foyer - hier geht's zur startseite... die aktuellen kinocharts für Deutschland und USA aktuelle Meldungen aus der Kinowelt die aktuellen Kino-Starttermine fü Deutschland kinoprogramm unsere aktuellen kritiken heimkino - aktuelle DVD-Termine directory - Stöbere in unserer Datenbank background - Informationen rund um zelluloid.de
zelluloid

Kritik von Benjamin Falk zu 'The Big Lebowski'

WERBUNG
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 30.01.2011
80%
Joel und Ethan Coen sind zwei sehr gute Regisseure und was ich bisher von den beiden gesehen habe, hat mir wirklich gut gefallen. "The Big Lebowski" hat mich nun irgendwie schon seit längerem mal interessiert und so sah ich ihn mir mal an. Der Film war insgesamt sehr gut.

Es geht um Jeffrey Lebowski, der sich selbst nur den Dude nennt und auch so genannt werden will. Er ist arbeitslos und hat einen recht gemütlichen Lebensstil. Eines Tages brechen zwei Typen beim Dude ein. Sie wollen Geld von ihm und einer pisst auf seinen Teppich. Angeblich soll sich seine Frau bei der halben Stadt verschuldet haben. Allerdings haben sie ihn mit einem anderen Lebowski, einem reichen, verwechselt. Der Dude will das nicht auf sich sitzen lassen, besucht diesen anderen Lebowski und will Geld für einen neuen Teppich verlangen. Den bekommt er zwar auf einen etwas anderen Wege, aber er lernt auch Bunny, die junge Frau von Lebowski kennen. Ein paar Tage später meldet sich Lebowski beim Dude. Es ist etwas passiert. Bunny wurde entführt und der Dude soll die Geldübergabe übernehmen. Er macht es. Allerdings hätte er nicht seinen Kumpel Walter mitnehmen sollen. Der will nämlich plötzlich das Geld behalten und das ist erst der Anfang von einigen Wendungen und Verwirrungen.

"The Big Lebowski" ist eine Hommage an den Film noir der 40er Jahre. So ein Film ist geprägt von Pessimismus, düsterer Weltansicht und verbitterten, verrückten Charakteren. Dazu gibt es meist eine Krimihandlung und da dieser Stil seinen Ursprung zur Zeit des zweiten Weltkriegs hatte, spielt der Krieg meist auch eine Rolle. So gesehen ist den Coen Brüdern der Film sehr gut gelungen, denn unkonventionell ist er. Wir sehen völlig skurrile Charaktere, die alle auf irgendeine Art verbittert sind und Pessimismus lässt sich auch entdecken. Die Weltansicht ist komplett anders und auch der Krieg ist im Geschehen enthalten. Hier hat das Absurde den Vorrang. Der eigentliche Außenseiter der Dude wird für den Zuschauer schnell zu einem normalen Menschen, während alle anderen als verrückt dargestellt werden. Das hat mir gut gefallen und "The Big Lebowksi" ist hier auch wirklich kreativ. Es ist beachtlich was für skurrile Figuren die Coens entworfen haben. Der Dude selbst ist faul, hat keine Lust zu arbeiten, geht mit seinen Freunden bowlen, läuft fast immer in Bademantel, Bermudashorts und Schlappen durch die Gegend. Dazu gibt es einen Vollbart und fettige Haare. Jeff Bridges spielt diesen Dude wirklich herrlich. Eine tolle und sehr überzeugende Leistung. Es soll sich ja angeblich eine religiöse Vereingung gegründet haben, die den Lebensstil des Dudes verherrlicht. Nun wirkt der Dude zwischen den weiteren Charakteren schon bald völlig normal. Da wäre erstmal Dudes Kumpel Walter. Er bringt den Krieg mit ins Geschehen, weil er Veteran ist. Da das Geschehen zum Zeitpunkt des zweiten Golfkriegs spielt, passt das natürlich gut. Walter kämpft für seine Rechte und glaubt an die Kraft der Waffe. Wenn er beim Bowling jemanden mit einer Waffe bedroht, nur weil dieser nicht eingesteht, übergetreten zu sein, wird man früh Zeuge des Wahnsinns. John Goodman spielt diesen Walter ebenfalls sehr gelungen. Ich mag Goodman sowieso und hier darf er sich richtig austoben. Der dritte im Gespann Donny, auch sehr gut gespielt von Steve Buscemi, ist immer dazu verdonnert zu Schweigen. Weiterhin gibt es da eine verrückte Künstlerin, die Bilder mit ihrer Vagina malt (toll gespielt von Julianne Moore), den reichen Lebowksi, der im Rollstuhl sitzt und ein ganz mieses Spiel spielt (richtig schön fies gespielt von David Huddleston), sein Untergebener Brandt (Philip Seymour Hoffman mal in einer etwas anderen Rolle), ein völlig absurder Bowler namens Jesus (geil überdreht gespielt von John Turturro), Bunny, die Frau von Big Lebowski (Tara Reid, die eigentlich kaum zu sehen ist) und drei bekloppte deutsche Nihilisten (Peter Stormare, Flea, Torsten Voges). Das waren fast alle, aber auch die nicht erwähnten spielen gut.
Die Figurenzeichnung kann man eigentlich nur als gelungen bezeichnen. Allerdings sind die Charaktere nicht tief durchleuchtet, man erfährt auch nicht viel über sie, aber sie sind so schön überdreht und überzeichnet dargestellt, dass mir diese Charakterisierung auch sehr gut gefallen hat.

