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Kritik von Fred Maurer zu 'Das Totenschiff'

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Partner von Entania
Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 10.01.2017
65%
Das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) ist eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, die seit April 1963 bundesweites Fernsehen ausstrahlt. Der Sitz des Senders ist in Mainz, neben dem Zweiten gehören dem ZDF unter anderem die Sender 3sat, Phoenix und arte (zumindest teilweise) an.
www.zdf.de

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'Unbefriedigende Kinoversion eines literarischen Welterfolges'

Eine Filmkritik von Fred Maurer

Für diesen deutsch-mexikanischen Spielfilm habe ich mich interessiert, weil das mir zuvor unbekannte zugrundeliegende Jugend- und Abenteuerbuch von B. Traven (ein Pseudonym) von 1926 in einem starken Existenzialchanson Reinhard Meys auf seiner aktuellen, auch für Filmfreunde empfehlenswerten CD ("Mr. Lee") erwähnt wird, die ich derzeit auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde.
Nun hatte ich spontan die Gelegenheit, diese alte Schwarzweiß-Verfilmung zu sehen.

Zum Inhalt (siehe 'Murnau-Stiftung'):
"Der amerikanische Seemann Philip Gale ist vom Pech verfolgt. Erst verpasst er sein Schiff; dann stellt er fest, dass ihm Geld und Ausweis gestohlen wurden. Schließlich wird er von der belgischen Polizei aufgegriffen. Da er sich nicht ausweisen kann, schiebt man ihn ins benachbarte Holland ab. Dort hofft er auf die Hilfe des amerikanischen Konsuls, doch der teilt ihm mit, dass die Beschaffung neuer Papiere sehr lange dauern kann, zumal Philip nicht einmal beweisen kann, dass er wirklich Amerikaner ist. Da Philip die endlose Prüfung seiner Identität nicht abwarten will, schmuggelt er sich über die Grenze nach Frankreich. Dort will er auf einem Schiff anheuern, das ihn zurück nach Amerika bringt. An Bord der 'Yorikke' findet er Arbeit, aber schon bald muss er erkennen, auf was für einem Seelenverkäufer und 'Totenschiff' er sich befindet. Hoch versichert, aber mit wertloser Fracht beladen, ist sie dazu bestimmt unterzugehen, damit der Reeder die Versicherungssumme kassieren kann. Es geht um Leben und Tod. Philip gibt nicht auf. Gemeinsam mit dem Heizer Lawski schmiedet er einen Plan..."

Wer kennt schon noch den Regisseur Georg Tressler und Schauspieler wie Helmut Schmid (Ehemann von Liselotte Pulver, "Der Mann im Strom" nach einem frühen Roman von Siegfried Lenz), Alf Marholm (immerhin der Verwaltungsdirektor in der "Schwarzwaldklinik"), Alfred Balthoff ("Der Kommissar")?
Das könnte aber ein Anlass sein, sich im Internet über sie zu informieren.
Bekannt sind allerdings zwei Hauptdarsteller und sollten es auch bei den jüngeren Filmfreunden bleiben: Horst Buchholz ("Die Halbstarken", "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" nach einem Romanfragment von Thomas Mann) und Mario Adorf ("Winnetou I", "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", "Via Mala", "Der große Bellheim" etc.).
Das Medienecho fiel freilich immer schon eher negativ aus.
Der "Spiegel" fand gleich 1959 "die Kinoversion des literarischen Welterfolges ... unbefriedigend. Die Schilderung des Leidenswegs eines Seemanns ohne Pass und Papiere, die im Roman zu fesseln vermag, ermangelt im Film der motorischen [äußeren] Handlung. Zwischen der umständlichen Introduktion und dem bedrückenden Schluss ergeben sich nur sehr wenige Spannungsmomente. Die mit ausgeprägt männlichen Physiognomien ausgestatteten Chargen ... Mario Adorf und Helmut Schmid ... agieren so eindrucksvoll, dass Hauptheld Horst Buchholz in dieser Gesellschaft wie ein Angestellter der Alsterschifffahrt wirkt."
Der 'CineGraph' urteilt noch 1985: "Anders als Traven (der angeblich die Premiere inkognito besuchte) setzte der Film weniger auf atmosphärische Dichte und philosophische Perspektiven als auf Tempo und Action. Diesmal stellt sich der Film eindeutig auf die Seite der Unangepassten, der Abenteurer. Wenn auch der ... Seemann ... ein tödliches Ende findet, so wird doch die Welt der 'Normalen', mit ihrer kleinbürgerlichen Enge, ihren moralischen Vorurteilen und ihrer Bürokratie als negative Gegenwelt geschildert... Die packende Schlusssequenz ist insofern ein Höhepunkt des deutschen Nachkriegsfilms, als hier eine intakte Studio-Technik präsentiert wurde, die später ihresgleichen suchen sollte. Dennoch bleiben Zweifel, ob Travens quasi existenzialistischer Roman in realistische Dekos wirklich übersetzbar war."
'Filme 1959/61' vergleichen "Travens ... hervorragend stilisierten Abenteuerroman mit gesellschaftskritischer Note" mit dem "Film, [der] trotz angestrengter Realistik und technischen Aufwandes bloß ein flotter Reißer" sei.

Mein Fazit: Ob ein Film uns enttäuscht, liegt natürlich auch an unserer Erwartungshaltung. Alte Filme entziehen sich schon der vergleichsweise noch nicht ausgereiften Technik her einem Vergleich mit heutigen Abenteuerfilmen.
Die darstellerischen Leistungen überzeugen und vielleicht wäre auch das 'klassische' Jugendbuch lesenswert; der Film hat mich jedoch gelangweilt.
Kein Vergleich z.B. zu "Pirates of the Caribbean" (deutsch 'Fluch der Karibik', ein Mehrteiler seit 2003) oder zu dem legendären ZDF-Vierteiler "Der Seewolf" von 1971.

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