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Kritik von Jutta Hannecker zu 'Der Informant!'

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Kritik von Jutta Hannecker
veröffentlicht am 19.11.2009
80%
Lügen haben kurze Beine oder machen lange Nasen, das lernt man schon als Kind. Mark Whitacre (Matt Damon), Biochemiker und hochrangiger Abteilungsleiter bei Archer Daniels Midland (ADM) lässt sich davon nicht beeindrucken, er lügt, bis sich die Balken biegen. Hierzulande völlig unbekannt, schaffte der Spitzenmanager den Sprung auf die Titelseiten vieler amerikanischer Zeitungen, als herauskam, dass er für das FBI nicht nur als Informant gearbeitet hatte, um gegen seinen Arbeitgeber wegen illegaler Preisabsprachen auf dem Lysin-Markt vorzugehen. Obendrein führte er die Emittler des "Federal Bureau" noch hinters Licht, in dem er neben der Industriespionage haarsträubende Geschichten erfand, um hier und da ein Milliönchen für den privaten Gebrauch auf die Seite schaffen zu können. Nur zu dumm, dass durch seinen Nebenjob als Agent 0014 - so nennt er sich selber, weil er sich für doppelt so clever wie James Bond hält - sein Lügenkonstrukt immer absurdere Formen annimmt.
Wäre nicht Steven Soderbergh (Oscar-Gewinner) am Werk, dann wäre die Frage durchaus berechtigt, warum ausgerechnet das Leben eines pathologischen Lügners auf die Leinwand kommen muss. Und auch nur deshalb, weil sich der Kultregisseur dieser Geschichte angenommen hat, lohnt es sich, diesen Film im Kino anzuschauen. Grundlage dieser Groteske ist der von New-York-Times-Journalist Kurt Eichenwald geschriebene, penibel recherchierte Bestseller über Whitacre, angereichert mit Soderberghs Sinn für Humor (Drehbuch: Scott Z. Burns), einem Look, der zu den 90er Jahren passt, einem jazzigen Soundtrack und einem überragenden Matt Damon ("Bourne Identität").

Als Agent Jason Bourne noch durchtrainiert vom kleinen Zeh bis zum Scheitel, musste sich Matt Damon für die Rolle des Mark Whitacre locker zehn Kilogramm anfuttern. Angereichert wurde diese Wohlstandsfigur noch mit Fönfrisur, Schnauzbart und Brille (Modell "... und mein Papi hat nicht einen Pfennig dazu bezahlt"). Das wirkt hochgradig ironisch und man könnte diesen Look mit dem von Brad Pitt als idiotischem Fitnesstrainer in "Burn After Reading" vergleichen. Dieser Trend, sich als Schauspieler mal so richtig vom Klischee zu lösen, scheint auch Matt Damon sehr viel Vergnügen bereitet zu haben. Ob nun die Zuschauer diesen Spaß so unbedingt teilen, ist fraglich, auch wenn Matt Damon mit seiner Performance als heißer Oscar-Kandidat gehandelt wird. Die Figur des Mark Whitacre ist nämlich richtig nervig. Der Mann redet unfassbar viel und riskiert dabei Kopf und Kragen, er überschätzt sich, er verstrickt sich, er ist ungeschickt, sein Krawattengeschmack ist erbärmlich und er sorgt von der ersten bis zu letzten Minute des Films für Verwirrung. Zu den Unmengen an Dialogen gesellen sich dann auch noch zusätzliche Monologe, gesprochen von Mark aus dem Off. Um diese für den Zuschauer laut gedachten Gedanken wäre es aber schade gewesen, wenn man auf diese verzichtet hätte. Seine Philosophien über die Absurdität von Sushi ("Hatten die keinen Grill?"), über den Geschmack von Avocados oder über das Jagdverhalten von Eisbären sind nachhaltig komisch.
Sicherlich kommt dieser Film über Korruption, Turbokapitalismus und maßlose Gier zum rechten Zeitpunkt ins Kino, Steven Soderbergh mutet seinen Zuschauern aber sehr viel zu. Es ist wirklich schwer, dieser Geschichte zu folgen, in der übrigens einige bekannte Gesichter einen Kurzauftritt haben. Soderbergh bringt doch immer wieder seine Buddies in seinen Filmen unter. Da hätte man doch gern mal Mäuschen am Set gespielt, insbesondere wenn Executive Producer George Clooney auftaucht. Dass die Crew miteinander Spaß hatte, spürt der Zuschauer. Aber die Story ist wirklich nur etwas für hartgesottene Fans.

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