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Kritik von Tobias Lischka zu 'Batman Begins'

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Kritik von Tobias Lischka
veröffentlicht am 06.01.2011
90%
Mit "Batman Begins" legt Christopher Nolan idealerweise die erste reife Comicverfilmung des Genres hin, die nichts mehr mit den aus heutiger Sicht abgedrehten, cartoonesk wirkenden Interpretationen eines Tim Burton zu tun hat, sondern ein neues, eigenständiges Batman Universum erschafft, welches ganz andere Grundlagen für das entstehen des gelungen "Batman Begins" offenbart. Und zwar nicht den Hang zum grotesk barock überzogenen Comic-Spektakel, sondern den Mut zur Bodenständigkeit, eine clevere Mischung aus waschechtem Thriller und fundiertem psychologischem Drama, welches visionäre Tiefe erzeugt und mit dem eigenem Hang zur Erzählung genauestens verquickt ist. Darüber hinaus erhebt batman begins einen konsequenten Realitatsanspruch, in welcher die bekannten Figuren des Batman-Kosmos verankert werden. Durch diesen Kniff gelingt es Christopher Nolan, selbst surrealste Comic-Bilder auf der Leinwand verblüffend echt wirken zu lassen. Dies wurde auch in dem sehr guten Nachfolger "The Dark Knight" noch in Perfektion durch den Auftritt des Jokers zur Vollendung geführt.
"Batman Begins" ist die erste ernsthafte und dichte Comic-Adaption, die eher einem "The Crow" zu Ehre gereichen würde und so ausfällt wie erwartet. Es gelingt Christopher Nolan auch neben einer soliden Handlung viererlei Charaktere und bekannte Gesichter in den Dienst der Geschichte zu stellen, die nie deplatziert wirken sondern allesamt authentisch. Ein Michael Caine verleiht der Figur des Alfred Pennyworth Würde, Eleganz und leisen Humor, ein Morgan Freeman überzeugt mit subtilem Witz, Smartheit und Coolness und das angenehm distanzierte, zurückhaltende Spiel von Christian Bale passt genauestens zur Interpretation des Bruce Wayne.
Einzig und allein Katie Holmes fällt in ihrer Rolle etwas ab, da sie zum Teil schablonenhaft agiert. Liam Neeson hingegen überzeugt in seiner Undurchsichtigkeit und in seiner Intention, Bruce Wayne vom gerechten Pfad im Laufe des Film abbringen zu wollen.
Schon in den ersten Szenen von "Batman Begins" eröffnet sich dem Betrachter ein fast zur Gänze neues Filmgefühl, es wird durch geschickte Rückblenden der Vergangenheit, die mit der Gegenwart harmonieren, das Vorantragen der eigenen Geschichte von Anfang an ermöglicht. Bereits in den Anfangsminuten atmet "Batman Begins" auch dank der mit Bläsern und Streichern unterlegten und angenehm themenlosen Musik von Hans Zimmer und James Newton Howard einen Hauch des Epischen, dieser subtile Hauch erwächst im Laufe der weiteren Handlung und verdichtet sich zu einem waschechten Score. "Batman Begins" funktioniert in genau jenen Momenten am besten, wenn Christopher Nolans Anspruch als Autorenregisseur und die Grundlage der Frank Miller Comics der von Bob Kane geschaffenen Figur aufeinander prallen und sich sehr gut ergänzen, Frank Millers Comic offerierte schon immer mehr Bodenhaftung und Ernsthaftigkeit statt cartooneske Überstilisierung im Wandel der Zeit (man denke nur mal an die 50er Jahre Comics eines Batman mit Robin als