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Kritik von Julien Dopp zu 'Berlin Calling'

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Partner von Fantastic Zero
Kritik von Julien Dopp
veröffentlicht am 27.09.2008
100%
"Berlin Calling" ist nach "One Day in Europe" und "Berlin is in Germany" der dritte Kinofilm des Qualitätsregisseur Hannes Stöhr.

Diesmal geht es um einen DJ in der Berliner Midnight-Scene: DJ Ickarus (gespielt vom wirklichen Berliner DJ Paul Kalkbrenner, der hier sein Filmdebüt gibt), auch Icka genannt. Die Veröffentlichung seines neuen, brillanten Techno-Albums steht kurz bevor, er und seine Freundin und Managerin Mathilde (Rita Lengyel) haben einen riesigen Hype und Erfolg mit ihrer Musik im heutigen Berlin und sie kutschieren von einem Club Deutschlands zum nächsten.
Dann der tiefe Fall: Aufgrund eines erneuten äußerst heftigen Drogenrausches landet Ickarus in der Nervenklinik der Psychologin Dr. Petra Paul (grandios: Corinna Harfouch). Die scheinbar engagierte Ärztin überredet den DJ unter ihrer Aufsicht einen Klinikaufenthalt durchzuziehen, um den Rausch zu bekämpfen.
Doch Ickarus hält sich nicht an Dr. Pauls Bedingungen, in der Klinik zu bleiben und wird prompt rückfällig. Nun steht alles auf dem Spiel: Seine Liebe, sein Erfolg, seine Musik und sogar sein Leben.

Um es ganz deutlich auszudrücken: Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre! Hannes Stöhr gelingt es auf famose Weise, das heutige Berlin und die musikalische Kultur einer bestimmten Generation auf die Kinoleinwand zu bringen. Gekonnt umgeht er mit seinem Film die Klischees und (Vor)Urteile der Techno-Musik. Selbst Menschen, die Techno vorher nicht leiden konnten, werden nach diesem Film ein völlig anderes Bild von dieser Musikrichtung haben. Das mag auch an der unglaublich guten Sound und Klangqualität des Films liegen. Wohl aber auch an der superben Musik des realen DJs Paul Kalkbrenner, der auch die Musik zum Film komponierte. Um den Film so real wie möglich zu gestalten wollte Regisseur Hannes Stöhr einen echten DJ und mit Paul Kalkbrenner ist ihm ein Glücksfall sondergleichen gelungen. Obwohl keinerlei Ausbildung im Fach Schauspiel und obwohl ihm auch international anerkannte Schauspieler, zum Beispiel Corinna Harfouch ("Der Untergang") gegenüber saßen, spielt er einfach nur fantastisch, und man glaubt ihm alles, was er tut, sagt, denkt, fühlt. Ein Phänomen, von dem wir hoffen, dass wir noch mehr von ihm zu sehen bekommen.
Regisseur Hannes Stöhr musste sogar in Berliner Nachtclubs Eintritt bezahlen, um reale, echte Clubszenen für seinen Film zu machen. Die von der Kamera einfach nur sensationell ausgearbeiteten und auf die Leinwand geblitzten Clubszenen, sind also nicht gestellt, sondern praktisch live aufgenommen, was den Film noch authentischer macht. Der Film "Berlin Calling" ist eine fiktive Geschichte und wirkt doch wesentlich glaubhafter, wesentlich realistischer und wesentlich authentischer als zum Beispiel "Der Baader-Meinhof-Komplex", der absolut nicht glaubwürdig wirkte. Und das obwohl "Berlin Calling" nur eine fiktive Geschichte schildert. Das wiederum mag aber auch an den anderen großartigen Hauptdarstellern liegen. Rita Lengyel (Regie zu "Berlin Budapest") gelingt es auf wunderbare Weise, den Zwiespalt zwischen ihren Gefühlen zum DJ Ickarus und denen zur Ex-Freundin Corinna zu spielen. Diese wird dargestellt von einer glänzenden Araba Walton ("Simon"), die zwar bei weitem nicht so oft vorkommt, wie die bereits drei genannten, aber trotzdem ein gutes Bild abgibt, besonders in der Szene, in der sie Icka aus ihrer Wohnung schmeißt. Und dann ist da noch die wohl (inter)national bekannteste Schauspielerin des Films: Corinna Harfouch, die bereits Rollen wie Magda Goebbels oder Vera Brühne verkörperte, spielt in diesem Film die Psychologin von DJ Ickarus. Wie immer gelingt es ihr, ihrer Figur einen verständlichen und glaubhaften Charakter zu geben und auf den Zuschauer mit ihrer beeindruckenden Leistung zu wirken. Sie ist wohl in dem Film auch die älteste Schauspielerin und spielt dennoch wesentlich mehr und auch wesentlich kraftvoller als die auch sehr gute Araba Walton.
Insgesamt: Der Film ist ein grandioser Mix zwischen ernsthafter Dramatik und oftmals auch gekonnter Komik, die den Zuschauer einfach zum Lachen bringt. Der Film ist provokativ, regt zum Nachdenken und Diskutieren an, und hat wirklich zwei Filmebenen auf brutale, krasse Art miteinander verknüpft, nämlich Dramatik und Komik, auf wirklich perfide Weise wirkt das aber umso brillanter. Und die letzten beiden riesigen Boni des Films: Der wahnsinnig großartige Sound und das tolle Ensemble, allen voran Paul Kalkbrenner und Corinna Harfouch. 100 Prozent also für einen der besten deutschen Filme überhaupt! Bravo!

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