Ich war skeptisch, ich gebe es unumwunden zu. Wenn es mir schlecht geht und ich ein wenig Aufmunterung gebrauchen kann, greife ich sehr oft zur Persuasion-Verfilmung von
1995 und ich hatte Angst diesen positiven Eindruck mit der BBC-Neuverfilmung zu zerstören. Aber ich wurde nicht enttäuscht und BBC hat den hohen Standard gehalten.
Dieser TV-Film hält sich eng an die Romanvorlage, obwohl einige Details ausgespart oder verändert worden sind. Besonders was die Witwe Mrs. Smith in Bath angeht, die eigentlich durch eine Erkrankung nicht mehr laufen kann und dennoch am Ende des Films mit der Hauptdarstellerin Anne Elliot durch die Stadt rennt. Aber darüber kann man auch mal großzügig hinwegsehen.
Überhaupt war der Regisseur sehr experimentell unterwegs, besonders was die Kameraarbeit angeht - ich denke da an Nahaufnahmen und den Einsatz der Handkamera im Film, die aber die Stimmung der Akteure gut einfangen. Schön in Szene gesetzt sind vor allem die Geschehnisse am Badeort Lyme, an dem die Brandung des Meeres den Darstellern wohl sehr zu schaffen gemacht hat.
Die Darstellung der einzelnen Personen selbst ist als erfrischend anders wohl am besten wiederzugeben. So gehörte es bisher noch nie dazu, dass wirkliche Männergespräche gezeigt wird. Hier hingegen verdeutlicht die Freundschaft von Captain Wentworth und Captain Harville die Gefühle des Ersteren für Anne Elliot. Auch die Nebencharakter haben sehr viel zu bieten, wenn auch besonders die Musgroves ein wenig zu kurz weggekommen sind.
Insgesamt passen jedoch die beiden Hauptakteure sehr gut zusammen. Vorsichtige Blickkontakte und zurückhaltende Beobachtungen sowie der beinah endlos hinausgezögerte Kuss am Ende des Films zeigen, dass die beiden Darsteller wunderbar harmonieren. Während sie zu Beginn des Wiedersehens natürlich wenig Gefühle für einander zeigen, wird im Verlauf der Geschehnisse die Sehnsucht von Anne Elliot und Captain Wentworth nacheinander immer deutlicher.
Zu guter Letzt kommt auch der Humor nicht zu kurz und ich muss zugeben, dass ich an mancher Stelle wirklich wunderbar lachen konnte - so zum Beispiel über die Frisur von Annes Schwester Elizabeth bei einem Konzert in Bath - ich hatte sie bei den ersten Malen gar nicht gesehen, da ich nur für den grandios spielenden Anthony Head Augen hatte, dabei ist das Bild kaum groß genug um dieses Meisterwerk an Friseurkunst einzufangen - ein Augenschmaus.
Ein wirkliches Manko hingegen ist, wie so oft, die deutsche Synchronisation. Wer kann, sollte sich den Film unbedingt auf Englisch anschauen. Noch ein positives Wort von mir: Die Musik ist wunderschön und unterstützt die einzelnen Szenen des Films sehr.
Ich selbst werde nun auch öfter zu dieser DVD greifen, um vielleicht auch hier noch mehr Dinge zu entdecken, die diese Neuverfilmung sehenswert machen. Dennoch reicht sie in der Qualität nicht ganz an ihren Vorgänger heran.