Die Inszenierung ist sehr gut. Die Coen Brüder sind einfach sehr gute Regisseure und von daher ist das auch nicht überraschend. Handwerklich kann man dem Film nichts vorwerfen, alles ist gut gefilmt. Dabei wird man auch gerne mal etwas verspielter. So gibt es zwei etwas längere Traumsequenzen zu sehen, welche schon ziemlich stark gemacht wurden. Auch die Bowling-Szenen sind schön gefilmt und machten mir Lust, selbst mal wieder bowlen zu gehen.
Die Atmosphäre ist insgesamt auch ziemlich gut. Ich persönlich hätte mir aber irgendwie etwas mehr Feel-Good-Laune gewünscht. "The Big Lebowksi" ist in erster Linie Komödie und funktioniert als diese auch recht gut. Trotzdem ist es nicht dauernd amüsant. Es gibt natürlich auch einen Thriller. Diese Thrillerhandlung ist ziemlich gut gelungen. Es ist schon interessant zu sehen, was hier vor sich geht und anfangs ist die Story auch noch nicht zu durchschauen. Dennoch muss man sagen, dass die Handlung eigentlich recht wenig Aufmerksamkeit bekommt. Es sind eher die einzelnen Szenen, welche Interesse bekommen und die Stärke der Coens liegt definitiv darin, eine Atmosphäre einzufangen. Neben dem Thriller gesellt sich auch noch eine Portion Drama zum Geschehen. Ich fand die Atmosphäre im Großen und Ganzen relativ gut, aber irgendwie hat mir da was gefehlt.

Der Unterhaltungswert ist nun meiner Ansicht nach das schwächste am Film. Das soll nicht heißen, dass er schlecht ist, aber er ist auch nicht so stark wie der Rest des Films. Die zwei Stunden wirkten auf mich ein wenig langatmig. Zwischendurch wird mir nämlich etwas zu wenig geboten. Die Dialoge sind zwar teilweise großartig, aber ein bisschen fehlte mir der Witz. Ich konnte nicht besonders oft lachen und das fand ich schade. Es gibt zwar witzige Szenen und schön skurrile Einfälle, aber der Humor war nicht immer so meiner. Spannung kommt so gut wie keine auf und auch Action gibt es nur sehr wenig. Zwischendurch war mir da ein wenig langweilig, denn sobald man die Story durchstiegen hat, lebt "The Big Lebowksi" allein vom Witz und da mir da etwas zu wenig geboten wurde, gab es schon ein paar Längen.
Brutal ist der Film nicht und es wird nicht viel Blut vergossen, das braucht das Werk allerdings auch nicht. Die wenigen Effekte sind gut gelungen.
Der Score ist sehr gut und der Soundtrack hat mir ebenfalls bestens gefallen.

Fazit: "The Big Lebowski" wird Film noir Freunden garantiert sehr gut gefallen. Ich kenne mich in diesem Genre nicht gerade gut aus und kann den Film deshalb vielleicht auch als Hommage nicht so ganz wahrnehmen. Fakt ist aber, dass es hier großartige Darsteller zu sehen gibt, der Film jede Menge skurrile Figuren bietet, die Inszenierung sehr gelungen ist und das manche Sachen schon sehr lustig sind. Also ist "The Big Lebowski" im Endeffekt ein sehr gelungener Film, der mir überwiegend viel Spaß gemacht hat!

War diese Kritik hilfreich?
6 von 12 Besuchern fanden diese Kritik hilfreich.
 
zelluloid - Navigationselement
WERBUNG
Kurz-Link zu dieser Seite: http://zel.lu/k5VG
foyer | charts | filmnews | kinostarts | kinoprogramm
kritiken | heimkino | directory | background
 
zelluloid.de • ©1998-2017 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann
 
SitemapImpressuminfo@zelluloid.de
Hinweise zum DatenschutzNutzungsbedingungen