Im Fernsehen gab es ja schon fast alles. Deshalb ist man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf die Idee gekommen, etwas zu zeigen, was es vorher noch nicht gab: einen ganz normalen Durchschnittsmenschen - und das rund um die Uhr! Hierzu braucht man nicht viel, nur ein paar Kamerateams und jemanden, der bei der Sache mitspielt, und am besten noch ein wenig unter dem geistigen Schnitt liegt.
Beim Fernsehsender "True-TV" in San Francisco hat Cynthia Topping (Ellen DeGeneres), eine aufstrebende junge Frau in diesem Geschäft, eine Idee: um einmal etwas ganz neues zu bringen, will sie das Leben eines jungen Mannes 24 Stunden am Tag zeigen. Für den Sender und alle Beteiligten ist die Ausführung dieser Idee nicht gerade ohne Risiko, denn wenn die Sendung ein Flop wird, hat das große Auswirkungen auf die Karrieren der beteiligten.
Trotzdem schafft sie es, ihre Kollegen und vor allem ihren Chef (Rob Reiner) die Sache schmackhaft zu machen. Fehlt nur noch der richtige Hauptdarsteller, aber einen solchen zu finden sollte nicht allzuschwer sein, denn das Interesse in der Öffentlichkeit ist groß. Nach einigen Tagen hat der Sender tatsächlich den Richtigen gefunden: sein Name ist Ed Pekurny (Matthew McConaughey, Die Jury), der sich eigentlich gar nicht bewerben wollte, sondern nur beim Vorsprechen seines Bruders Ray (Woody Harrelson, Natural Born Killers) mit ins Bild gerutscht ist.
Doch schon vor dem ersten Tag auf der Mattscheibe würde Ed gerne aussteigen: er befürchtet, es könne zu Streit in seiner Familie kommen, da sein Bruder Eds auftreten im Fernsehen als Werbung für sein geplantes Fitness-Studio ausnutzen will. Aber er läßt sich überreden, und die Weltöffentlichkeit kann gespannt sein, wie es ist, wenn jemand rund um die Uhr beobachtet wird.
Genau wie in wenigen Monaten in "Die Truman Show" wird auch in "Edtv" das Leben eines jungen Mannes 24 Stunden am Tag der Öffentlichkeit im Fernseher offenbart - und damit hat es sich auch schon mit den Gemeinsamkeiten dieser beiden Filme! Während Truman Burbank nichts von seiner Präsenz in den Medien weiß und eigentlich ein ganz normales (wenn auch konstruiertes) Leben führt, ist Ed Pekurny mit voller Absicht Hauptdarsteller "seines" Senders. Damit sind auch die Probleme, mit denen die beiden Figuren sich herumschlagen müssen, ganz andere: bei Truman sind sowohl Mitmenschen als auch problematische Situationen vom Drehbuch vorgeschrieben, bei Ed bestehen die Probleme zum großen Teil darin, daß er mit der Situation schwer zurecht kommt, und zu spät merkt, daß alles was er sagt und tut auch von den Menschen gehört und gesehen werden kann, vor denen er seine Worte und Taten gerne geheimgehalten hätte.
Sowohl Schauspieler als auch die Handlung wirken sehr glaubwürdig, und die Fernsehlobby bekommt ihren Teil ab, das einzige Manko ist, daß Ed es einfach überhaupt nicht schafft, für intime Gespräche ab und zu ein paar Minuten Freiraum ohne Kameras zu bekommen. Ansonsten ist "Edtv" auf jeden Fall das Eintrittsgeld wert, und die Rolle von Martin Landau, der Eds Stiefvater spielt, ist mit das, was mir in diesem Jahr in Sachen Komik am besten gefallen hat. Auch wenn es eigentlich nur eine Nebenrolle war, eine Oscarnominierung für diese Kategorie wäre ihm sicher, wäre ich Mitglied der Jury.