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Kritik von Nico Stephan zu 'Es - Wovor hast du Angst?'

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Kritik von Nico Stephan
veröffentlicht am 05.10.2017
75%
Wow! Ich bin ein großer Fan des Buches (um nicht zu sagen: "Es" ist für mich das absolut großartigste, emotionalste und spannendste Buch das jemals geschrieben wurde) und die Miniserie von 1990 finde ich ebenfalls gelungen.
Seit 2012 zum ersten Mal eine Neuverfilmung von "Es" angekündigt wurde habe ich sehr gespannt darauf gewartet da ich großes Potenzial darin sah und nun, fünf Jahre später, war es endlich so weit: Mit einer Wahninns-Erwartungshaltung ging ich gestern ins Kino. Was lässt sich zur neuen "Es"-Verfilmung sagen?
Erstmal muss ich sagen, dass der Film gänzlich anders war, als ich erwartet hätte, und dass ich den gestrigen Kinoabend erst einmal sacken lassen musste da ich von Anfang bis Ende wie elektrisiert im Sessel saß und jede Minute hoffte, dass die folgende Sequenz bombastisch werden wird. Danach war ich richtig erschöpft und konnte auch nicht so genau sagen, inwieweit ich zufrieden mit dem Ganzen war. Jetzt, einen Tag später, kann ich etwas klarer sehen und möchte nun eine Kritik zu "Es" schreiben.

Erst einmal das Positive: Ich finde den Cast der sieben Kinder unglaublich gelungen. Selten waren mir die Hauptrollen in einem Film auf Anhieb so sympathisch, besonders Sophia Lillis als Beverly Marsh, Finn Wolfhard als Richie Tozier und Jeremy Taylor als Ben Hanscom fand ich einfach nur entzückend! Aber auch Jack Grazer als Eddie Kasparak und Jaeden Lieberher als Bill Denbrough spielten mit Charme und überzeugend,
lediglich Chosen Jacobs als Mike Hanlon und Wyat Oleff als Stanley Uris sind eher blass geblieben (was aber nicht an ihrem schauspielerischen Talent sondern einfach daran lag, dass diesen beiden Figuren leider nicht oft zu sehen waren).
Die Kinder harmonieren sehr gut miteinander und wirken als Club der Verlier absolut authentisch. Obwohl mir die Darsteller in dem alten Film auch gut gefallen haben, ist dieser Cast meiner Meinung nach noch etwas stärker.
Ebenso hat mir, nach anfänglicher Skepsis, auch die Darstellung des Pennywise, verkörpert durch den Schauspieler Bill Skarsgard, gut gefallen. Es ist eine andere Darstellung als die, die 1990 Tim Curry abgeliefert hat. Dieser neue Pennywise ist weniger textlastig, weniger komödiantisch, er ist zwar gewaltig aber er drängt die eigentlichen Hauptfiguren - die Kinder - nicht in den Hintergrund. Was mir wirklich gut an diesem Pennywise gefallen hat, ist, dass er als "Person" nicht wirklich greifbar ist, dass er tatsächlich monströs und unmenschlich und wie etwas durch und durch
Tierisches wirkt und das hebt ihn aus meiner Sicht nicht nur auf eine andere Stufe als den Pennywise aus der Miniserie ( der ebenfalls gut ist, keine Frage), sondern er trifft auch eher das, was Stephen King in seinem Buch beschreibt: Nämlich das ultimative Böse.
Der Film hat seine wirklich schönen Momente, wenn die Kinder beim Schwimmen oder beim Herumblödeln zu sehen sind oder zum Beispiel die "apokalyptische Steinschlacht" hat mir auch gut gefallen. Flotte Sprüche von Richie sorgen dafür, dass es nie öde wird.
Ebenso gefällt mir auch, dass auf die Geschichte von Derry ein wenig mehr eingegangen wird als in der Serie von 1990, wenn auch nur oberflächlich.

Nun das Negative: Ich empfand das CGI im Film teilweise als billig. In einigen Szenen, wie zum Beispiel im Haus in der Neilbolt Street, war es passend und cool aber in anderen hingegen, besonders in der Projektor-Szene, eher störend weil es unfreiwillig komisch wirkte und von der tatsächlichen schauspielerischen Leistung von Skarsgard ablenkte. In den wenigen Momenten, in denen dieser Pennywise gänzlich ohne Computereffekte auskam, fand ich persönlich ihn am beeindruckendsten und ich hätte mir noch mehr davon gewünscht.
Was mir ebenfalls nicht gefallen hat, waren die Jump Scares, die man meiner Meinung nach aus dem Drehbuch hätte rauswerfen können um dafür der Handlung und Figurenentwicklung noch mehr Raum zu geben. Gruselig waren sie nämlich auch nicht und wirkten daher einfach störend.
Dem Film viel es außerdem recht schwer, ein eigenes Tempo zu finden. Besonders in der ersten Filmhälfte fand ich die Schnitte und den Wechsel von einer Figur zur anderen recht holprig und irgendwie wollte das ganze nicht so recht einheitlich wirken. Was sozusagen den "Rhythmus" angeht, war die Miniserie stärker aus meiner Sicht.
Leider hat mir auch die Figurenzeichnung nicht immer gefallen" während die Rollen der Kinder größtenteils recht sorgsam ausgearbeitet waren, verkamen sämtliche erwachsenen Nebenfiguren zu eindimensionalen Randcharakteren und erschienen dadurch alles in allem recht uninteressant. Zum Beispiel die Beziehung zwischen Eddie und seiner Mutter ist mir viel zu kurz gekommen und wenn man hieran mehr gearbeitet hätte statt einen ungruseligen Jump Scare nach dem anderen hinzulegen, hätte die Handlung bestimmt weitaus mehr Abgründigkeit und Horror erlangt.

Fazit: Was ist nun mein Urteil dazu? Leider schafft der Film es nicht, die Tiefgründigkeit und die sensible Figurenzeichnung des Buches einzufangen. Viele Charaktere, die im Buch beeindruckend waren, verkommen hier entweder zu Stereotypen, Randfiguren oder sie tauchen gar nicht erst auf. Auch die Figurenzeichnung der Kinder ist blass im Vergleich zum Buch aber wenn man mal recht überlegt ... ist es überhaupt möglich, ein über 1000 Seiten langes Buch zufriedenstellend in einen Film zu packen? Geht das überhaupt, mit zwei Stunden Laufzeit die selbe erzählerische Qualität wie dieser dicke Klopper zu erreichen? Ich glaube nicht, und wenn man mit dieser Einstellung an die Sache ran geht, dann hat der Film das Herz am rechten Fleck. Er schafft es, die magische Atmosphäre des Buches einzufangen. Er ist mal lustig, mal rührend, mal schaurig schön, und begeht zwar einige Fehler aber macht auch viele Sachen richtig. Wenn auch nicht wirklich gruselig, so ist der Film doch atmosphärisch dicht und macht irgendwie gute Laune. Man hat Spaß mit "Es".

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 Teil der Serie 'Es' 
 Es - Wovor hast du Angst? (2017)  
 It: Chapter Two (Drehbuchphase, 2019)  
 
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