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Kritik von Fred Maurer zu 'Emil und die Detektive'

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Partner von Entania
Kritik von Fred Maurer
veröffentlicht am 04.08.2010
90%
Ein anderes Wort für Drehbuch. Auch Webseiten basieren zumeist auf Scripten, meistens PHP. Aber das ist ein anderes Thema! ;-)
Zelluloid ist ein Material, auf dem bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Filme aufgenommen wurden. Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet man damit auch einfach Filmaufnahmen. Ausserdem ist es noch der Name dieser Website! ;-)
Das Original ist schwer zu übertreffen!

Eine Filmkritik von Dipl.-Päd. Fred Maurer in Erinnerung an zwei schauspielerisch vielversprechende Opfer des II. Weltkrieges, gegen den Autor Erich Kästner vergebens angedichtet hatte: Rolf Wenkhaus ('Emil'), Hans Schaufuß ('Gustav mit der Hupe')

Zu Beginn der Recherche ein Schock, der eigentlich nicht wirklich überrascht: Titeldarsteller Rolf Wenkhaus, der prinzipiell heute 93jährig noch leben könnte, starb mit nur 24 Jahren als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Er trat nur in drei Filmen auf.
Auch Hans Schaufuß, das Berliner Original 'Gustav mit der Hupe', sollte 1941 das gleiche Schicksal ereilen. Ihnen beiden sei dieser kleine Text gewidmet.
Erich Kästner hatte mit seinen Friedens- und Antikriegs-Gedichten keine Chancen ("Wenn wir den Krieg gewonnen hätten", gemeint ist der I. Weltkrieg) - und sollte in den 60ern darüber resignieren. Dieses traurige Ende eines einst großen Schriftstellers habe ich als schwer enttäuschter Jugendlicher (bei einem unsäglichen Radiointerview des gerade 75jährigen) 'live' miterleben müssen. Fan seiner Bücher und deren Verfilmungen bin ich geblieben.

Kästners zwei Jahre zuvor (1929) erschienene Roman wurde (wie auch "Das fliegende Klassenzimmer" und mit ihm fast zeitgleich in drei Epochen deutscher Geschichte) dreimal deutsch und (ähnlich wie "Das doppelte Lottchen") achtmal international verfilmt: 1931 als einer der ersten Tonfilme; 1954 sogar bereits in Farbe; 2001 als gesamtdeutsche stark konstruierte Gegenwartsgeschichte.
Über diese letzte Verfilmung (immerhin mit Jürgen Vogel, Maria Schrader, Kai Wiesinger) hat Filmkritik-Großmeister Alexander "Heinz" Jachmann in einer seiner knapp 800 Kritiken damals alles gesagt: Sie war nicht besonders gut.
Das 'Original' aus der Zeit der freilich bereits bedrohten Weimarer Republik hingegen war und ist ein Meilenstein.

Die Handlung kennen gleich drei, ja vier Generationen zumindest in Umrissen (siehe 'filmportal'):
"Auf der Fahrt nach Berlin werden dem Jungen Emil Tischbein 140 Mark geklaut, die eigentlich für seine Großmutter bestimmt waren. Der Übeltäter ist ein Taschendieb namens Grundeis. Mit Hilfe von "Gustav mit der Hupe" und dessen Freunden gelingt es Emil, sich an die Fersen von Herrn Grundeis zu heften. Immer mehr Kinder schließen sich der Verfolgung an und in einer Bank wird Herr Grundeis endlich gestellt. Von der hinzugerufenen Polizei erfährt Emil, dass auf die Ergreifung des Schurken 100 Mark Belohnung ausgesetzt sind. Jetzt ist er endgültig der Held des Tages."

Heute kennen wir Älteren nur noch zwei Schauspielernamen: Käthe Haack (als Emils Mutter Frau Tischbein) und Fritz Rasp als Gauner Grundeis (er spielte in den 70er Jahren noch in der Serie "Der Kommissar"). Auch der Regisseur Gerhard Lamprecht ist heute leider und unverdienterweise vergessen.

