Ein Remake ist eine Neuverfilmung eines bereits existierenden, meist mehrere Jahrzehnte älteren Films.
Von den Schwierigkeiten Krebse zu essen
Eine Filmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer zu Ehren der großen Käthe Gold
Einer meiner liebsten Derrick-Folgen heißt (frei nach einem Aphorismus von Goethe) "Eine Reihe von schönen Tagen": Ein Rentnerehepaar, gespielt von Käthe Gold und (dem 2008 hochbetagt verstorbenen) Hans Caninenberg, bekommt Schweigegeld, um einen Mörder zu decken...
Damals ahnte ich nicht, dass die sehenswerte Derrick-Folge ein Remake dieser 14 Jahre älteren, doch gleichfalls reizvollen und lehreichen Kommissar-Folge ist. Wir Fans beider Serien (ich gehe fest davon aus, dass es diese Schnittmenge gibt und dass sie gar nicht so klein ist, wie ihre Gegner uns glauben machen wollen) haben Verständnis dafür, dass der gemeinsame Autor Herbert Reinecker, 1988 bereits 73 Jahre alt, gelegentlich mit seinen Kräften haushielt, ökonomisch arbeitete - vielleicht sogar aus Versehen.
Die Handlung (siehe die vollständige, lesenswerte Infoseite des 'Freundeskreises Der Kommissar'): "Die Putzfrau Anna Bergmann lebt zur Untermieter bei der Kellnerin Alma Geibel, die regelmäßig Herrenbesuch mitbringt. Dieser endet eines Abends tödlich: doch Anna Bergmann kann den Täter sehen - sie schweigt jedoch gegenüber der Polizei. Keller ist klar, dass die Frau Schweigegeld erhält, als sie sich einem Leben in Saus und Braus hingibt..."
Regie führte Ullrich Haupt, der auch in ein paar Derrick-Folgen mitwirkte. 1992 sahen wir ihn in "Nachts in einem fremden Haus" - da war er bereits tot...
Exzellent (erst recht für ein Fernsehspiel in Schwarzweiß) ist die Darstellerriege: Außer dem Team um Kommissar Keller (Erik Ode; Günther Schramm, Reinhard Glemnitz , Fritz Wepper) und Käthe Gold als tragischer Antiheldin Anna Bergmann sehen wir Kurt Meisel, Dieter Schidor (auch er ist bereits verstorben), Otto Bolesch ("Das fliegende Klassenzimmer"), erneut Sky Dumont, Volksschauspieler Maxl Graf...
Was können wir (wie in vielen weiteren ähnlichen Folgen beider kongenialer Serien) lernen: dass wir mit dem zufällig plötzlichen 'Leben in Saus und Braus' nicht zurechtkommen (das fängt schon - eine aus Frau Bergmanns Sicht unfreiwillig komische Szene - bei den Krebsen an, deren Tranchieren eine Kunst ist, die unsereiner nicht beherrscht); dass Geld unser schlechtes Gewissen nicht aufwiegt; dass sich im Idealfall die Wahrheit eben doch durchsetzt - und die Gerechtigkeit siegt?
Wenn's nur im wahren Leben auch so kompensatorisch-harmonisch-gerecht zuginge...