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Kritik von Benjamin Wimmer zu 'Skyfall'

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Kritik von Benjamin Wimmer
veröffentlicht am 02.11.2012
85%
Am Anfang: Auftritt Bond. Ganz unvermittelt, einfach so. Er betritt das Bild im Halbschatten und kommt näher, mit wachsamem Blick. Schnell stellt sich heraus, dass er auf der Jagd ist - nach dem Killer Patrice, der eine Liste mit sämtlichen in internationale Terrororganisationen eingeschleusten NATO-Agenten gestohlen hat. Von der Zentrale des MI6 aus hört M (Judi Dench) mit, und sie dirigiert mit robuster Art, nimmt Opfer aus eigenen Reihen hin, um den Weiterverkauf der brisanten Daten zu verhindern. Schließlich flieht der Söldner auf einen Zug, und Bond wagemutig hinterher.

Dann geht alles ganz schnell: Die ebenfalls vor Ort operierende Agentin Eve (Naomie Harris) erhält den Schussbefehl und trifft versehentlich Bond, der ohne Regung in die Tiefe stürzt und im Wasser immer tiefer sinkt. Das war es, das muss reichen als Einleitung, die den britischen Topspion ein letztes mal auch in Topform zeigt - danach trinkt er, nimmt Medikamente und versagt bei Eignungstests. In klaren, strukturierten, entschleunigten Schnitten fängt Regisseur Sam Mendes diese ersten und zugleich letzten Minuten ein, als deutlicher Gegenentwurf zur übertriebenen Rasanz des Vorgängers "Ein Quantum Trost".

Wenn aus einem solchen Krawallpotential ein beinahe unspektakuläres Stück Vorspann wird, wenn Motorradverfolgungsjagden und Zugdachprügeleien photographisch zurückgeschraubt werden - was natürlich nicht heißen soll, diesen Einstiegsminuten fehle es Tempo -, dann wird klar, dass der Fokus dieses 23. Films der Reihe nicht auf der actionästhetischen Neudefinition liegt, wie es bereits "Casino Royale" durchexerziert hat, sondern auf der Mentalität seines Protagonisten. Es geht in diesem "Skyfall" um Loyalität, Vertrauen und vor allem tief hinein in die Vergangenheit des James Bond.

Der MI6 explodiert: wieder so ein unmittelbarer Einstieg. Keine spannungsgeladene Hetzjagd, ob die Sprengung funktionieren wird oder nicht. Gerade, als M und ihr Kollege Tanner zurück ins Hauptquartier fahren wollen und staubedingt aussteigen, kracht es gewaltig im Hintergrund. Mitten hinein in das nasskalte London drängen sich Feuer und Rauch, für jedermann sichtbar und mit der deutlichen Meldung: Ihr seid nicht sicher. Dahinter steckt der Hacker Silva, der keinen großen Hehl aus seinem Motiv macht. Er sei einst von M verraten worden, will sich nun rächen und startet den großen Angriff.

Eine Attacke, keine Suche. Nicht der Agent wird auf tropische Inseln zu privaten Hochsicherheitsvillen geschickt, der Feind kommt direkt auf ihn zu. Selbstverständlich kann es sich ein Bondfilm nicht leisten, nur im grauen London zu verharren, schließlich stand das Franchise von jeher für wirklichkeitsentrückte Exotik, schickte seinen Helden immer wieder rund um den Globus, nur weg von der bekannten Langeweile der verregneten Heimat - deshalb muss der grandiose Daniel Craig erst mal nach Shanghai und Macao, um dort den Killer des Anfangs aufzuspüren und mehr über seinen Arbeitgeber herauszufinden.

Es ist wahrlich eine Reise in eine fremde Welt. Kamerakünstler Roger Deakins hüllt den Agenten im Geheimdienst Ihrer Majestät in eine wunderschöne Bilderflut, eine außergewöhnliche Farbenwelt. Im nächtlichen Shanghai schimmert ein wellenförmiges Blau, in Macao dominieren die Rottöne, und dazwischen ein Bond, der staunt. Als er sich dem gesuchten Patrice unbemerkt von hinten nähern kann, wartet er ab - ein kleiner Moment der Ehrfurcht. Der Kampf, der daraufhin erfolgt, spielt sich in der Dunkelheit ab, wer wer ist, ist teilweise schwer auszumachen, da hat sich die Dynamik der Ästhetik zu beugen.

Über eine verlassene Insel, die Silva als Schaltzentrale dient, und die Londoner U-Bahn, die zum Opfer eines Anschlags wird, steuert "Skyfall" ausführlich auf seinen Höhepunkt zu, den Mendes in den schottischen Highlands verortet. Dort soll Bond seine Kindheit verbracht haben, und hierhin bringt er seine Ersatzmutter, um sie vor dem Feind zu bewahren. Zusammen mit dem Aston Martin DB5 geht es zurück in die Vergangenheit, die als einziger Schutz vor dem nicht greifbaren neuen Bösen bietet. Eine radikale Abgrenzung von Zivilisation und Medien in Zeiten der Globalisierung.

Schöner und umwerfender als das, was dann folgt, kann es in der Reihe nicht mehr werden. Der letzte Showdown, er ist kein überlebensgroßer, dafür aber ein persönlicher, virtuos eingefangen und überragend dargestellt (Javier Bardem spielt wie erwartet jeden an die Wand). Als krönender Abschluss funktioniert er ebenso wie als kompakte Zusammenfassung: die Vereinigung von Klassik und Moderne, auf der Höhe der Zeit inszeniert und vom Geist der alten Filme inspiriert. Weitere Bonds dieser Art? Mit Vergnügen!

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