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Kritik von Benjamin Falk zu 'Eraserhead'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 17.05.2017
85%
Ich habe diesen Klassiker von David Lynch noch nie gesehen und es war höchste Zeit, dies mal nachzuholen. "Eraserhead" legte den Grundbaustein der Karriere für Lynch und enthält schon so gut wie alle seine Markenzeichen. Kein einfacher Film, aber es lohnt sich, sich damit auseinander zu setzen, denn ein echt interessantes Werk ist Lynch hier durchaus gelungen.

Henry und Ex-Freundin Mary haben plötzlich ein gemeinsames Kind. Dieses sieht zwar recht merkwürdig aus, aber trotzdem sind die Beiden nun wieder ein Paar und kümmern sich um ihr Baby. Doch damit beginnen Probleme. Erst will Mary nichts mehr von Henry und dem Kind wissen, weil es sie zu sehr belastet, dann wird das Baby auch noch krank. Henry weiß nicht, wie im geschieht und seine Welt beginnt verwirrender zu werden.
David Lynch übernahm in seinem Spielfilmdebüt nahezu alle Sachen selbst, schrieb also natürlich auch das Drehbuch alleine. Er erdachte diesen Film und vieles entspringt seinen Gedanken, was man der Handlung stark anmerkt. Das ist keine typische Story im eigentlichen Sinne, sondern eine Ansammlung verrückter Ideen, die dennoch einen Sinn ergeben können. Man ist es von Lynch ja gewohnt, dass man interpretieren muss und anders verhält es sich auch bei "Eraserhead" nicht, wobei man nicht den Eindruck gewinnt, dass dies sein einziges Ziel war. Mir hat das Drehbuch jedenfalls gut gefallen, soweit man das behaupten kann. Worauf es allerdings viel mehr ankommt, ist die Umsetzung.

Und darin war Lynch schon 1977 so richtig gut. Alleine die Entstehungsgeschichte von "Eraserhead" ist enorm interessant, denn das Projekt dauerte lange, lange Zeit, bis es mal fertig wurde. Es begann als Studienprojekt mit 10.000 Dollar Budget und als Kurzfilm geplant. Doch Lynch hatte andere Vorstellungen und es wird ihm mit Sicherheit viele Kopfschmerzen bereitet haben, seinen "Eraserhead" fertig zu stellen. Das Resultat hat sich jedoch echt gelohnt. Obwohl ich sonst kein Fan von Schwarzweissfilmen bin, hat es hier wirklich sehr gut gepasst. Daneben bekommt man reichlich Szenen zu sehen, die einfach typisch für Lynch sind. Obwohl hinter dem Werk nicht das große Geld steckt, sieht das sehr überzeugend und toll aus. Aus handwerklicher Sicht eine kleine Meisterleistung.
Davon profitiert auch die Atmosphäre, welche im perfekten Zusammenspiel mit der Inszenierung harmoniert. "Eraserhead" lässt sich kaum in ein bestimmtes Genre stecken. Man könnte es als Horror, als Fantasy, als Science-Fiction, als Drama oder aber auch als skurrile Komödie bezeichnen. Alles wäre richtig und dennoch passt das eigentlich nicht. Dieser Film steht für sich selbst, er folgt seinen eigenen Regeln und seiner eigenen Logik. Daraus entsteht eine sehr interessante Stimmung. "Eraserhead" ist trist, was bestens ergänzt wird durch die Schwarzweiss-Bilder, er macht einen trostlosen Eindruck, ist teilweise sogar irgendwie ekelig und hat es dennoch geschafft gewisse Emotionen in mir aufkommen zu lassen. Wirklich sehr eindrucksvoll. Der Surrealismus spielt hier natürlich eine ganz große Rolle, denn viel surrealer kann ein Film gar nicht sein. Das wurde so toll bebildert, dass die Atmosphäre einen einfach in ihren Bann zieht.

Jack Nance spielt die einzige Hauptrolle und er schaut die ganze Zeit so herrlich verwirrt, wie der Zuschauer bei der Sichtung von "Eraserhead" wohl selbst schauen muss. Eine ordentliche Leistung, die gut zu dem Werk passt. Alle anderen sind nur selten zu sehen und spielen dabei keine große Rolle.
Die Figurenzeichnung zu bewerten, gestaltet sich als schwierig, denn hier muss man ebenfalls Interpretationen zulassen. An sich erfahren wir über diese kuriosen Charaktere eigentlich gar nichts und dennoch eine ganze Menge, wenn man es denn zulassen kann. Auf jeden Fall empfand ich es als ziemlich interessant.

Einen Unterhaltungswert bei Filmen wie "Eraserhead" zu bewerten, finde ich nie so leicht, weil er eben nicht so sein kann, wie man es erwartet, wenn man sich einen normalen Film ansieht. "Eraserhead" ist anstrengend, weil er so verwirrend ist, er ist etwas langatmig, weil er keine echte Aufteilung in Anfang, Hauptteil und Schluss besitzt. Dialoge gibt es auch nicht viele zu hören, weshalb es gar nicht so tragisch ist, dass es den Film nicht in deutscher Sprache gibt. Eines kann man dem Werk allerdings nie vorwerfen: Dass er langweilig sei. Mit diesen kuriosen Szenen konnte er mich doch sehr gut unterhalten und ich mochte es, wie mich die seltsamen Momente immer wieder erneut erstaunt haben. Kein Wunder, dass das Werk so oft zitiert wurde und mittlerweile als wichtiges Filmgut gehandelt wird. Das kurze Ende schießt den Vogel dann noch endgültig ab und ist so richtig schön verrückt. Die Laufzeit ist mit knapp 90 Minuten sowieso nicht zu lang und deshalb wurde ich trotz der unkonventionellen Erzählart niemals gelangweilt.
Es gibt auch noch ein paar Effekte zu sehen. Das Baby sieht ja mal phänomenal gut aus und es hat mich echt überrascht, dass man dies 1977 mit so wenig Geld schon so gut hinbekommen konnte. Brutal wird es kaum, aber die Freigabe ab 16 Jahren ist berechtigt.
Einen typischen Score gibt es kaum zu hören, dafür echt sehr gelungene Sounds. Ständig ist da irgendein Rauschen, Plätschern oder sonst was im Hintergrund zu vernehmen, was die Atmosphäre ebenfalls verstärkt.

Fazit: "Eraserhead" ist sicherlich ein kleiner Meilenstein des surrealen Kinos. Ein vollkommen verrückter, seltsamer und kurioser Trip, den man kaum in Worte fassen kann. David Lynch hat hier gleich mit seinem ersten Langfilm bewiesen, dass er ein echter Künstler ist. Die Inszenierung ist toll und die surrealen Bilder brennen sich ins Gedächtnis. Dass die Story dabei schwer zu greifen ist, dürfte selbstverständlich sein und Willen zur Interpretation sollte da beim Zuschauer schon vorhanden sein. Ansonsten kann man diesen Rausch einfach nur genießen, denn die Atmosphäre alleine zieht einen in ihren Bann. Das ist teilweise schräg-komisch, dann wieder albtraumhaft, abstoßend, emotional und einfach nur völlig verrückt. Einen normalen Unterhaltungswert bringt der Film nicht mit sich, er langweilt jedoch auch niemals. Es ist nichts, was ich mir jeden Tag ansehen würde, aber alleine für das abgefahrene Ende rücke ich noch fünf Prozente extra heraus. Außerdem sind die Effekte schon bemerkenswert gut geworden und der Sound sorgt für reichlich Terror. Ein Klassiker, den man als Fan des surrealen durchaus gesehen haben sollte!

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