Molly ist eine 10. Was will diese potentielle Sexbombe also mit einer 5 namens Kirk? Nun, dass fragen sich auch Kirks Freunde als sich herausstellt, dass die Blondine scheinbar tatsächlich auf ihren Kumpel steht. 10? 5? Vielleicht mal von vorne.
Kirk ist Sicherheitsbeamter am Flughafen. Er hat eine reichlich seltsame Beziehung hinter sich, deren Abbruch er noch immer nicht ganz verkraftet hat. Erschwerend kommt hinzu, dass seine Ex noch immer bei ihm zu Hause rumlungert, samt neuem Anhang. Als die attraktive Molly ihr iPhone in der Sicherheitsschleuse des Flughafens liegen lässt und Kirk es ihr wiederbeschafft, nimmt das Wunder seinen Lauf.
Wie gesagt ist Molly eine 10. Was bedeutet, dass sie auf einer von Kirks Freunden aufgestellten Skala von 1 bis 10 das Nonplusultra darstellt. Aussehen, Job, soziales Umfeld, alles wird in dieses Schema mit einberechnet. So kommt Kirk selbst nur auf eine wohlwollende 5, weil er lustig ist, aber mit einer ziemlichen Rostlaube durch die Welt tingelt. Schon allein diese Skala bietet einen großen Spaß an "Zu scharf um wahr zu sein". Wie würde man sich wohl selbst einteilen? Welche Wertung würde man den Menschen, die neben einem sitzen verpassen? Aber auch sonst kann der Film überzeugen.
Zwar bewegen sich die Gags wie von zeitgenössischen Komödien gewohnt teils auf einem eher niedrigen Niveau, doch kommt es dazu erfreulich selten. Meist wissen die witzigen Szenen durch Situationskomik und vor allem herrlich lakonischen Sarkasmus zu gefallen. Besonders Kirks Freundeskreis, allen voran sein bester Kumpel Stainer, schießt in dieser Hinsicht den Vogel ab. Wenn die vier auf einem Fließband hockend debattieren, kann sich wohl keiner wenigstens ein Grinsen verkneifen.
Doch der eigentlich Fokus sollte auf dem Hauptcharakterduo liegen, dass natürlich Kirk und Molly sind. Zunächst zu Kirk. Jay Baruchel konnte schon in "Beim ersten Mal" Erfahrung hinsichtlich dieser Rolle sammeln, doch hoffe ich, den jungen Mann auch noch in anderen zu sehen als in denen des sympathischen Losers. Selbst wenn er dies äußerst gekonnt macht, so würde mich interessieren, wie er sich in anderen Parts schlagen würde. Alice Eve hingegen ist eine relative Neuentdeckung im großen Filmbusiness. Ihre Rolle in "Zu scharf um wahr zu sein" stellt auf jeden fall ihre bisher größte dar und sie macht ihre Sache außerordentlich gut. Besonders positiv fällt hierbei auf, dass Regisseur Jim Field Smith nicht auf eine typische Hollywoodschönheit Marke Megan Fox oder Scarlett Johansson gesetzt hat, sondern auf ein ganz neues Gesicht. Eve fällt etwas aus der neuen Definition von "schön" heraus, die sich beispielsweise in den beiden eben genannten zeigt. So ist sie weder ein vollkommen abgemagertes Klappergestell, noch (zumindest sichtbar) chirurgisch nachbearbeitet, Alice Eve glänzt durch bestechende natürliche Schönheit. Und nicht nur ihr äußeres Erscheinen überzeugt, Molly ist obendrein ein absolut interessanter Charakter. Sie ist witzig, zuvorkommend, eine Erfolgsfrau, aber dennoch am Boden geblieben. Bevor ich noch weiter schwärme soll einfach gesagt sein: Molly ist unter den modernen Filmfrauen sicher unter den Top 10 anzusiedeln, da sich die Figur so angenehm von den standardisierten Schönheiten abhebt.
"Zu scharf um wahr zu sein" geht tatsächlich als von Figuren getragener Film durch, denn sie sind es die den Streifen zu der guten Unterhaltung machen, die er ist. Zwar folgt die Story, vor allem gegen Ende, altbekannten Wegen, doch zuvor noch bricht sie gekonnt ein altes Klischee. In romantischen Komödien gibt es des Öfteren ein Missverständnis, das durch eine schlichte Unterhaltung aus dem Weg geräumt werden könnte, es aber nicht wird, da dies der "Spannung" zuträglich wäre. In "Zu scharf um wahr zu sein" gibt es dieses auch, doch, und ich staunte nicht schlecht, tritt Kirk schlicht auf Molly zu und erklärt die Situation. Man könnte dies als regelrecht mutig bewerten, daran dürfen sich zukünftige Filme dieser Machart gerne ein Beispiel nehmen. Nur am Ende fehlt den Machern der Mut noch einmal mit Genrestandards zu brechen und so gibt es einen recht vorhersehbaren Showdown, bei dem lediglich überrascht, dass die sonst klar verteilten Rollen vertauscht sind.
Unterm Strich ist "Zu scharf um wahr zu sein" eine gute romantische Komödie, die mit Überraschungen aufwartet in Sachen Storyentwicklung und einer grandiosen Entscheidung in Sachen Hauptfigurencast. Apropos Entscheidungen: Alice Eve spielte nach "Zu scharf um wahr zu sein" eine kleine Rolle in "Sex and the City 2". Also bitte Mädchen, das ist doch unter deiner Würde. Und als nächstes dann noch der nächste "X-Men"? Na ich hoffe, da geht nichts schief.