Über den Film "Zeitgeist" von
Peter Joseph wurde viel diskutiert. Grundsätzlich stellt sich die (zu) einfache Frage, ob dessen Inhalte wahr sind oder nicht. Natürlich liegen dazwischen immer Welten. Ein kurzer Überblick ist dazu nötig:
Wann können wir überhaupt einer Information oder Nachricht trauen? Selbst wenn wir im besten Fall Zeuge vor Ort waren, kann der Eindruck täuschen.
Die Medien sind unser einziger Kanal in ferne Geschehnisse, daher manipuliert Fernsehen, Radio und Internet unser Denken und unsere Entscheidungen zwangsläufig. Um diese Berichterstattung zu verstehen, muss klar werden, dass sich auch diese finanzieren müssen. Alles objektiv und sachlich? Nur interessante Nachrichten lassen sich gut verkaufen, daher erfolgt schon bei der Auswahl die Manipulation. Kann etwas nicht parteilos und fundiert bewiesen werden, bedient man sich gerne rhetorischer Tricks, die uns etwas glauben oder vermuten lassen. In dieser grauen Zone wird gerne übertrieben, beleidigt, pauschalisiert und spekuliert, solange diese Art von Information in Mode ist. Der Film Zeitgeist schreckt vor keinem dieser Mittel zurück, um seine Botschaft der Wahrheit zu verkünden. Um den Zuschauer regelrecht zu schocken bedient er sich vieler psychologischer Kniffe. Gerade wenn man denkt, anders kann es fast nicht sein, so viele Zufälle auf einmal sind fast unmöglich oder diesen Leuten traue ich alles zu, ist man diesen Tricks schon verfallen.
Gehirnwäsche ?
Vielleicht trifft es dieser Ausdruck zu hart, zumindest beeinflusst Zeitgeist gewaltig in eine Richtung, er ist ein Flugblatt voller Verschwörungen, die uns eines klar beweisen sollen: Wir sind alle auf dem Holzweg. Alternative Lösungen bietet der Film nicht.
Inhaltlich will "Zeitgeist" drei großen Irrtümern auf die Pelle rücken, der christlichen Religion, dem Attentat vom 11. September und den "Männern hinter dem Vorhang".
Unsere große Weltreligion ist angeblich nur ein römisches Märchen, der Angriff auf das World Trade Center wurde durch die eigene Regierung geplant und durchgeführt und zwar jener amerikanischen Staatsmacht, die eigentlich seit Beginn der Unabhängigkeit genau das Gegenteil erreicht hat: Völlige Kontrolle durch die Banken.
Als Beweise sollen geschichtliche Fakten herhalten, Interviews und Meinungen diverser Personen, sowie die eigenen Schlussfolgerungen der Filmemacher.
Ob dieser Geschichtsunterricht stimmt oder nicht, kann erstmal keiner bestätigen, auch die Annahmen zitierter Gesprächspartner sind durch keine wissenschaftlichen Studien belegt.
Handwerklich auf Sparflamme produziert hätte man sich wohl einen besseren Sprecher suchen sollen, der Text wird mal monoton oder falsch betont gesprochen, in einigen Fällen versteht man die Satzendungen gar nicht. Das wirkt sehr unprofessionell und hilft nicht in seiner Absicht zu überzeugen.
Als reine Unterhaltung eignet sich der Film natürlich genauso wie der Inhalt diverser Klatsch Zeitschriften, die beispielsweise zwei Stars zufällig auf einem Foto zeigen und eine neue Romanze vermuten. Mit Vermutungen, vieler Fragezeichen kann man viel sagen, ohne etwas zu sagen.
