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Kritik von Fred Maurer zu 'Hauptsache Ferien'

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Partner von Entania
Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 13.02.2011
65%
Fast jedes Leben bleibt unvollendet

Eine Filmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer zu Ehren des unvergessenen Tausendsassas und früheren Idols Peter Alexander

"Er war ein Star, gegen den sich in jenen Wirtschaftswunder- und Krisenjahren fast alle anderen zu seiner Zeit wie Schnuppen ausnahmen."
(Quelle: Spiegel Online)

Peter Alexander ist tot.
Wir hatten nach den schweren Schicksalsschlägen der letzten Jahre damit gerechnet.
Der Tod des österreichischen Weltstars und größten Entertainers meiner Jugend kommt (nach dem Tod seiner Frau 2003 und dem tödlichen Unfall seiner Tochter vor etwa zwei Jahren) also nicht überraschend, trifft mich und seine ihrerseits in die Jahre gekommenen Fans aber doch.

Die großen Verdienste um den Schlager und die Unterhaltungsshow, die (auch und gerade bundesdeutsche!) Fernseh- und Kinounterhaltung sind überall nachzulesen. Ich darf ein paar persönliche Erlebnisse und Anekdoten beisteuern, welche die Bedeutung des Jahrhundertkünstlers für unseren eigenen Werdegang belegen.
Unnachahmlich empfinde ich es heute noch, wie einfühlsam, authentisch und zugleich bescheiden (gegenüber dem Originalinterpreten und dem Werk) Peter Alexander internationale Hits in deutscher Sprache interpretierte. 1986 setzte er anlässlich seines 60. Geburtstag diesen Welterfolgen ein von mir noch recht häufig angehörtes Schallplatten-Denkmal (das jetzt endlich aus traurigem Anlass auf CD herauskommen sollte): "Lebenslieder".
Damals war ich 30 Jahre alt und hatte mich als einerseits musizierender, andererseits schreibender Lehrer von dieser Welt der leichten Unterhaltung etwas zurückgezogen.
Als ich mich abends mit meinem einstigen Deutschprofessor in einer Heidelberger Kneipe traf (die heute zum Nobel-Bistro degeneriert ist), zeigte ich ihm stolz die beiden soeben erstandenen Schallplatten: außer den "Lebenslieder" (einschließlich 'Hallo' von Lionel Richie) die Enigma-Variationen von Edward Elgar (wobei ich von dem hochgebildeten Humanisten die Bedeutung von 'Enigma' erfuhr: Rätsel, wie auch unser Leben letztlich eines ist).
Doch bereits 18 Jahre zuvor, 1968, liefen mein heute ferner Mannheimer Akkordeon- und Schulfreund Peter und ich mehrere Musikgeschäfte ab, um die Noten von "Delilah" möglichst preiswert zu ergattern. Ein begnadeter Musikalienhändler quatschte uns gleich noch ein paar weitere 'Hits' in einem Sammelband auf; doch nur den Song von ursprünglich Tom Jones kann ich heute noch auswendig, ebenso wir "Die kleine Kneipe", "Hier ist ein Mensch".
Diese 'kleine Kneipe' reklamieren ja viele deutschsprachigen Lokale für sich - so auch ein urgemütliches Restaurant in der Universitätsstadt Marburg, das ich in den 80ern mit meinem damaligen (heute noch ferneren) Tennis- und Schachfreund Michael auf dessen Empfehlung mehrmals während einiger Urlaube besuchte. 1988 war ein überraschendes von mehreren Indizien für das Ende dieser Freundschaft, dass dem auch beruflich erfolgsverwöhnten, anspruchsvoller gewordenen Freund das einfache, aber köstliche Schnitzel plötzlich nicht mehr schmeckte und er mir dies mitteilen zu müssen glaubte. Tage später saßen wir letztmals in einer Bahnhofskneipe, auf ein allerletztes Bier...
An einige Peter Alexander-Shows der 70er und 80er Jahre erinnere ich mich heute noch - teils (mangels Farbfernsehgerät) noch in Schwarzweiß, teils in Farbe.

Bald war mir klar, dass ich wenigstens über einen seiner Filme schreiben sollte (auch wenn ich seit Jahren keinen mehr vollständig angeschaut habe und Klamaukfilme, Klamotten sonst nicht auf meiner 'Agenda' stehen): "Charleys Tante" gibt es besser mit Heinz Rühmann (aber auch dann nicht gut genug, um den Sonntagvormittag dafür zu opfern); "Das weiße Rössl" ist eigentlich eine Operette, die auch nicht in unsere Zeit passt.
Also habe ich zunächst recherchiert: Welcher Film erfüllt etwas höhere, womöglich künstlerische Ansprüche und ehrt somit den Verstorbenen (und nicht nur umgekehrt)?

'Hauptsache Ferien' ist eine fast 40 Jahre alte bundesdeutsche Filmkomödie mit Christiane Hörbiger und Peter Alexander in den Hauptrollen, die sich bedingt auch zu diesem Nachruf auf eine Fernseh- und Schlagergröße eignet.
Nur mühsam und für eine damals sagenhafte Gage (von DM 400.000) hatten Horst Wendlandt als Produzent und Peter Weck als Regisseur den Schlager- und Showstar Peter Alexander zu seinem tatsächlich allerletzten Spielfilm überzeugt, der für Hauptdarstellerin Christiane Hörbiger ein Glücksfall war: "Ich habe ja damals hauptsächlich Theater gespielt und war sehr glücklich über dieses Angebot mit Peter Alexander." Des einen Leid, des andern Freud (wobei sich das Leid bei einer knappen halben Million Schmerzensgeld ertragen lässt).

