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Kritik von Mathias Broxtermann zu 'Gravity'

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Kritik von Mathias Broxtermann
veröffentlicht am 10.10.2013
100%
Alfonso Cuaróns "Gravity" ist kein Science-Fiction Film über große Ideen, wie Stanley Kubricks "2001" oder Ridley Scotts "Prometheus", aber er ist der intensivste Thriller, den ich in einer langen, langen Zeit gesehen habe. Der Grund dafür ist, dass der Film sehr minimalistisch gehalten wurde, zumindest, was die Besetzung und die Handlung angeht. Und genau dadurch gelingt es auch, in gerade einmal 91 Minuten eine so packende Geschichte zu erzählen.

"Gravity" ist brillant einfach, und einfach brillant.

Oscar-Gewinnerin Sandra Bullock und Oscar-Gewinner George Clooney, das ist eigentlich die ganze Besetzung, mit der der Film auskommt. Bullock spielt Dr. Ryan Stone, die eigentlich nur kurze Reparaturen am Hubble Space Telescope (HST) durchführen soll. Sie ist ein Neuling im Weltall, und hat einen schmerzhaften Verlust erlitten, der sie bis heute plagt. Clooney spielt den Veteranen Matt Kowalsky, dessen Erfahrung im All ihn sehr selbstsicher und entspannt, vielleicht etwas zu entspannt, gemacht haben. Als eine unkontrollierte Satellitenentsorgung zu einer Katastrophe in Form eines Trümmerfeldes führt, dass die Erde in der Umlaufbahn des HST in Höchstgeschwindigkeit umkreist und das Space Shuttle zerstört, bleiben Kowalsky und Stone mit limitierten Ressourcen wortwörtlich im Nichts zurück, und müssen gegen alle Chancen um ihr Überleben kämpfen.

Bullock und Clooney sind beide in Höchstform hier, und wir sind mit den beiden im All, während sie, gegen alle Wahrscheinlichkeiten, ihren Weg nach Hause antreten. "Gravity" ist die Sorte Film, die man nicht nur sieht, sondern dank der hier perfekt umgesetzten 3D Technik auch fühlt. Die fantastischen Effekte, eine nahtlose Kameraführung sowie ein subtiler aber packender Soundtrack (Steven Price) machen fast jede Szene zu einem Erlebnis. In seinen besten Momenten ist man in beinahe verträumter Stille im Nichts verloren, und muss unweigerlich an Klassiker wie "2001" denken. Dann wieder hat der Film auch einige beängstigend klaustrophobische Momente, die wiederum an den Klassiker "Alien" erinnern. Es gibt sogar eine Szene, in der die starken letzten Szenen dieser beiden Filme kombiniert werden. "Gravity" ist so effektiv, weil er mit einigen uralten Ängsten der Menschheit spielt: Höhenangst, Klaustrophobie, Isolation, Hilf- und Hoffnungslosigkeit im Angesicht des scheinbar unabänderlichen Schicksals. Das zeigt sich vor allem darin, dass einige der stärksten Momente nicht etwa die actiongeladenen Szenen im All sind, sondern die stillen, persönlichen Momente, in denen die Astronauten mit ihrem Schicksal hadern. Und wie der eben erwähnte "Alien" ist er so packend, weil er so dämonisch stromlinienförmig ist: Mit jeder Szene werden die Optionen, Ressourcen und Chancen der Überlebenden weiter limitiert.

Alfonso Cuarón, der sich mit Filmen wie "Children of Men" und "Y Tu Mama Tambien" bereits einen Namen gemacht hat, hat einen unglaublich effektiven Thriller dirigiert. Sein Talent als Regisseur zeigt sich vor allem in den scheinbar übergangslosen, langen Szenen am Anfang des Filmes, und der perfekten Geschwindigkeit der Handlung, die einen immer wieder nach Atem ringen lässt, und einem dann doch wieder Zeit zum Nachdenken und Einfühlen gibt. "Gravity" wird sicherlich einige technische Nominierungen erhalten, aber ich denke Bullock und Cuarón haben auch gute Karten, auch wenn Science-Fiction bei den Oscars gerne auch mal ignoriert wird.

Natürlich gibt es einige wissenschaftliche Punkte zu bemängeln. So überlappt sich die Bahn des HSP und der ISS nicht gerade, und ob ein dermaßen konzentriertes Trümmerfeld so leicht entstehen kann, ist auch eher fraglich. Den Astronauten fällt es außerdem erstaunlich leicht, ihre schweren Anzüge an- und auszuziehen. Aber mit solchen Detailpickereinen lässt sich jeder Film demontieren, und das ist hier auch nicht der Punkt. Einigen Zuschauern wird außerdem vielleicht die letzte Szene dann doch ein Unglück zu viel sein, aber ich fand es sehr passend gewählt.

"Gravity" ist aber dennoch auf so vielen Gebieten so perfekt, dass sein Status als neuer Klassiker fast schon als gesichert angesehen werden kann. Und er bietet einem in seinen stilleren Momenten die Zeit, über das Scheitern menschlicher Ambitionen, und unsere Schwäche, nachzudenken.

Wertung: 4 / 4

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