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Kritik von Elke König zu 'Die Kunst zu gewinnen - Moneyball'

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Kritik von Elke König
veröffentlicht am 03.09.2017
90%
Inhaltsangabe:

Das Baseball-Team der Oakland A's sind wieder mal Letzte geworden. Von den Playoffs sind sie meilenweit entfernt. Und dann werden ihnen auch noch die besten Spieler von finanzstarken Teams weggekauft. Manager Billy Beane (Brad Pitt) hat jedoch nur ein kleines Budget und kann der Fluktuation nur hilflos zuschauen. Seine Scouts, alles gesetzte ältere Herren mit viel Erfahrung, haben auch keine wirklich großen Ideen, wie sie das Team wieder schlagkräftig aufstellen können, ohne das Budget zu sprengen.

Bei Verhandlungen mit einem fremden Team lernt Billy Peter Brand (Jonah Hill) kennen. Peter ist Yale-Absolvent und hat eine Methode entwickelt, die Spieler in der Liga neu zu bewerten. Er bearbeitet die Statistiken zu einem gewissen Schlüssel und diese definieren dann die Spielfähigkeiten ganz anders als die Scouts. Damit ist es möglich, junge und günstige Spieler zu bekommen, die dennoch erfolgsversprechend sind.

Trainer Art Howe (Philip Seymour Hoffman) und die Scouts begegnen dem Neuzugang im Team mit Skepsis, hat dieser doch nie selbst Baseball gespielt. Aber Billy glaubt an diese Theorie und kauft entsprechend die Spieler ein. Doch bei Saisonstart zeichnen sich wieder Niederlage um Niederlage ab. Der Trainer weigert sich, die neuen Spieler aufzustellen und so sieht Billy sich gezwungen zu handeln: Er verkauft alle stets aufgestellten Spieler, so dass die Neu-Zugänge ihre Chance bekommen. Und tatsächlich, der Erfolg stellt sich ein und der Einzug in die Playoffs scheint nun möglich ...

Mein Fazit:

Der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Als Michael Lewis damals das Buch veröffentlicht hat, wollte Brad Pitt diesen Film unbedingt machen. Wie man bei Wikipedia nachlesen kann, gab es dann aber die eine oder andere Missstimmung, so dass die Story etwas abgewandelt wurde. Tatsächlich stimmt die Geschichte um Billy Beane aber im engeren Sinne, dass er bei den Oakland A's die Moneyball-Ära eingeleitet hat.

Billy Bean (toll gespielt von Brad Pitt) war selbst damals von Scouts entdeckt worden. Allerdings konnte er den Erwartungen nicht entsprechen. Daher hätte er im Nachhinein lieber das Stipendium von Stanford angenommen. Inzwischen als Manager angestellt, ist er dem letzten Verein, wo er gespielt hat, jedoch treu geblieben. Die immer wiederkehrenden Niederlagen frustrieren ihn allerdings so sehr, dass er versucht, neue Wege zu gehen. Er lernt den jungen Peter Brand kennen, der eine ganz neue Art der Spielerbewertung entwickelt hat, die auf Statistiken beruht. Entgegen aller Unkenrufe und Prophezeiungen seitens der Scouts und des Trainers setzt er das neue System um. Der Gegenwind ist heftig und der Erfolg lässt lange auf sich warten.

Zwischendurch entwickelt sich die Figur um Billy Bean weiter. Anfangs noch hat er den persönlichen Kontakt zu den Spielern gemieden. Man könne sie sonst schwer feuern. Doch er erkennt mit der Zeit, dass ein enger Kontakt und die Gespräche wichtig sind, damit die Spieler das umsetzen, was er denkt. Die Beziehung zum Trainer bleibt jedoch die ganze Zeit schwierig, denn er ist von dem neuen System nicht überzeugt. Außerdem fühlt er sich nicht zu 100% angenommen, da er immer nur Verträge mit kurzen Laufzeiten erhält. Peter Brand begleitet den Manger bei allen Aktivitäten, denn er ist sein Assistent und berät ihn über die Qualitäten der einzelnen Spieler.

Das private Leben des Managers bleibt auf der Strecke, was sich auch in den kurzen Abschnitten mit der Tochter zeigt. Seine Ehe ist gescheitert und seine Tochter Tara (Kathryn Morris) sieht er eher sporadisch. Obwohl sie sich Sorgen um seine berufliche Laufbahn macht (sie hat schließlich Zugang zum Internet), versucht er alles, um die gemeinsame Zeit unbeschwert und intensiv zu gestalten. Und immer wieder, wenn er einen Moment der Ruhe findet, lässt er seine eigene Karriere Revue passieren, welche Hoffnungen er hegte und wie sehr er selbst enttäuscht war, dass er es nicht zu dem schaffen konnte, was er selbst für sich gewünscht hatte. Er ist das beste Beispiel dafür, dass sie Scouts oft einer gewissen Fehleinschätzung unterliegen und meist nur nach Gefühl handeln.

Der Film ist eine interessante Milieu-Studie, die noch verständlicher wäre, wenn man die Regel des Baseballs kennt. Als Europäerin habe ich keine Ahnung von diesem Sport und die teils schnellen Transfer-Verhandlungen waren für mich wie böhmische Dörfer. Aber warum er das System der Spielerbewertung änderte und ein anderes Team aufstellte, das zudem noch wesentlich kostengünstiger war, habe ich sehr wohl verstanden. Und auch die Kritik an dem Ungleichgewicht in der Liga (finanzstarke würden die finanzschwachen regelrecht überrollen) kam bei mir an. Billy Bean hat mit seiner neuen Methode bewiesen, dass man damit Erfolg haben kann. Mit dieser neuen Methode gewannen schließlich die Boston Red Sox zwei Jahre später die World Series.

Und noch etwas kommt ganz deutlich hervor, welches ich selbst erst kürzlich am eigenen Leib erfahren habe: Veränderungen können vielen Menschen Angst machen. Die altbewährten Strukturen aufzubrechen - gegen jeden Widerstand - ist unheimlich schwer zu realisieren und man muss Durchhaltevermögen haben und Überzeugungskraft besitzen. Erst recht, wenn der Erfolg auf sich warten lässt. Aber es kann letztendlich eine Bereicherung für alle sein, wenn der Erfolg tatsächlich eintritt.,

Ein interessanter Film, der sehr viel Tiefgang besitzt. Doch wer den Sport nicht wirklich gut kennt, versteht leider nicht alles. Aber die überzeugende Darstellung der Figuren und die Hintergrundgeschichte machen vieles wett, daher gibt es von mir 90%.

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