Im neuen Batman-Film, dem Abschluss der Trilogie von Regisseur
Christopher Nolan, ist der Titel Programm: "The Dark Knight Rises", der dunkle Ritter erhebt sich - und das gleich mehrfach. Wobei die Anklänge des Wortes "rise" an "Auferstehung" durchaus gewollt sind: Im epischen Finale geht der Held (gewohnt souverän:
Christian Bale) nicht nur durch die Hölle und muss sich dem Tod in verschiedenerlei Form stellen, er entkommt dieser Hölle zumindest in einer Szene auch bärtig und in einem Gewand, das auffallend messianisch anmutet.
Grund für die Rückkehr des Rächers aus der selbst gewählten Frühverrentung nach acht fiktiven bzw. vier realen Jahren - der 2008 gedrehte Vorgänger "The Dark Knight" endete bekanntlich mit Batmans Rückzug aus dem öffentlichen Leben, nachdem er die Schuld für "Two-Face" Harvey Dents Morde auf sich genommen hatte - ist Bane (Tom Hardy), ein furchteinflößend muskelbepackter und erzböser Schurke, der optisch mit einer Maske daherkommt, die ihn wie eine Kreuzung aus dem ersten Alien-Opfer, Hannibal Lecter und Darth Vader aussehen lässt.
Dazu passt die reichlich übertriebene Horrorstimme, die ebenso nervt wie Batmans heiseres Grummeln. Aber ansonsten funktioniert die Figur, die als ebenbürtiger Gegner des mittlerweile etwas angerosteten Bruce Wayne/Batman angelegt ist. Anders als seine wahnsinnigen bzw. anarchistischen Vorgänger ist Bane ein logisch denkender, eloquenter und intelligenter Terrorist - und damit wären wir bei den politischen Bezügen dieses opulent inszenierten Action-Blockbusters.
In Zeiten komplexer Feindbilder jonglieren Christopher Nolan und seine Co-Autoren Jonathan Nolan und David S. Goyer nämlich geschickt mit einem bedrohlichen Mix aus Atomwaffen schwenkender, nahöstlich anmutender Selbstmord-Fanatik, Kapitalismus-Kritik und der Angst vor basisdemokratischem Terror - wobei auch die politisch korrekte, technologie-gläubige Ökobewegung ihr Fett abkriegt. Das ist zwar insofern ideologisch bedenklich, als es eine zutiefst reaktionäre Rechtfertigung der US-amerikanischen, antidemokratischen Tendenzen darstellt, aber unterhaltsam ist es trotzdem. Und mal ehrlich: War Batman jemals ein Demokrat? Zumindest wird einem in diesem Superhelden-Film, der seine Figuren bei allen Effekten halbwegs ernst nimmt, kein simples Schwarz-Weiß-Szenario aufgetischt.
Dafür geizt Nolan nicht mit epischen Bezügen. Gotham City, die in Geiselhaft genommene, isolierte Stadt, wird zum Gleichnis der aus dem Gleichgewicht geratenen, dem Untergang geweihten Welt - die Gesellschaft geht buchstäblich den Bach, sprich die Kanalisation runter. Damit das auch alle merken, wird es deutlich ausgesprochen: Man müsse die Leute evakuieren, sagt der idealistische junge Polizist, weil morgen die Bombe explodiert, die Gotham City (lies: New York) dem Erdboden gleich machen wird. "Sie wissen nicht, ob das passiert", sagt der Polizeichef, der sich in seinem bürgerlichen Haus verschanzt hat, während die Underdogs die Drecksarbeit machen - und klappt ihm die Tür vor der Nase zu.
Das hat schon was, ebenso wie die politisch-geschichtlichen Anspielungen auf den stalinistischen Terror und die Standgerichte der Französischen Revolution. Passend, dass am Ende ein berühmtes Zitat von Charles Dickens auftaucht: "It is a far, far better thing that I do, than I have ever done,, it is a far, far better rest that I go to, than I have ever known". Diese Worte lässt Dickens den tragischen Helden von Eine Geschichte zweier Städte sagen, des meistgedruckten englischen Romans aller Zeiten, bevor er sein Leben auf der Guillotine für diejenigen opfert, die er liebt.
Damit bei so viel epischer Tragik die Unterhaltung nicht zu kurz kommt, gibt es gewohnt viele Spezialeffekte, düstere Sets, beeindruckende Zweikämpfe und futuristische Bat-Gimmicks sowie reichlich attraktive Frauenpower, und zwar auf beiden Seiten des moralischen Spektrums. Anne Hathaway beeindruckt als Meisterdiebin Catwoman, die auf Zwölf-Zentimeter-Highheels aus dem dritten Stock springt, und Marion Cotillard gibt die reiche Philantropin Miranda Tate, die Bruce Wayne finanziell unter die Arme und auch anderweitig sonstwohin greift. Insgesamt ein gelungener, mit 164 Minuten Überlänge abendfüllender Filmspaß.