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Kritik von Fred Maurer zu 'Skyfall'

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Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 13.01.2015
45%
Biopic ist der englische Begriff für eine Filmbiografie, die aus dem Leben einer Person erzählt, die tatsächlich lebt oder gelebt hat.
Eher 'geschüttelt' als 'gerührt'

Eine Filmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer auf die alten James Bond-Filme der 60er und 70er Jahre

Ian Lancaster Fleming ist nun gut ein halbes Jahrhundert tot. Ian wer?
Fleming war ein britischer Schriftsteller. Bekanntheit erlangte er vor allem mit der von ihm erdachten Roman- und bald darauf auch Filmfigur James Bond sowie seinem Kinderbuch "Chitty Chitty Bang Bang. Die Abenteuer eines Wunderautos", das verfilmt und später als Musical immerhin seine Vielseitigkeit belegt.

Zur Handlung (siehe Verleihtext): "In seinem 23. Abenteuer wird Bonds Loyalität auf eine harte Probe gestellt, als M von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Als der MI6 unter Beschuss gerät, muss 007 die Angreifer aufspüren und unschädlich machen, ohne Rücksicht auf den Preis, den er selber dafür zahlen muss."

Der Regisseur Samuel A. Mendes hat 2014 immerhin auch "King Lear" für die Theaterbühne inszeniert, eine hervorragende Tragödie von William Shakespeare. Er ist bestimmt ein professioneller Könner.
Auch liegt es an mir und spricht eher gegen mich, dass mir die Schauspieler außer Daniel Craig in der Titelrolle des James Bond ("007") und Ralph Fiennes nichts sagen (den ich freilich mit dessen jüngerem Bruder verwechselt habe, der in dem Biopic "Luther" von 2003 die Hauptrolle spielte).
Bei James Bond fallen mir nun einmal zu allererst Sean Connery ("James Bond - 007 jagt Dr. No", 1962) und Roger Moore ein ("James Bond 007 - Leben und sterben lassen", 1973), Gert Fröbe ("James Bond 007 - Goldfinger", 1964) und Klaus Maria Brandauer ("James Bond 007 - Sag niemals nie", 1983) - womit die Leser endgültig erkennen, dass hier ein Vorgestriger mit einem Faible für Stumm-, Schwarzweiß- und Nachkriegsfilme sich anmaßt über einen modernen Actionfilm zu schreiben und sogar zu urteilen.

Mein Fazit gegen den Mainstream, gegen den wir ab und an anschwimmen dürfen, ja sollten: Der Film brachte 1,2 Milliarden (!) US-Dollar ein, das Mehrfache seiner Produktionskosten.
Darüber hinaus wurde er u.a. mit zwei Oscars und einem Golden Globe ausgezeichnet. Die Kritiken überschlagen sich vor Lob, auch für Daniel Craig ("abgesehen vom frühen Connery ... keiner besser als er").
Was soll da mein freilich unvermeidlicher Verriss mehr bewirken als die Entrüstung aller jüngeren oder auch älteren James Band-Fans, die womöglich alle DVDs in einem extra Thriller-Regal aufgereiht haben?
Auch sollte ich hier zugeben, dass zum einen Sympathie wie Antipathie (auch) Geschmackssache sind und zum anderen der Film technisch perfekt ist.
Mir geht es freilich um andere Aspekte und Dimensionen: Die vordergründige Hochspannung heutiger Thriller widert mich an mit ihren viel zu zahlreichen Leichen, über welche die Drehbuchautoren, Regisseure, Produzenten mühe-, gedanken- und gnadenlos gehen.
Solche Szenarien schlagen zwangsläufig negativ auf unsere Psyche, lassen eiskalten Mord als Ultima Ratio erscheinen ('notwendig, gar nicht so übel'), predigen einen so gefährlichen wir zynischen Utilitarismus.
Kein Held ist unsterblich und unfehlbar: Solche fragwürdige Götzendarstellung und -anbetung ist für mich Blasphemie.
Die Lizenz zum Töten, mit welcher der überlebensgroße Superheld ausgestattet ist, könnte sich auf die Eigenwahrnehmung und das Selbstverständnis seiner Fans verhängnisvoll auswirken; erst vor ein Monaten hat ein US-Bürger einen Jugendlichen erschossen, der (als eine Art Mutprobe) in seine Garage eingedrungen war. Ein auch hierzulande denkbares Szenario?
Wer garantiert, dass sich die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nicht auch einmal verwischen?

Ganz allein stehe ich wohl nicht allein, habe meinen Standpunkt nicht exklusiv.
In der lesenswerten wissenschaftlichen Arbeit eines Literaturdidaktikers und Erziehungswissenschaftlers zu Kriminalroman und Kriminalfilm ist in Zusammenhang nicht nur mit den James Bond-Filmen der Neuzeit, sondern mit Friedrich Schillers 1960 verfilmtem Freiheitsdrama "Wilhelm Tell" zu lesen (in dem der Titelheld vom autoritären Landvogt Gessler gezwungen wird, mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf seines eigenen Sohnes zu schießen, was schließlich zum sittlich gerechtfertigten Tyrannenmord führt): "Das Apfelschussmotiv ist längst verkommen und pervertiert vollends in dem englisch-US-amerikanischen Thriller 'James Bond: Skyfall' von 2012. Da zwingt (etwa nach den ersten 50 Toten) der Cyberterrorist Raoul Silva den Agenten mit der (pädagogisch höchst fragwürdigen) Lizenz zum Töten und den offenbar unzähligen Leben unter Waffengewalt, zwar keinen Apfel, aber einen ... Cocktail vom Kopf der Doppelagentin Sévérine zu schießen; als dies misslingt, erschießt Silva sie auf eiskalte und schier unerträgliche Weise: 'Deine 'Räuber' sind längst Killer, / Wilhelm Tell greift zur MP...', heißt es bereits 1980 in Reinhard Meys Chanson 'Poor old Germany'..."

Aus filmästhetischer wie psychologischer, erst Recht aus pädagogischer Sicht entsteht wahre Spannung nicht, indem alle paar Minuten oder gar Sekunden ein Mord geschieht, ein Unfall oder eine Explosion - sondern durch dramatische Verwicklungen (z.B. in "Anna Karenina") und Konflikte (innere wie mit Gegenspielern wie z.B. in "Die zwölf Geschworenen").
Ich will nicht so weit gehen, mit erhobenem Zeigefinger und in dem Bewusstsein, es besser zu wissen, altklug von solchen brutalen Thrillern abzuraten; aber ich wende mich entschieden ab und nehme eventuelle Negativ-Reaktionen der Leser in Kauf.
Sozusagen bin ich angesichts dieses Films eher (von Abscheu) 'geschüttelt' als (wie bei zahlreichen überzeugenden Krimis, Western, Road Movies, keineswegs bei Liebesschnulzen à la Rosamunde Pilcher) 'gerührt'.

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