Wer sich aber mit "Zeitgeist" weiterbilden möchte, sollte unbedingt selber recherchieren, und zwar jeden einzelnen Bericht für sich. Hier wird nicht bestimmt, ob dessen Inhalte richtig oder falsch sind, doch sicherlich wird man einige Informationen nie 100% bestätigen können, der beste Beweis für anekdotische Evidenz in diesem Film. Andere Recherchen können in einem anderen Kontext einen völlig neuen Sinn bekommen oder schlichtweg frei erfunden sein. Daher sollten eigene Nachforschungen objektiv verlaufen, die sture Suche nach einem Täter bringt genau das was man möchte:
Jeder weiß, wer lange genug nach einem Fehler sucht, der findet auch welche.
Allein zum Thema Christentum haben sich über Jahrhunderte eine Vielzahl von Historikern, Philosophen, Theologieprofessoren und Katholiken den Kopf zerbrochen. Gerade auf der Suche nach nichtchristlichen Autoren, jene die objektive Auskunft über die Person Jesus Christus geben könnten, wird heftig gestritten. In "Zeitgeist" werden beispielsweise berühmte Autoren angeführt, die eine historische Figur namens Jesus mit keiner Silbe erwähnen, dass die gleichen Autoren aber viele andere unbezweifelbar historisch bekannter Personen nicht erwähnen, bleibt unkommentiert.
Darüber hinaus sind sehr viele Berichte dieser nichtchristlichen Schreiber nur bruchstückhaft überliefert worden, was die Spekulationen und somit die Berechtigung von "Zeitgeist" nur weiter anfacht.
Daher ist der Veracht, dass "Zeitgeist" auf reine Provokation abzielt und auf korrekte, objektive Dokumentation geschichtlicher Begebenheiten verzichtet, sehr begründet.
Wie gehe ich also ernsthaft mit diesem Film um?
Was wird auf Grund tatsächlicher Untersuchungen unabhängiger Quellen wirklich bestätigt? Was wird alles rein spekuliert? Was ist im Film einfach ausgedacht oder nur teilweise falsch? Viele Szenen bedienen sich manipulierender Tricks, z.B. reinen Texteinblendungen, welche mehr Unwiderlegbarkeit suggerieren sollen. Dieser Beeinflussung muss man sich im Klaren sein, wenn man "Zeitgeist" sehen möchte.
An Boden verliert der Film letztendlich auch durch Emotionen, welche in einer seriösen Dokumentation nichts verloren haben. Zeilen wie "Bullshit" sind genauso fehl am Platz wie aggressive Schlussfolgerungen der Autoren, rein aus Spekulationen gewonnen. All das beeinflusst den Zuschauer rein einseitig.
Hat man "Zeitgeist" gesehen, sollte man einfach das einzig Positive aus dem Film ziehen, indem man nicht alles glaubt was man sieht oder hört.
Angefangen natürlich mit dem Film selbst.
Dabei sollte man bei allen Diskussionen eine wichtige Tatsache nie außer Acht lassen: Eine Dokumentation dient nicht nur der Unterhaltung.
Als Filmemacher trägt man eine große Verantwortung, gerade bei der Zusammenstellung von Dokumenten.
"Zeitgeist" mag im besten Fall zum Nachdenken anregen, doch wie viele gehen den Anregungen wirklich auf die Spur und wie viele lassen sich leichtgläubig in eine Richtung stoßen? Darf ich als Filmemacher dieses Risiko eingehen?
Es ist etwas völlig anderes, zu behaupten es gäbe "Aliens" oder den "Fluch der Pharaonen".
Ohne die akribisch fundierte Beweisführung kommt man dieser Verantwortung nicht nach und erschüttert möglicherweise viele Menschen haltlos in ihren Grundwerten, Glaubensrichtungen oder politischen Überzeugungen. Dieses Vorgehen ist äußerst fragwürdig. Natürlich ist die breite Masse ist für diese Art der "Sensationen" einerseits sehr sensibel aber auch oft unempfindlich und oberflächlich.
Nur die Vorstellung, ein einziger labiler Zuschauer würde reichen, auf die uns aufgetischten "Lügen" tatsächlich mit Konsequenzen zu reagieren, lässt Schlimmes ahnen.