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Kritik von Fred Maurer zu 'Bronsteins Kinder'

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Partner von Entania
Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 10.01.2010
70%
Ein Remake ist eine Neuverfilmung eines bereits existierenden, meist mehrere Jahrzehnte älteren Films.
Eher langatmig und harmlos denn ein spannender Krimi

Eine Filmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer für die Königsbronner Realschulabschlussklasse R 10a (2010)

Die Pflichtlektüre der baden-württembergischen Realschulabschlussklassen, der bedeutende Gesellschaftsroman des großen DDR-Autors Jurek Becker, ist vor knapp zwei Jahrzehnten bundesdeutsch verfilmt worden. Dieser aufschlussreiche Umstand hat Vor- und Nachteile: Einerseits könnten die Schüler das Prüfungsthema auch bearbeiten, wenn sie den Film besser kennen als das Buch; andererseits lähmt dieser die schreibkreativitätsfördernde Fantasie.
Ob wir für eine ausreichende Zeit an den Film kommen, ist freilich noch nicht ganz sicher.
Ich selbst habe ihn damals ein einziges Mal in 'meinem' Heidelberger Kulturkino gesehen.

Die Handlung folgt dem Roman: Hans, der 18-jährige Sohn der deutsch-jüdischen Familie Bronstein, lebt mit seinem Vater Aaron in Ost-Berlin. Als er mit seiner Freundin Martha zum Sommerhaus seiner Eltern fährt, entdeckt er dort einen Gefangenen. Der Mann war KZ-Aufseher, während Aaron und seine Freunde als Häftlinge interniert waren. Als Hans ihn davon abhalten will, Selbstjustiz zu üben, gerät er in Konflikt mit seinem Vater. Die unterschiedlichen Lebenserfahrungen des sich nach Normalität sehnenden Hans und des Holocaust-Überlebenden Aaron lassen keine Einigung zu. Bei seiner Schwester Ellen, die von ihren Kriegserlebnissen traumatisiert ist und in einer psychiatrischen Klinik lebt, findet Hans keine Hilfe. Am Ende entschließt er sich, den Gefangenen zu befreien.
Ein Roman und eine Verfilmung um Schuld, Unfähigkeit zur Vergebung, Selbstjustiz - aber auch um einen Generationenkonflikt - da dürfen wir Nachgeborenen doch etwas erwarten, oder? Wieso sind wir dann enttäuscht?

Regie führte der 2007 verstorbene Pole Jerzy Kawalerowicz, der nach Jurek Beckers Originalroman auch das freilich dialoglastige Drehbuch schrieb. Die Musik Günther Fischers verdoppelt im mickey-mousing-Stil die Emotionalität der Handlung.
Die Darstellerriege jedoch ist brillant: Zwar war (und ist) Matthias Paul als Sohn Hans Bronstein weitgehend unbekannt (was auch hier eher ein Vorteil ist) - doch sind Armin Mueller-Stahl ("Buddenbrooks") als Opfer-Täter Aaron Bronstein, Angela Winkler ("Die verlorene Ehre der Katharina Blum") als verwirrte Tochter Ellen, Rolf Hoppe ("Mephisto") als gefangener Ex-KZ-Wärter, Karin Eickelbaum ("Tatort" in den 80ern) und Alexander May ("Die Frosch-Intrige") bedeutende Stars.

Die Filmkritik ist vorwiegend niederschmetternd.
Das Lexikon des internationalen Films moniert die "...allzu betulich inszenierte Parabel von Schuld, Sühne und Vergebung, in die sich auch noch Generationskonflikte mischen. Dadurch verschenkt der Film viel von einer möglichen aufrüttelnden Wirkung und fesselt nur streckenweise durch das gute Schauspieler-Ensemble."
Die taz spricht von "bebilderter Podiumsdiskussion"; die ZEIT nennt den Film einen "schwitzenden Lichtbildervortrag"; die 'Westfälische Rundschau' spricht von einem "braven Kammerspiel".
'Fischer Film-Almanach' hingegen kommt zu einer gegensätzlichen Sichtweise: "Vor allem die Darstellung Armin Mueller-Stahls, der dem Aaron kraftvoll und zerbrechlich zugleich Gestalt verleiht, bleibt im Gedächtnis haften. Ein lesenswertes Buch, ein sehenswerter Film..."
Ich sollte den Film nochmals sorgfältig anschauen, den ich bislang eher als langatmig und harmlos empfand denn als spannenden Krimi - dass er auf Pippi Langstrumpf-Niveau ab sechs Jahren freigegeben ist (was für den Roman undenkbar wäre), sagt schon fast alles.
Am besten ist bei der Wiederbegegnung meine hier zwar wohlwollende, doch filmästhetisch unbestechliche Königsbronner Abschlussklasse dabei (die schon einmal den Klasseunterschied zwischen den beiden Sophie Scholl-Filmen von 1982 bzw. 2004 nicht nur erkannte, sondern auch überzeugend herausarbeitete).

Große Romane werden zuweilen mehrmals verfilmt. Meist bleibt das Remake hinter dem 'Original' zurück. In diesem Fall könnte es umgekehrt laufen.
Die Frage ist nur, ob nicht nur die heutigen Schüler, sondern auch ihr alter Lehrer diese verbesserte Fassung noch erleben.

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