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Kritik von Jonas Keller zu 'Memento'

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Kritik von Jonas Keller
veröffentlicht am 09.06.2009
90%
Wie kann ein Film in unserer Unterhaltungsgesellschaft noch Aufmerksamkeit erregen? Nur zu oft reagieren Filmstudios auf diese Problematik mit dem Motto "Grösser, besser, härter". Trotz Hollywoods Hang zum Gigantismus entstehen hin und wieder aber noch innovative und intelligente Filme, die sich wohltuend vom Mittelmass abheben. Ein Paradebeispiel für ein solches Werk ist zweifellos Christopher Nolans "Memento".

Leonard (Guy Pearce), einst Versicherungsagent, hat seit der Ermordung seiner Frau nur ein Ziel: den Täter zu finden und zu töten. Alles, was er hat, ist der Name John G. - und kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Seit der Todesnacht seiner Frau hat er dieses verloren, weshalb er sich mit Hilfe von Notizzetteln und Tätowierungen zu orientieren versucht, allen voran dem Schriftzug auf seiner Brust: "Finde ihn und töte ihn!" Nur zu diesem Zweck lebt er; die beinahe unmögliche Aufgabe, ohne Gedächtnis einen Unbekannten zu finden, ist das einzige, was seinem Leben noch einen Sinn verleiht. Unterstützt wird er bei seinem Vorhaben von dem undurchsichtigen Teddy (Joe Pantoliano) und der durchtriebenen Natalie (Carrie-Anne Moss).

So weit, so unspektakulär, und tatsächlich ist die Rahmenhandlung von "Memento" eher konventionell. Was den Film aber zu einem einmaligen Meisterwerk macht, sind weder die Story noch die, wenngleich überzeugend aufspielenden, Darsteller, sondern die gewählte Erzählform: beinahe der gesamte Film spielt sich rückwärts ab. So folgt auf jeder Szene nicht die chronologisch nächste, sondern die vorhergehende. Durch diesen Kniff wird der Zuschauer förmlich in die Sichtweise von Leonard hineingeworfen. Genau wie er wissen wir nur fragmentarisch, was sich bisher abgespielt hat, wie er stehen wir den Ereignissen und Personen hilflos gegenüber. Vertrauen kann Leonard nur seinen Notizen. Zu ausnutzbar, zu verletzlich ist er in seiner Situation, als dass er Anderen glauben könnte. Am deutlichsten wird dies in einer Szene, in der Leonard verzweifelt nach Stift und Papier sucht, um sich selbst vor einer Person zu warnen. Das Vergessen ist schneller und prompt wird er für fremde Zwecke missbraucht. In solchen Momenten weiss man kaum, ob man lachen oder weinen soll, derart tragisch ist die Situation des Helden und derart faszinierend das sich immer weiter entfaltende Gesamtbild. Jede Szene bringt eine neue Erkenntnis, die das vorhergegangene in einem neuen Licht erscheinen lässt, bis hin zur finalen Frage: Wenn man sich an nichts erinnert, kann man sich dann selbst überhaupt noch trauen?

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