Zunächst drei zeitgenössischen Zeitungskritiken je von 1931 als Beispiele positiver Medienkritik.
Der 'Kinematograph' sieht fast prophetisch den Welterfolg des Drehbuchautoren voraus: "Das Manuskript schrieb Billy Wilder. Ein junger Autor, über dessen Qualitäten viel gestritten wurde und der sich bisher, immer tastend nach neuen und originellen Formen, vielleicht hier und da noch etwas unsicher bewegte. Er verzeichnet jetzt einen Treffer ins Schwarze, zeigt eine geradezu überragende Begabung für bestimmte Stoffe und rückt mit einem Schlag mit diesem Werk in die Reihe der ganz Großen. Er schafft seinem Film ein geradezu faszinierendes Tempo, führt seine Handlung mit logischer Konsequenz auf der Linie des Sensationsdramas von Anfang an bis zu dem Augenblick, wo sich der gewöhnliche Dieb zum Bankräuber entpuppt. Er hat in seinen jugendlichen Darstellern eine Begeisterung für den Stoff entzündet, die unerhört ist..."
Die 'Lichtbühne' schwärmt: "Die Ufa kann wieder einen Erfolg verbuchen... Erwachsene wie Kinder jubelten gestern diesem neuen Stapenhorst-Film begeistert zu... Eine glückliche Idee war es, Erich Kästners prächtigen Jungens-Roman als Stoff heranzuziehen. Diese Geschichte von den entschlossenen Bengels, die es auf eigene Faust unternehmen, einen ausgekochten Betrüger zur Strecke zu bringen, ist frisch-originell... Dieser Film hat Atmosphäre... Das ist eine Welt, erfasst mit der Phantasie und Illusionskraft des Kindes... Gerhard Lamprecht, dem Regisseur, gebührt hierfür allererste Anerkennung. Das geht ohne Stocken vom (raffiniert stummen) Anfang bis zum bravourösen Schluss. Dieses Jungen-Abenteuer scheint tatsächlich erlebt. Eine besonders interessante Stelle des Films übrigens die Traum-Vision im Eisenbahnzug, die unwillkürlich auch dem Erwachsenen einen leisen Schauer einflößt... Wesentlich zum Erfolg trug die einfallsreiche musikalische Illustration Allan Greys bei, die streckenweise geradezu zum wesentlichen Träger der Handlung wird..." - damals noch eine neue Erfahrung,, heute weiß man um die 'Hauptrolle' der Filmmusik.
Der 'Filmkurier' behauptet zurecht: "Dieses ist nicht nur ein Film für Kinder. Jeder Erwachsene ... muss diesen Film reizend und sehenswert finden. Es muss schon einer sehr verknöchert oder sehr blasiert sein, wenn er nicht nach den ersten zweihundert Metern auf der Leinwand seine zehn oder dreißig oder fünfzig Jahre 'Erwachsenen-Dasein' vergisst und als Kind den Sorgen und Freuden der Kinder folgt... Wer Lamprecht an der Arbeit mit seinen Kindern gesehen hat, kann ermessen, wie viel aufopfernde Liebe und Geduld in diesem belichteten Zelluloid steckt. Er hat keine Stars, keine Schauspieler aus seinen Kindern gemacht, er hat sie nicht zum Mimen in Großaufnahme verleitet: Sie sollen natürliche Kinder sein und sind es auch... Es gib riesigen Applaus, während des Films und zum Schluss, als die 'Stars' in Originalkostümen auf die Bühne kamen..."

Mich selbst überzeugt diese technisch noch unvollkommene, aber authentische Verfilmung am meisten von allen späteren Versuchen: Sie war spannend und lehrreich.
Hier gilt mal wieder die These: Das Original ist schwer zu übertreffen!

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