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Kritik von Alexander Kiensch zu 'Kick-Ass'

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Kritik von Alexander Kiensch
veröffentlicht am 01.10.2017
80%
"Warum versucht eigentlich niemand, im echten Leben ein Superheld zu sein?" Diese Überlegung ist die Geburt von Kick-Ass: Der comicbegeisterte Schüler Dave (Aaron Johnson) bestellt sich kurzerhand ein Superheldenkostüm im Internet und geht nachts auf Verbrecherjagd. Dass er gleich bei einem seiner ersten Einsätze nur knapp mit dem Leben davon kommt, hält ihn nicht davon ab, weiterhin für das Gute einzutreten. Und tatsächlich tragen seine Bemühungen Früchte - nicht nur in Form anderer Superhelden, sondern auch im Kampf gegen den brutalsten Drogenbaron der Stadt.

Mit "Kick-Ass" hat Regisseur Matthew Vaughn einen ebenso bösen und sarkastischen wie klugen Beitrag zum Superhelden-Genre abgeliefert. Dass das Ganze als Satire auf die üblichen Helden-Streifen à la "Spider-Man" oder "Fantastic Four" angelegt ist, nimmt ihm keineswegs die inhaltliche Tiefe, die hier tatsächlich sogar glaubwürdiger daherkommt als in den meisten dieser eher ernst gemeinten Reihen: Der satirische Bruch mit dem Genre erfolgt im Grunde nur dadurch, dass der Film die bekannten Superhelden-Fiktionen auf den Boden der Realität zurückholt.

So verzichtet er weitestgehend auf Klischees wie übermenschliche Kräfte oder ein besonders tragisches Schicksal, das den Protagonisten zum einsamen Kämpfer gegen das Verbrechen werden lässt. Die Gründe für die Entstehung von Kick-Ass sind geradezu bestürzend profan: Ihm ist langweilig und er hat nichts, wofür es sich zu leben lohnt. Als sich das schließlich ändert und er eine erste große Liebe findet, soll es auch gleich wieder vorbei sein mit dem Superhelden-Abenteuer. Überhaupt teilt "Kick-Ass" einige bittere Seitenhiebe auf modernes urbanes Verhalten aus: Allgegenwärtig sind Ignoranz, Egoismus und Feigheit. Das reicht vom Wegsehen bei einem Überfall über Fahrerflucht bis hin zu Teenies, die bei einer ernsten Schlägerei zuallererst ihre Smartphones zücken und das Ganze filmen. Diese Verhaltensmuster stehen in so krassem Gegensatz zu den sonst im Genre eher gezeigten positiven Seiten der Menschen, dass allein dadurch ein gewisses Maß an sarkastischem Humor entsteht.

Als Höhepunkt dieses lustvollen Bruchs mit Genre-Konventionen dürften die Charaktere von Nicolas Cage und Chloë Grace Moretz gelten: Das Vater-Tochter-Gespann Big Daddy und Hit Girl gehört sicher zu den kontroversesten Figuren des modernen Helden-Universums. Cage brilliert als gebrochener Ehemann und Vater, der von seinem Rachewunsch kontrolliert wird und so die Grenze zwischen Superheld und grausamem Rächer schnell hinter sich lässt. Und Moretz, quasi das Opfer ihres Vaters, die zur ultrabrutalen Killermaschine trainiert wurde, ist eine echte Wucht - allein schon die Tatsache, dass hier ein so junges Kind dermaßen gewalttätige Action ausübt (und auch selbst allerhand einstecken muss), ist ein grandioser, stark umgesetzter Tabubruch.

Neben diesen starken inhaltlichen Aspekten überzeugt "Kick-Ass" aber auch als kreuzunterhaltsamer Reißer. In der zweiten Hälfte dominieren furiose Actionsequenzen, die dank des packenden Soundtracks zu höchst dramatischen Todestänzen werden. Visuell gelungen umgesetzt, mit starken Effekten und teils bitterbösem Humor, unterhält der Film auf mehreren Ebenen, zeigt emotionale Tiefe und deutliche Kritik an verrohten Zeiten und Menschen. Eine überaus fesselnde Antwort auf weichgespülte Superhelden-Vorstellungen, die eher als Realitätsflucht fungieren - ein starkes Stück!

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