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Kritik von Benjamin Falk zu 'The Guard'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 05.10.2011
80%
Martin McDonagh hat vor ein paar Jahren mit "Brügge sehen... und sterben?" einen wirklich tollen Film geschaffen, den ich sehr stark fand. Sein Bruder John Michael McDonagh bringt nun einen ziemlich ähnlichen Film. Nicht nur, dass Brendan Gleeson erneut in der Hauptrolle zu sehen ist, auch so gibt es viele Ähnlichkeiten. So sind die Schauplätze auch in "The Guard" sehr unspektakulär, die Herangehensweise leicht selbstironisch und es gibt auch hier viele schräge Charaktere, eine derbe Sprache und viele unkonventionelle Szenen. Im Endeffekt hat mir "Brügge sehen... und sterben?" zwar etwas besser gefallen, nichtsdestotrotz ist auch "The Guard" ein toller Film.

Gerry Boyle ist ein Polizist in Irland. Er wohnt in einem kleinen Kaff, in dem wirklich nichts los ist. Verbrechen sind hier eher Mangelware. Boyle fühlt sich in seiner Heimat durchaus wohl, ist ein sehr unkonventioneller Polizist, macht sich selbst auch mal strafbar, genießt das Leben aber. Eines Tages soll es dann jedoch vorbei sein mit dem unbeschwerten Leben, denn ein Drogenschmuggler wird ermordet aufgefunden. Ein paar Gangster planen scheinbar ein wirklich dickes Ding, in dem Drogen im Wert von einer halben Milliarde verkauft werden sollen. FBI-Agent Wendell Everett kommt extra aus Amerika um den Fall zu lösen. Die Gangster haben scheinbar die gesamte irische Polizei bestochen, nur bei Boyle scheitern sie und er versucht sie an ihrem Deal zu hindern.
Es ist nicht unbedingt die Story, die "The Guard" zu etwas Besonderem macht. Die Handlung ist ziemlich normal, es geht halt um Drogengangster. Es ist die Herangehensweise, die den Film von anderen abhebt. Die eigentliche Krimihandlung tritt desöfteren in den Hintergrund und wird eher nebenbei behandelt. Dabei ist es schön, dass sich die Story auch selbst nie besonders ernst nimmt. Ich fand das Drehbuch auf jeden Fall gelungen.

Wirklich stark sind die Darsteller. In erster Linie lebt "The Guard" von seinem Hauptdarsteller Brendan Gleeson. Er darf eine One-Man-Show bieten, die sich wirklich gewaschen hat. Es macht einfach Spaß, Gleeson zuzusehen, und er spielt genial gut. Die restlichen Darsteller spielen da immer nur die zweite Geige, sind dabei aber nicht wesentlich schlechter. Am besten gefällt dabei noch Don Cheadle, der zusammen mit Gleeson die besten Szenen hat.
Die Figurenzeichnung hat mir gut gefallen. Die Charaktere besitzen etwas Profil, sind nicht belanglos, aber viel besser ist, dass sie schön schräg sind. Hier tickt scheinbar niemand so ganz normal, aber man hat dennoch nicht vergessen, den Figuren auch etwas Gefühl zu verleihen.

Die Inszenierung hat mir gut gefallen. Das Tempo ist eher ruhig, aber das passt sehr gut und die Machart ist einfach sehr unkonventionell. Die Schauplätze sind in ihrer unspektakulären Art und Weise stark und handwerklich wirkt "The Guard" sehr gekonnt. Es scheint in der Familie zu liegen.
Die Atmosphäre ist ebenfalls stark. Im Grunde genommen ist das Treiben schon ziemlich ernst, teilweise auch dramatisch, aber es wirkt selten so, denn man hat das alles extrem aufgelockert. Es gibt viel Humor, dabei ist der meiste davon wirklich sehr schwarz, teilweise auch makaber. Die Ernsthaftigkeit und die lockere Gangart stehen sich dabei keinesfalls im Weg, sondern bereichern sich gegenseitig.

Der Unterhaltungswert ist sehr gut. Bereits die erste Szene macht klar, in welche Richtung die folgenden 90 Minuten steuern. Die Story bleibt stets interessant, aber es sind die kleinen Szenen am Rande, die dem Werk eine gewisse emotionale Note geben und so amüsant ausfallen. Ein bisschen Spannung ist vorhanden, Action gibt es nicht besonders viel, aber das braucht der Film auch nicht. Das Geschehen lebt eher von den Dialogen, die wirklich herrlich sind. Dabei ist der Humor gut gelungen, bietet eine Mischung aus derb und anspruchsvoll und gerade diese Mischung ist wirklich gut. Das Finale hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Viele Effekte gibt es nicht unbedingt, aber ein bisschen Blut darf vergossen werden. Dabei hat sich der Film schon alleine wegen der derben Sprache die Freigabe ab 16 Jahren verdient. Die wenigen Effekte sind gut gelungen.
Der Score hat mir gut gefallen, denn er wurde sehr passend eingesetzt.

Fazit: "The Guard" macht aus der simplen Story eine ganze Menge. Das Drehbuch bietet einige, gelungene Ideen, aber gerade die Darsteller machen enorm viel Spaß. Gleeson ist einfach stark. Die Figurenzeichnung ist dabei auch ganz gut geworden, denn die Charaktere wirken nie belanglos. Die Inszenierung ist sehr gut gelungen und sehr stark fand ich die Atmosphäre, welche zwischen ernst und schwarzhumorig pendelt. Der Unterhaltungswert ist sehr ordentlich, es wird nicht langweilig und die Laufzeit verging sehr schnell. Mir persönlich hat "Brügge sehen... und sterben?" zwar besser gefallen, aber wer den Film gut fand, sollte sich "The Guard" nicht entgehen lassen!

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