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Kritik von Benjamin Falk zu 'Memento'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 25.03.2014
100%
Ein Spoiler ist eine Information zur Handlung, die wesentliche Spannungs- oder Überraschungselemente vorwegnimmt.
Christopher Nolan ist ein großartiger Regisseur, den ich für seine Filme wirklich sehr schätze. Alle habe ich jedoch noch nicht gesehen. So fehlte mir z.B. auch "Memento". Ich wusste, dass der Film nicht einfach sein wird und mir war auch bekannt, dass hier viel mit der Chronologie gespielt wird. Nun habe ich mir dieses Meisterwerk endlich auch mal angesehen und von nichts geringerem kann hier die Rede sein. "Memento" ist unglaublich clever, fordert den Zuschauer und stellt somit zwar absolut keine leichte Unterhaltung dar, ist aber ungemein fesselnd.

Die Grundgeschichte ist äußerst simpel. Es geht um Leonard, der auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau ist. Diese wurde nämlich vergewaltigt und anschließend getötet. Leonard erwischte den Mörder bei seiner Tat, wurde niedergeschlagen und seitdem leidet er unter Verlust des Kurzzeitgedächtnis. So kann er sich zwar an alles erinnern, was geschah, bevor er niedergeschlagen wurde, aber alles andere, was danach geschieht, bleibt ihm immer nur kurze Augenblicke in Erinnerung. Deshalb hat Leonard damit angefangen, sich von allem ein Foto zu machen und ohne seine Notizen wäre er nichts. Nicht, dass es nicht schon schwer genug wäre, den Mörder zu finden, aber durch die Sache mit dem Verlust des Kurzzeitgedächtnis, scheint die Sache unmöglich.
"Memento" ist so einer dieser Filme, die komplett zerstört werden würden, wenn man hier spoilern würde. Der Zuschauer weiß anfangs nämlich gar nichts und erfährt bis zum Ende alles. Das Drehbuch, welches Christopher zusammen mit seinem Bruder Jonathan schrieb, ist dabei bis ins kleinste Detail ausgeklügelt. Mir ist bei der ersten Sichtung auf jeden Fall kein Logikfehler aufgefallen. Zum Schluss darf die Auflösung natürlich nicht enttäuschen und das ist hier auf keinen Fall der Fall. Mich hat das echt überrascht und ich konnte das nicht ansatzweise vorhersehen. Es werden viele falsche Fährten gelegt und immer wieder gibt es Szenen, in denen man sich einfach nur denkt "Wow". Mich hat diese Story fasziniert. Das wurde enorm clever geschrieben und man muss als Zuschauer auch selbst viel nachdenken. Somit ist das nie und nimmer relaxende Unterhaltung, aber ein solch intelligentes Drehbuch sieht man echt nicht alle Tage.

Als würde die Sache mit dem Kurzzeitgedächtnis "Memento" nicht schon schwierig genug machen, bekommt man den Film dann auch noch in einer anfangs verwirrenden Chronologie zu sehen. Da gibt es zwei Handlungsstränge. Den ersten bekommt man in Farbe zu sehen. Hier wird die Hauptgeschichte erzählt und zwar rückwärts. So endet die folgende Szene meist mit einer Einstellung der vorherigen. Der Zuschauer weiß somit nie wirklich worum es geht und das erfordert viel Aufmerksamkeit. Der zweite Strang ist in schwarz/weiß und wird zumindest linear erzählt. Allerdings weiß man bis zum Ende nicht, wo sich dieser Strang in der Chronologie befindet und das macht die Sache auch nicht einfacher. Das so zu verfilmen ist sicherlich eine Herausforderung und da bedarf es schon einen genialen Regisseur, welcher in Christopher Nolan gefunden wurde. Mit "Memento" baute er sich einen starken Ruf auf, den er bis heute halten konnte. Das ist handwerklich nämlich wirklich perfekt gemacht. Obwohl der Film verwirrend, komplex und anstrengend ist, schafft es Nolan dem Ganzen einen roten Faden zu verleihen und vom Aufbau her, ist das schon sehr gekonnt gestaltet. Das ist nicht weniger als eine Meisterleistung.

