement
WERBUNG
Kurz-Link zu dieser Seite: http://zel.lu/k6yz
foyer | charts | filmnews | kinostarts | kinoprogramm
kritiken | heimkino | directory | background
 
zelluloid.de • ©1998-2014 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann
 
SitemapImpressuminfo@zelluloid.de
Hinweise zum DatenschutzNutzungsbedingungen