Ergänzung). Einerseits inszeniert Nolan seinen Film als ernstzunehmende Studie der Angst an sich, er reflektiert die Psychologie der Angst z.B während der Vergangenheit des Protagonisten und während des Verlaufes der Ausbildung durch Ducard. Andererseits brechen Weisheiten durch wie sie vor allem gerne in Comicverfilmungen fallen: "Und warum fallen wir?" "Damit wir lernen können uns wieder aufzurappeln." Diese Weisheit zielt in erster Linie darauf hin, das Bruce Wayne als gebrochener Charakter durch den Tod seiner Eltern identifiziert wird, welcher nicht die Stärke besitzt, mit diesem Dillema fertig zu werden. Diese Weisheit ist für ihn die richtige Hilfestellung. Er lässt mitunter seiner späteren Batmanmaske den Knacks eines psychisch angeschlagenen, sogar besessenen erkennen. Der Umgang mit dem eigenem Dillema fordert seinen Preis. Und weil Nolan mit Akribie und Herzblut vorantreibt, Waynes Welt nicht nur auf der psychologischen Ebene, sondern auf der physiologischen Ebene unseren realistischen Kosmos zu verankern, sind realistische Elemente jederzeit als Zugang für den Betrachter erforderlich. Reale Psychologie und abgedrehter Surrealismus vertragen sich nicht miteinander . So erscheinen die realistischen Elemente wie aus einem Guss: Ra's Al Ghuls authentischer Look, seine Darstellung als "Kreuzritter", Batmans Anzug, der sich als Militär bzw. Nanoanzug entpuppt, das Batmobil als Brückenfahrzeug des Militärs, der Baterang als Ninjastern. Bruce Wayne wird im Laufe der Handlung nicht als Übermensch stilisiert, sondern als "Vorbild für uns alle" deklariert. Eine Interpretation die dazuführen würde, das Wayne nur auf Grund des Todes seiner Eltern als bemitleidenswertes Individuum zu einem Batman aus Rache erwächst um seine persönliche Vendetta zu befriedigen, ist so fahrlässig wie falsch. Viel überzeugender ist folgende Interpretation: Im engeren kann man Bruce Wayne mit Teddy Roosevelt als historischer Figur verglichen werden , mit jemanden, der Aufgrund schlimmer Erlebnisse sein Leben besser viel gestalten möchte, es als Mensch viel besser machen möchte, da er auch einige Fehler begangen hat, z.B mit dem Vorsatz vorging sich an dem Peiniger seiner Familie zu rächen mittels einer Schusswaffe Bruce Wayne lässt sich im psychologischen Sinne im nachhinein als bessener charakterisieren, da er im Laufe der Handlung eine Wandlung vollzieht und zu diesem Zweck eine eigene Reise unternimmt, und verblüffenderweise trotzdem Gutes tut. Er hinterlässt dem Betrachter im nachhinein immer ein gutes Gefühl! Man wird nicht durch die schiere Willenskraft zum Helden, sondern durch den eigenen inneren Antrieb, der aber nicht auf Rache basiert, sondern auf Gerechtigkeit. Sein Vermögen und sein technisches Verständnis helfen ihm auch dabei, keine Frage. Im Prinzip ist dieser Ansatz aber garnicht soweit hergeholt, denn mit solchen Mitteln könnte jedes Individuum diese Ziele erreichen!
Zu den Performances der Schauspieler wurde schon genug gesagt, festzuhalten bleibt aber das Scare-Crow keineswegs zum Nebenläufer degradiert wird, sondern neben Ducard seinen festen Platz als Schurke bekommt im Verlaufe der Handlung, und das auch nicht sinn- und zweckentfremdet sondern dieser angemessen.