Dabei ist alleine die Idee, dermaßen stark mit der Chronologie zu spielen, ein echtes Wagnis. Quentin Tarantino kann es, aber fast einen ganzen Film rückwärts laufen lassen, das hat auch er nicht gemacht. Gaspar Noé versuchte es 2002 mit "Irreversibel", doch da scheiterte es letztendlich an der Story. Denn das geniale an "Memento" ist ganz einfach der Schluss. Obwohl man das eigentliche Ende ja schon am Anfang sieht, bietet der Schluss bzw. der Anfang die ganzen Antworten auf die Fragen. Dabei ist jede einzelne Minute der ca. 110 Minuten Laufzeit enorm spannend. Nicht, weil so viel los ist, sondern ganz einfach, weil man weiß, dass man erst nach der nächsten Szene die vorherige verstehen kann. Somit schaut man gebannt zu um auch alles zu begreifen. Die Laufzeit verging für mich schon nicht mehr nur kurzweilig, sondern ich habe sie kaum gespürt. "Memento" hat es geschafft, dass ich dermaßen tief in die Filmwelt versunken war, dass ich wirklich alles andere um mich herum vergessen habe. Es ist schon eine Weile her, dass mich ein Film so enorm stark unterhalten hat.

Die Atmosphäre ist sehr ernst und an sich bekommt man hier einen äußerst bösen Film geboten. Durch die vielen Ereignisse, die man vorerst nicht verstehen kann, enthält "Memento" immer einen Hauch von Mystery. Im Grunde genommen ist das natürlich ein recht simpler Rachethriller, der aber sehr viel Tiefe erhält. Die Spannungsschraube wird dabei gekonnt immer deutlicher angezogen und man kann es kaum erwarten, die nächste Szene zu sehen. Humor gibt es kaum. Ein paar Male gibt es zwar einen echt lustigen Spruch, aber der Grundton bleibt düster und ist ziemlich hoffnungslos. Von einem Happy-End kann dabei auch überhaupt nicht die Rede sein. Mich hat die Atmosphäre echt fasziniert. Auf der einen Seite besitzt das tragische Momente, auf der anderen Seite ist das ein kalter Thriller und auf einer nochmals anderen Seite ist das irgendwie auch ziemlich cool. Begleitet wird das Treiben von einem dezent eingesetzten Score, der seinen Zweck aber durchaus erfüllt.

Zum Schluss sollte man auf jeden Fall noch ein paar Worte zu den Darstellern verlieren. Guy Pearce hat die schwierige Rolle, seine Figur mit einer Mischung aus Verwirrtheit, Entschlossenheit und Selbstaufgabe zu spielen. Dies meistert er brilliant. Dieser Leonard bleibt fast immer cool, lässt auch gerne mal einen lockeren Spruch heraus, droht dabei aber stets den Verstand zu verlieren. Pearce spielt das äußerst sympathisch und ziemlich eindringlich. Er steht jederzeit im Mittelpunkt und die anderen Darsteller können da nicht mithalten. Dennoch spielen Carrie-Anne Moss und Joe Pantoliano ebenfalls sehr gut.
Bei der Figurenzeichnung hält sich "Memento" deutlich zurück, doch dies ist auch dem Erzählstil zu verschulden. Bis auf Leonard dürfen die anderen Charaktere gar nicht durchschaubar sein und würde man viel über sie erfahren, wäre der gesamte Reiz weg. So entwickelt sich erst hinterher immer mehr Dynamik in der Zeichnung der Figuren. Doch auch gerade dieser Punkt ist so stark gelungen. Man kann die Figuren nie durchschauen, sie bleiben stets interessant und wirken dabei auch noch alle ziemlich sympathisch. Und mit Leonard hat man eine echt tragische Figur entworfen, die für mich schon ein großes Kultpotenzial besitzt.

Fazit: Nun habe ich mich schon nicht besonders kurz gefasst, habe aber dennoch das Gefühl, dass ich nicht genug zu diesem tollen Film geschrieben habe. "Memento" ist ein Meisterwerk mit einer dermaßen cleveren Story, dass ich einfach begeistert war. Das ist detailverliebt geschrieben, schlüssig und wartet mit einer grandiosen Auflösung auf. Daneben ist es natürlich die Machart, die den Film so einzigartig macht. Das ist ein großes Experiment, welches völlig aufgegangen ist. Dafür muss man Christopher Nolan echt loben, denn ich denke, dass würden nicht viele so genial hinbekommen. Gerade durch die Erzählweise ist "Memento" stets verwirrend und fordert höchste Aufmerksamkeit. Wer also entspannende Unterhaltung sucht, darf sich das nicht ansehen. Ich fand den Unterhaltungswert aber perfekt, war gefesselt und einfach nur fasziniert von dem Werk. Nebenbei bekommt man eine sehr starke Atmosphäre geboten, die Darsteller spielen sehr gut und die Figurenzeichnung ist ebenfalls gelungen. Wer sich dieses Meisterwerk also tatsächlich noch nicht angesehen hat, sollte dies, so wie ich, auf jeden Fall nachholen. Das wird zwar bei der zweiten Sichtung etwas an Reiz verlieren, doch dieses erste Mal hat mir so gut gefallen, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als die Höchstwertung zu geben!

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