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Kritik von Michael Scharsig zu 'Super 8'

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Kritik von Michael Scharsig
veröffentlicht am 04.08.2011
70%
Ein Trailer ist ein aus einigen Filmszenen zusammengesetzter Clip zum Bewerben eines Kino- oder Fernsehfilms, eines Computerspiels oder einer anderen Veröffentlichung. Der Zweck eines Trailers ist es, dem Publikum einen Vorgeschmack auf das beworbene Produkt zu geben und natürlich Werbung für dieses zu machen.
J.J. Abrams und Steven Spielberg sind Namen, die großes Kino-Entertainment versprechen. Dementsprechend hoch war die Erwartung an ihr gemeinsames Projekt "Super 8", dass wie zuletzt auch "Cloverfield", durch geheimnisvolle Marketing-Kampagnen und rästelhafte Trailer auf sich aufmerksam machte. Umso trauriger ist es, wie grandios dieser Film an den Erwartungen scheitert.

Viele Zuschauer hatten schon im Vorfeld ein Problem damit, dass die Hauptcharaktere von Kindern gespielt werden. Einen Alien-Schocker mit Teenager-Helden zu drehen passt irgendwie einfach nicht. Dabei sollte aber gesagt werden, dass Elle Fanning, Joel Courtney, Zach Mills, Ryan Lee, Gabriel Basso und Riley Griffiths ihre Sache ordentlich machen und keinesfalls der Grund dafür sind, weshalb "Super 8" so sehr enttäuscht. Vor allem der Schauspielerin aus "Babel" und "Der seltsame Fall des Benjamin Button" ist die Professionalität anzumerken. Doch das ist irgendwie auch der springende Punkt - Kinder sollten Kinder spielen und keine furchtlosen Helden, die wie Ellen Ripley in die Höhle des Aliens kriechen, das Militär überlisten und anschließend über Liebe sprechen.

Doch Eins nach dem Anderen. Zu Beginn des Filmes läuft im Hintergrund der Song "I'm easy" von Faith No More. Zu Erinnernung: "Super 8" spielt im Jahre 1979. Der Song der amerikanischen Rockband wurde aber erst 1992 veröffentlicht. Dieser kleine, aber feine Fehler ist symptomatisch für die Machart des gesamten Filmes. Abrams und Spielberg haben die Liebe zum Detail verloren. Darunter leiden muss vor allem die Logik und der Realitätssinn. Natürlich steht dieser bei einem Alien-Film meistens hinten an, aber eins ist sicher - ein Güterzug in voller Fahrt lässt sich nicht von einem alten Pick-Up entgleisen, nur weil dieser sich auf die Gleise stellt. Und wieso braucht das "Wesen" mehrere Minuten, um Insassen eines kleinen Busses zu schnappen, obwohl es zuvor noch kein Problem mit Stahltüren eines U.S.Airforce-Zuges hatte?

Neben den Logik-Lücken nervt die familiäre Geschichte der Protagonisten. Ganz klassisch und uninspiriert leidet der Junge mit seinem Vater (dem Deputy, wie einfallsreich) unter dem Verlust der Mutter, den der trinkende Vater des Mädchens verschuldet hat, in das sich der Junge verliebt. Beide Väter sind verfeindet und um nicht zuviel zu verraten - die Zuschauer werden sich wundern wie schnell und leicht sich das ändert. Neben der einfallslosen Geschichte selbst, ist es vor allem schlimm, wie lässig sie zwischen die einzelnen Action-Szenen gesetzt wurde. Das kann gut und gerne als "Spannungs-Killer" bezeichnet werden. Die Art und Weise, wie hier versucht wird einen Alienfilm mit einem Familiendrama zu verbinden, ist eklatant amateurhaft. Nirgendwo geht "Super 8" in die Tiefe. Es wird nur angedeutet, wie die Mutter ums Leben kam, die Beziehung zwischen Sohn und Vater wird nicht ausreichend verinnerlicht und auch das Verhalten des schuldigen Vaters ist irgendwie undurchsichtig. Mag auch daran liegen, dass die Erwachsenen-Rollen von zweitklassigen Darstellern, wie Kyle Chandler ("Operation Kingdom", "King Kong") und Ron Eldard ("Sleepers", "Deep Impact", "Nicht Auflegen") besetzt wurden. Es sagt schon eine Menge aus, wenn die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren im Handkamera-Alien-Schocker "Cloverfield" oder selbst im neuen "Star Trek"-Streifen authentischer und glaubwürdiger rüberkommen, als in "Super 8".

Und dann dieser Kitsch. Ein Teenager klettert in die Höhle des Aliens, um nach der Rettung seiner Liebsten ersteinmal umarmt zu werden und Floskeln zu ergattern, anstatt die direkte Flucht zu ergreifen. Dann fängt ihn auch noch das Monster um festzustellen, dass nicht alle Menschen böse sind und lässt ihn leben. Das Maximum wird in der Schlußszene erreicht - hier bekommt das Amulett der verstorbenen Mutter eine magnetische Bedeutung - der Zuschauer darf sich überraschen lassen.

Tatsächlich gibt es aber auch positive Dinge über "Super 8" zu erzählen. Die erste Stunde gefällt durch tolle Effekte. Einer der stärksten Momente ist das Zugunglück. Ganz im Stile von "Colverfield" wird das Alien eine ganze Weile lang nur angedeutet, was dem Film eine gewisse Spannung schenkt. Dass Teenager Martin ständig weint und sich übergibt, ist genauso realistisch, wie dass sein jüngerer Freund Cary von Explosionen mehr angetan ist, als von Liebes-Gerede oder Militärgesprächen. Hin und wieder gefallen auch die witzigen Dialoge der Kinder. Ein großes Sympathie-Plus gibt es für den Abspann.

Fazit: J.J. Abrams und Steven Spielberg ist es nicht gelungen einen Alien-Schocker mit einem Familiendrama zu verbinden. Logikfehler, schlechte Nebendarsteller und eine viel zu kitischige und vorhersehbare Story machen "Super 8" zur bisher größten Enttäuschung des Jahres 2011.

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