Fazit zum Film: die nahezu perfekte Reinkarnationen eines bis dato nicht erwachsenen Genres, ermöglicht durch die einfachsten subtilsten Mittel des Filmemachens:
Schnitte, Schauspieler, Regie-Führung (gekonnt), den Einzug des Realismus in das Batman Franchise, Emotionalität, Dramaturgie. Einzig und allein die Handlung hätte noch etwas origineller ausfallen müssen, aber nicht direkt am Anfang, sondern im Zusammenhang mit dem verwendeten Plot. Dies wurde aber im Nachfolger "The Dark Knight" mehr als bewerkstelligt! Nichtsdestotrotz gehört Batman Begins genau wie sein Nachfolger "The Dark Knight" zu den besten Filmen aller Zeiten! Es bleibt das Gefühl zurück, einen echt nicht üblen Film gesehen zu haben, der aber das Potenzial für noch mehr bieten kann!

Die besten Dialoge:

Falcone: "Also seit wann leitet ein Irrer ein Irrenhaus?"
Ducard: "Theatralik und Täuschung sind machtvolle Instrumente. Du musst mehr als nur ein Mensch im Kopf Deines Gegners sein."
Alfred: "Wozu die vielen Liegestütze, wenn Sie nicht mal einen verdammten Holzbalken stemmen können?"
Falcone: "Sehen Sie sich um, Kleiner. Dann sehen Sie zwei Stadträte, einen Gewerkschaftsfunktionär, Polizisten nach Dienstschluss und einen Richter. Ich würde keine Sekunde zögern, Ihnen vor all diesen Leuten den Schädel wegzupusten. Das ist Macht, die man nicht kaufen kann, das ist die Macht der Angst."
Gordon: "Ich bin kein Verräter. In einer so kaputten Stadt, wen könnte man da noch verpfeifen?"
Bruce: "Man muss die Leute durch dramatische Ereignisse aufrütteln, aber das kann ich als Bruce Wayne nicht tun. Als Mensch aus Fleisch und Blut werde ich ignoriert oder getötet. Aber als Symbol - als Symbol kann ich unbestechlich sein und unvergänglich."
Bruce: "Du bist nicht der Teufel - Du bist Training!"
Gordon wartet am 'Batspot':
Batman: "Sehr nett."
Gordon: "Ich hatte grad kein Mafiaboss zur Hand."
Fox: "Und wie finden Sie ihn?"
Bruce: "Gibt's den auch in schwarz?"
Bruce: "Zu teuer für die Army?"
Fox: "Die haben wahrscheinlich die Vermarktung für höhlenforschende, Basejumping-Milliadäre vernachlässigt."
Bruce: "Hören Sie, Mr. Fox..."
Fox: "Ja, Sir?"
Bruce: "Sollten Sie irgendwelche Bedenken..."
Fox: "Mr. Wayne, wenn Sie mir über das, was Sie tun nichts sagen, muss ich nicht lügen, wenn man mich fragt. Aber halten Sie mich nicht für einen Idioten."
Bruce: "Ich verstehe."
Bruce: "Das hier ist Wayne-Enterprices, Earl. Ich bin sicher, die rufen noch mal an."
Bruce: "Alfred, kommen Sie rauf hier!"
Alfred: "Ich sehe ausgezeichnet von hier unten, haben Sie vielen Dank, Sir!"
Bruce Wayne: "Können Sie noch mehr von dem Gegengift herstellen?"
Lucius Fox: "Wollen Sie sich denn nochmal vergiften lassen?"
Wayne: "Naja, Sie wissen ja, wie das ist: Man geht aus, trinkt etwas, jemand lässt waffenfähige Halluzigene rumgehen..."
Batman: "Ich werde Sie nicht töten. Aber ich muss Sie auch nicht retten!"
Alfred: "Warum Fledermäuse, Master Wayne?"
Bruce: "Weil sie mir Angst machen und meine Feinde sollen meine Angst teilen."
Alfred: "Warum fallen wir, Sir? Damit wir lernen können, uns wieder aufzurappeln!"
Bruce: "Du hast mich immer noch nicht aufgegeben!?"
Alfred: "Niemals!"
Alfred: "Sehr anmutig... Zumindest haben Sie Gesellschaft."
Alfred: "Ein Problem mit dem Graphit, Sir. Die nächsten 10.000 werden den Anforderungen standhalten."
Bruce: "Wenigstens haben sie uns Rabatt gegeben."
Alfred: "Richtig. In der Zwischenzeit würde ich vorschlagen, Sie versuchen es zu vermeiden, auf dem Kopf zu landen."

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