Wie eine kleine Eichel unsere Kontinente ins Schwimmen brachte
Am Anfang war die Eichel, sonst nichts.
Kurz darauf kam das prähistorische Eichhörnchen, namens Scrat, welches wohl für jede epochale Katastrophe auf unserem Planeten seit seiner Entstehung verantwortlich war. Obwohl die aktuelle Urzeit-Komödie nur das Auseinanderdriften der Kontinentalplatten auf den Pelz des nervösen Nagers schreibt, werden wohl weitere Anekdoten in den kommenden Jahren folgen. Hinweise auf einen biologischen Eichel-Urknall oder Namensursprünge des französischen Nebenflusses der Saar würden nicht wundern.
Das vierte Abenteuer führt nicht nur Scrat auf unbekannte Gewässer, auch die uns liebgewonnene "Herde" stellt sich neuen, aber dennoch urzeitlichen Herausforderungen: Säbelzahntiger trifft auf heiße Tigerin, die Mammuts tragen den klassischen Vater-Tochter-Konflikt der Generationen aus und Faultier Sid macht Bekanntschaft mit einem noch weitaus unbeliebteren Artgenossen seiner Familie.
Bleibt die Frage, kann die vierte Eiszeit wieder einen neuen Gletscher voller Höhepunkte liefern oder werden vorhandene Gags wie die Kontinentalplatten einfach von A nach B weitergeschoben?
Nachdem Scrat die Erdgeschichte, dank seiner unermüdlichen Suche nach der perfekten Eichel richtig ins Rollen gebracht hat, setzten sich die Kontinente unserer Erde endlich in Bewegung. Darüber ist das gemütliche Herdenleben der Freunde Manni, Diego und Sid weniger begeistert. Mitten im Familientrubel um eine schwer erziehbare und pubertäre Mammut-Tochter sowie einer (ebenso) ausgestoßenen, abgeladenen Faultier-Großmutter bricht das Land durch eine Erdspalte in zwei große und einige weniger große Teile. Zu dumm, daß sich das bekannt ungleiche Trio auf einer kleinen Scholle befindet, die Gezeiten steuern geradewegs auf das offene Meer zu. Der leere Ozean ist aber alles andere als völlig leer, ein grausamer Piraten-Orang-Utan-Kapitän treibt mit seinem Eisberg und finsteren Schergen durch die Weiten, immer auf der Suche nach Beute.
Ein Zusammentreffen ist daher für die Geschichte unvermeidlich und schon bald müssen sich die Helden größere Sorgen machen als die bloße Heimkehr.
Die wohl erfolgreichste Trickfilm-Serie aller Zeiten überraschte vor zehn Jahren mit einem herzlichen Märchen über Freundschaft, Grenzen überschreitend, welches neben den unterschiedlichsten Tier-Arten selbst das gefährlichste Raubtier, den Mensch, als Teil einer echten Gemeinschaft aufnahm. Der moralische, ernsthafte Faktor dieser Parabel war so hoch, dass selbst erwachsene Zuschauer voll positiver Kritik waren. Davon ist nicht viel übrig geblieben. Der vierte Streich, dieses Mal von Mike Thurmeier und Steve Martino inszeniert, konzentriert sich fast nur noch auf den Spaß- und Klamauk-Faktor der Franchise-Reihe. Das kleine Drama um die Mammut-Tochter wirkt beinahe deplatziert, bieder ernst läuft sie Gefahr von der parallelen Handlung völlig überrollt zu werden. Auf das bisschen Moral hätte man gern verzichten können. Manni, Sid und Diego haben nun drei Teile die Zähne zusammengebissen, sind echte Freunde geworden und müssen nur noch eines: sie wieder und wieder unter Beweis stellen. Das fällt ihnen nicht schwer. Das dafür konstruierte Drehbuch liefert eine wirklich unterhaltsame und rasante Geschichte, vor allem im 3D-Look wird das Auge zu höchst beglückt. Den kleinen Obolus für die Brille gibt man an der Kinokasse gern aus.
Die bewährte Rezeptur bleibt die gleiche, das mag der eine als kreativlos auslegen, der andere freut sich über des Schusters Leisten. Ein echter Beleg sind mit Sicherheit die Kinder. Die extra eingeladenen Klein-Cineasten jubelten auf der vorangegangen Pressevorführung am laufenden Film-Meter, ein Indiz, alles richtig gemacht zu haben.