Zur Handlung (siehe 'Filmportal'): "Der Studienrat Peter Markus, alleinerziehender Vater und der beliebteste Lehrer seines Gymnasiums, freut sich auf die Ferien. Für die Schülerin Corinna sind die Aussichten hingegen trübe, denn ihre Versetzung ist mehr als gefährdet. Nur ein Ausweg scheint möglich: Der größte Traum des Studienrats ist bekanntlich ein Eigenheim für sich und seine Tochter, und so überredet Corinna ihren Vater, seines Zeichens Bauunternehmer, Peter Markus kurzerhand zum Gewinner eines ominösen Preisausschreibens zu erklären. Die Verwirrungen durch die getarnte Bestechung potenzieren sich, als sich auch noch Corinnas Schwester in den Studienrat verliebt..."
Die zeitlose Problematik der Bestechung (hier eines Lehrerbeamten) wird hier freilich auf Comedy-Niveau verharmlost.

Die Besetzung ist für eine Komödie in der Nähe der Klamotte ansprechend: Peter Alexander hatte nie den Anspruch, ein großer Schauspieler zu sein, den promovierten Lehrer Dr. Peter Markus verkörpert er jedoch glaubhaft und zum Schmunzeln; Theo Lingen und Max Griesser bürgen für die bundesdeutsche Komödie der 70er; Christiane Hörbiger als Ursula Kannenberg ist schon damals große Klasse, ebenso wie Martin Held als Professor Hebbel und Hans Quest als Oberschulrat (der freilich in einem Gymnasium nichts verloren hat).

Dass mehrere Schlager die Filmhandlung retardieren ('Was ist denn woanders so anders?', 'Meine vier Wände', 'Leute im Campingzelt', 'Wir singen mit der ganzen Welt'), wirkt heute anachronistisch und altmodisch, war aber damals sehr beliebt.
Die Musik stammt immerhin von Heinz Kiessling, einem der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungskomponisten der Nachkriegszeit, der mit vielen nationalen wie internationalen Stars zusammengearbeitet hatte (Chet Baker, Luiz Bonfá, Wencke Myhre, Caterina Valente) und zwei Jahrzehnte lang die Shows von Peter Alexander musikalisch begleiten sollte, der für zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen die Titelmusik geschrieben hat ('Klimbim', 'Zwei himmlische Töchter', 'Dingsda', 'Das Traumschiff' und 'Aktenzeichen XY... ungelöst') und 1969 - als einziger deutscher Komponist überhaupt, denn Udo Jürgens ist auch Österreicher - ein Lied für Frank Sinatra schreiben durfte ('In The Shadow Of The Moon').

Die Kritiken sind niederschmetternd und aus meiner Sicht überzogen.
So spricht das 'Lexikon des Internationalen Films' von einem "... dünnen Lustspiel mit Peter-Alexander-Songs"; "einzig diskutabel" sei "die darstellerische Leistung von Martin Held..."
Das 'Heyne Filmlexikon' übertreibt 1996 gewaltig und beleidigt zudem auch noch den längst anerkannten Regisseur: "Peter Alexander ist schon wieder ein patenter singender Lehrer, es geht schon wieder in die Ferien und Peter Weck hat schon wieder die Dreistigkeit, den Regiestuhl zu okkupieren. 'Schwach' ist dafür kein Ausdruck."

Mein Fazit: Als Musikfilm lässt sich die Komödie ertragen; wer dieses Genre nicht mag, sollte an einem traurigen Tag wie heute auch besser nicht darüber schreiben. Noch lieber hätte auch ich über einen gelungenen, anspruchsvollen Spielfilm geschrieben, an dem der Verstorbene doch Unvergessliche erheblich Anteil hatte.
Allein den gibt es leider nicht.

Fast jedes Leben bleibt unvollendet.
Hier haben tödliche Schicksalsschläge die jahrzehntelange Glückssträhne schwer verdunkelt: Insbesondere den Tod des eigenen Kindes steckst du nicht mehr weg. Alexander fehlte wohl auch der Lebensmut, nachdem die Vertrauten ihn verlassen hatten.
Bedauert habe ich über all die Jahrzehnte zweierlei: dass 'Peter der Große' seine wahre, allerdings kommerziell weniger lukrative Begabung als Jazz-Pianist nie voll zu zeigen wagte; und dass er sich seit 1998 auf der Bühne und im Fernsehen derart rar gemacht hatte, statt wenigstens ab und an ohne viel Aufwand eine Talkshow zu bereichern. Umso zufriedener war ich, als er bereits nach dem schmerzlichen Tod seiner Frau von seinem Eigenheim aus an seinem E-Piano dem Freund und Produzenten seiner Shows Wolfgang Rademann und uns fast ausschließlich instrumental ein swingendes Ständchen schenkte:
"Sag zum Abschied leise Servus..."

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